25.11.2013
Klassiker der Luftfahrt

Bild der Woche KW 48/2013Saab J 29 "Tunnan"

Die Saab J 29 war der erste in Serie gebaute westeuropäische Pfeilflügel-Jetfighter. Wegen des auffällig gedrungenen Rumpfes erhielt der Jäger schnell den etwas lästerlichen Spitznamen „Tunnan“, zu deutsch „Tonne“. Technisch war die Saab dennoch ein Spitzenprodukt.

BdW 0009 Saab J 29

Die Saab J 29 "Tunnan" war der erste in Westeuropa in Großserie gefertigte Pfeilflügel-Jetfighter. Foto und Copyright: © Saab  

 

Von ihrer Auslegung her ist die Saab J 29 durchaus in einer Reihe mit der North American F-86 Sabre und der MiG-15 zu sehen. Mit ihrem 25 Grand gepfeilten Flügel mit dünnem Profil und dem De Havilland Ghost, das gut 22 kN Schub lieferte, erreichte die „Tunnan“ knapp über 1000 km/h. Über eigene Kenntnisse zum Bau eines Hochgeschwindigkeitsjets verfügte die schwedische Luftfahrtindustrie unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht. Doch die schwedischen Ingenieure erhielten, wie ihre Kollegen in den USA und der Sowjetunion, schon 1945 Zugang zu den deutschen Pfeilflügel-Forschungsergebnissen. Triebwerksseitig lieferte De Havilland das Know-how zur späteren Lizenzproduktion des Ghost.

Im Oktober 1945 liefen bei Saab die ersten Entwurfsarbeiten zur J 29 an. Fast drei Jahre später, am 1. September 1948 startete Testpilot Robert Moore zum 30minütigen Erstflug. Ein interessantes Detail des neuen Flugzeugs war die Koppelung ihrer automatischen Vorflügel mit den Klappen. Im Langsamflug mit ausgefahrenen Klappen arbeiteten die Vorflügel autonom. Wurden die Klappen eingefahren, blockierte die Mechanik zugleich die Vorflügel in eingefahrener Stellung.  Mit insgesamt drei weiteren Prototypen wurde das Erprobungsprogramm durchgeführt. Im Mai 1951 erhielt die schwedische Luftwaffe ihre ersten J 29A. Diese erste Jäger-Serienversion bewährte sich ausgezeichnet. Dennoch arbeitete Saab kontinuierlich an Versbesserungen. Erstes Resultat war die J 29B, der vor allem die Aufgabe eines Angriffsflugzeugs zugedacht war. Sie besaß mit 2100 Litern 50 Prozent mehr Tankkapazität und war für die Aufnahme von Luft-Boden-Raketen und Bomben ausgerüstet. Zwei Jahre später folgte die Aufklärerversion S 29C, die in der Bugsektion sieben Kameras trug.

Mit der nächsten Serienausführung „E“ wurde die J 29  aerodynamisch mit einem „Sägezahn“ zum Außenflügel modifiziert, um die Langsamflugeigenschaften zu optimieren. Als letzte Serienversion lieferte Saab ab 1954 die J 29F aus. Ein Nachbrenner, den die Svenska Flygmotor AB für das Ghost-Triebwerk entwickelt hatte, verlieh ihr wesentlich bessere Beschleunigungswerte. Nicht weniger als 308 J 29 B und –E wurden auf den F-Standard umgerüstet.

Bis 1956 verließen insgesamt 661 Saab 29 der verschiedenen Versionen das Werk in Linköping. Sie gingen zunächst alle an die schwedischen Luftstreitkräfte. In den Jahren 1961 und 1962 wurden jeweils 15 grundüberholte Saab J 29F an die österreichische Luftwaffe geliefert. Sie flogen dort bis 1976. Der letzte offizielle militärische Flug einer J 29 fand im August 1976 anlässlich einer Airshow zum 50. Gründungstag der schwedischen Luftwaffe statt.

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