13.05.2013
Klassiker der Luftfahrt

Bild der Woche KW 2013/20: Göppingen Gö 9Bild der Woche: Göppingen Gö 9

Zu den unbekannteren Versuchsflugzeugen der Deutschen Luftfahrtindustrie gehört zweifelsohne die Göppingen Gö 9. Als Erprobungsträger im Auftrage Dorniers gebaut, ist sie aus heutiger Sicht als Vorstufe zur berühmten Do 335 anzusehen.

Gö 9

Erprobungsflug über dem Allgäu, Sommer 1941. © Dornier  

 

Visionär und gegen den Zeitgeist im deutschen Flugzeugbau hielt die Firma Dornier an einigen ihrer mehrmotorigen Typen am Konzept der Zug- und Druckluftschraube in Tandemanordnung fest. In der Hochphase der Aufrüstung der deutschen Luftwaffe entwickelte Claude Dornier 1937 die Idee eines zweimotorigen Hochleistungsjägers, dessen Besonderheit die Tandemanordnung der Antriebe darstellte. Allerdings hatte das Technische Amt des Reichsluftfahrtministeriums zu diesem Zeitpunkt keinerlei Interesse an dem Reichspatent 728044 vom 3. August 1937, woraufhin es auch wieder in der Schublade verschwand. Drei Jahre später erinnerten sich die Dornier-Ingenieure an das alte Projekt und ließen Ende 1939 auf eigene Rechnung und ohne Wissen des RLM einen kleinen Versuchsträger zu Forschungszwecken bauen.

Aufgrund früherer guter Zusammenarbeit entschloss sich Dornier, diesen Auftrag an den Versuchsbau Wolf Hirth GmbH in Nabern zu vergeben. Um Dorniers Vorgabe, ein verkleinertes Modell eines bereits fliegenden zweimotorigen Flugzeuges zu bauen, gerecht zu werden, entschloss sich Hirths Konstrukteur Wolfgang Hütter zu einer Miniaturausgabe der Do 17 im Maßstab 1:2,5, welche die Bezeichnung Gö 9 erhielt. Hütter und vier weitere Kollegen richteten sich im Frühjahr 1940 im Konstruktionsbüro Dorniers in Friedrichshafen ein, um die Pläne der Do 17 eingehend zu studieren. Planung und Bau des Versuchsflugzeuges zogen sich bis zum Sommer 1941 hin, bevor Dornier-Werkpilot Iwan Quenzler im Juni 1941 den Erstflug im Schlepp einer Do 17 auf dem Flugplatz Mengen durchführen konnte.

Dornier ging es dabei besonders um die Flugeigenschaftsmessungen im Bereich der Leitwerksanordnung bei Druckschraubenantrieb. Von einem 80 PS leistenden Motor Hirth HM60R im Rumpfmittelteil über eine Fernwelle angetrieben, erreichte die Gö 9 eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Trotz ihrer geringen Abmessungen von nur 6,8 Metern Länge und einer Spannweite von 7,2 Metern gelang es Hütter, sogar noch ein Einziehfahrwerk unterzubringen.

Nach Abschluss der Erprobung landeten die Forschungsergebnisse aber zunächst wieder einmal in der Schublade. Als das RLM Ende 1942 erste Gedanken zu einem zweimotorigen Hochleistungsflugzeug skizierte und diese geladenen Industrievertretern am 11. Januar 1943 im Ministerium vorlegte, zog Claude Dornier höchstpersönlich sein altes Projekt aus dem Jahr 1937 wieder hervor und hielt einen Vortrag:

„... Die Vorarbeiten liegen fünf Jahre zurück. Wir haben aber in aller Stille weitergearbeitet und ein Modellflugzeug gebaut, eine Verkleinerung der Do 17 mit Heckschraube, und mit diesem Flugzeug haben wir Erprobungen durchgeführt. Die Flugergebnisse stimmten mit den Kanalmessungen überein. Irgendeine Beeinflussung des Leitwerkes findet nicht statt.“

Damit war der Weg für die legendäre Dornier Do 335 frei!

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