26.01.2017
Klassiker der Luftfahrt

Höhenflüge bis zum EndeVielseitiges Jagdflugzeug Focke-Wulf Ta 152

Die Focke-Wulf Ta 152 wird zu den leistungsstärksten Jagdflugzeugen des Zweiten Weltkriegs gezählt. Neue Reihenmotoren eröffneten überlegene Höhen- und Geschwindigkeitsbereiche. Nur wenige Exemplare erreichten kurz vor Kriegsende die Einsatzstaffeln.

Die Ta 152 wird in der Nachkriegsliteratur gerne als das „beste deutsche Propellerjagdflugzeug“ bezeichnet. Entwickelt aus einem ohnehin enorm leistungsstarken, robusten und vielseitigen Muster, der Focke-Wulf Fw 190, sind die Leistungsdaten in der Tat herausragend. So nennt das Datenblatt der Höhenjägerversion H-0 eine Höchstgeschwindigkeit von 718 km/h in 10 700 m Höhe. Für die vergleichbaren alliierten Jagdflugzeuge North American Mustang P-51D mit 1490 PS und die Spitfire Mk. XIV mit 1540 PS lauten die Werte 703 km/h und 707 km/h – allerdings in niedrigerer Höhe. Auch der Vergleich der Dienstgipfelhöhen zeigt das deutsche Flugzeug auf dem ersten Platz: Hier stehen 13 650 m gegenüber 12 500 m bei der Mustang und 13 600 m bei dem britischen Jäger. Eindeutig geschlagen musste sich der Focke-Wulf-Höhenjäger dagegen bei der Reichweite geben. Laut Datenblatt erzielte er 885 km und damit nur wenig mehr als die Spitfire. Die Mustang konnte 1530 km weit fliegen.

Dabei entsprach die H-0-Version, die nachweislich in den letzten Kriegsmonaten zum Einsatz kam, noch nicht dem geplanten Serienstandard. Ausgerüstet war sie mit einem Jumo-Zwölfzylinder des Typs 213 E, der eine Startleistung von 1750 PS hatte. Die leistungssteigernde Wasser-Methanol- oder GM-1-Einspritzung war nicht eingebaut. Andere geplante Versionen des Jagdflugzeugs mit diesen so genannten „Sonderstoffanlagen“ und anderen Motorvarianten waren, ihrem Datenblatt zufolge, in der Lage, größere Reichweiten und zumindest kurzzeitig noch höhere Geschwindigkeiten zu erreichen. Wie groß das Entwicklungspotenzial dieses Musters war, verdeutlicht der Umstand, dass für den November 1945 die Einführung einer Jumo-213-Weiterentwicklung mit 2700 PS Startleistung in Aussicht gestellt wurde.

Die Ta 152 wäre somit sicherlich ein gefährlicher Gegner für die alliierten Kampfflugzeuge gewesen, zumal sie von ihren Piloten als sehr wendig, steigfreudig und gut beherrschbar beschrieben wurde. Ihr Potenzial kam letzten Endes nicht zum Tragen, wohl nicht mehr als 39 Exemplare wurden bis Kriegsende an die Luftwaffe geliefert, nur wenige hatten Feindkontakt.

Die Einschätzung der Bedeutung des neuen Focke-Wulf-Höhenjägers ist nicht zu trennen von der Frage, warum erst so spät – im Oktober/November 1944 – die Serienproduktion anlief.

Überlegungen, ein Hochleistungsjagdflugzeug mit Höhenmotor auf der Basis der Fw 190 zu konstruieren, wurden bei Focke-Wulf schon frühzeitig angestellt. Dabei richtete sich der Blick auf die neuen Reihenmotoren Junkers Jumo 213 und Daimler-Benz DB 603, da die Leistungsfähigkeit des BMW-Sternmotors der Fw 190 offensichtlich ausgereizt war.

Die Gründe für das – aus heutiger Sicht – späte Erscheinen der Ta 152 waren vielschichtig. Zu nennen ist das häufig beschriebene Chaos auf der Ebene der nationalsozialistischen Verwaltung. Eine Entscheidung für oder gegen den Focke-Wulf-Höhenjäger wurde lange hinausgezögert, noch Anfang 1944 wurde dem Projekt keine Dringlichkeit zuerkannt. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die späte Verfügbarkeit zuverlässiger Höhenmotoren.


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