12.09.2016
Klassiker der Luftfahrt

FlugzeugparadeMuseum der israelischen Luftwaffe

Unter freiem Himmel präsentiert die israelische Air Force Heyl Ha’avir fast alle Muster ihrer Geschichte, angefangen von der seltenen Avia S-199 bis zur modernen F-15 Eagle. Mehr als 100 Flugzeuge sind zu sehen.

Friedlich schwebt der Beobachtungsballon am blauen Himmel. Weniger freundlich ist der Grund seiner Existenz, denn er soll die Abschusspositionen von feindlichen Raketenangriffen aus dem Gazastreifen registrieren. Heute ist es aber ruhig, und so kann die Fahrt in Richtung Beersheva, 90 Minuten von Tel Aviv entfernt, ohne Probleme weitergehen. Das Ziel lautet Hatzerim Air Base in der Negevwüste. Neben dem riesigen Fliegerhorst befindet sich hier nämlich das Museum der Heyl Ha’avir, der israelischen Luftstreitkräfte. Die Sammlung soll ihre Geschichte darstellen und an die Leistungen ihrer Soldaten erinnern.

Allein der Blick auf die entfernten Gebäudesilhouetten in Gaza während der Fahrt erinnert den Besucher an die besondere Situation in Israel. Das gilt auch für die Sammlung in Hatzerim. Am Eingang erwarten den Besucher bewaffnete Wachposten. Ansonsten stellt sich die Atmosphäre sehr freundlich dar. Geht man an der auf einem Rondell aufgestellten IAI Kfir vorbei, präsentieren sich fein säuberlich, wie zur Parade aufgestellt, die Flugzeuge der israelischen Luftwaffe auf einem weiten Platz. Ein eigens errichteter Beobachtungsturm ermöglicht einen umfassenden Überblick über die Reihen, in denen sich so manches Schätzchen verbirgt.

Dabei hatte das Museum erst im Juni 1991 seine Pforten geöffnet. Es entstand auf Initiative des damaligen Kommandeurs von Hatzerim, General Ya’acov Terner. Er sammelte alle alten Fluggeräte ein, die auf den verschiedenen Basen erhalten geblieben waren. In einer kleinen Halle werden heute Ausrüstungsgegenstände und Memorabilien aus der Geschichte der Heyl Ha’avir ausgestellt, die recht abenteuerlich begann. Am 10. November 1947 hatte die paramilitärische Untergrundorganisation Hagana eine Flugabteilung ins Leben gerufen. Zu den ersten Flugzeugen gehörten zwei de Havilland Tiger Moth. Unter strenger Geheimhaltung kamen die verschiedensten, meist zivilen Typen auf verschlungenen Pfaden nach Palästina. Zwei Tage nach der Ausrufung des Staates Israel am 14. Mai 1948 wurde aus der Sherut Ha’avir die Heyl Ha’avir, und am 28. Mai gründete das junge Land seine offiziellen Streitkräfte und damit auch die Luftwaffe.

Avias sorgten für Wende

Die ersten Jäger waren in der Tschechoslowakei gekaufte Avia S.199 auf Basis der Messerschmitt Bf 109 mit einem Jumo-211-Motor, die getarnt als Landwirtschaftsgerät eingeschmuggelt wurden. Sie sorgten für eine Wende im Unabhängigkeitskrieg: Die Ägypter standen schon 32 Kilometer vor Tel Aviv, als vier Avias am 29. Mai 1948 die Truppen an der Brücke beim heutigen Ashdod angriffen. Die Ägypter waren so überrascht vom Vorhanden sein der Kampfflugzeuge, dass sie umkehrten. Einer der Piloten war der spätere Staatspräsident Ezer Weizman. Nur eine israelische S-199 existiert noch, und sie steht natürlich in Hatzerim. Auf Wunsch Weizmans blieb auch eine Supermarine Spitfire in Israel, während der Rest nach Burma verkauft wurde. Die schwarze „Spit“ gibt es bis heute. Sie wird vom Museum zusammen mit einer Boeing Stearman bei besonderen Anlässen vorgeflogen.

Zunächst nutzte der noch junge Staat vorrangig französische Muster, wie ein kurzer Blick über das Freigelände in Hatzerim verdeutlicht. Die Sammlung bietet eine große Palette von Dassault-Produkten, angefangen bei der Ouragan über die Mystère und die Super Mystère bis hin zur Mirage III. Die Ouragan stellte den ersten französischen Jäger in israelischen Diensten dar. Insgesamt beschaffte man 75 Flugzeuge, die teilweise noch bis 1973 flogen. Von der Mirage gibt es gleich drei Exemplare in Hatzerim: eines diente als Kfir-Prototyp, zwei weitere verbuchen jeweils 13 Abschüsse. Eine der beiden Mirages verkaufte Israel nach ihrer Außendienststellung an Argentinien, wo sie mehrere Jahre flog. Für den symbolischen Preis von einem Dollar kam sie 2003 wieder in ihre alte Heimat zurück.

Erfreulicherweise bemüht sich das Museum, jede Version eines Typs zu zeigen. So finden sich gleich vier verschiedene Gloster Meteor (Jäger, Trainer, zwei Nachtjäger) oder drei Sud-Ouest Vautour (Bomber, Aufklärer, elektronische Kampfführung) im Park. Die Meteor war der erste Jet Israels und befand sich von 1953 bis 1972 im Einsatz. Zuletzt diente sie als Ausbildungsflugzeug für Vautour-Besatzungen. Auch eine umfangreiche Kollektion eigener und gegnerischer Flugabwehrsysteme ist vorhanden. Dabei zeigt ein Gerät den Einfallsreichtum der israelischen Soldaten: Sie kombinierten ein im Sechs-Tage-Krieg erbeutetes Panzerfahrzeug sowjetischer Bauart mit US-Lafetten aus den 50er Jahren und zwei 20-mm-Bordkanonen aus einer Dassault Ouragan. Erfolge der israelischen Luftabwehr sind in Form mehrerer Wracks zu sehen, wie das Heck einer Suchoi Su-7.

Aber auch komplette Flugzeuge der ehemaligen Gegner sind ausgestellt. Eine besondere Geschichte steckt hinter der MiG-21. In einer Geheimaktion des Mossad flüchtete ein irakischer Pilot am 16. August 1966 mit seiner MiG-21 nach Israel und landete auf dem Fliegerhorst von Hazor. Nach einer gründlichen Untersuchung kam der sowjetische Jet in die USA, um dort wohl bei der geheimen Feinddarstellungsstaffel „Red Hats“ zu fliegen. Ende der 80er Jahre kam die MiG wieder zurück nach Israel.

Nur in Israel zu sehen ist das Kampfflugzeugprojekt Lavi. IAI hatte auf Basis der F-16 einen neuen Jet entwickelt. Das Programm wurde aber 1987 gestoppt. In Hatzerim steht der zweite Prototyp, der nur 28 Flüge absolviert hat. Skurril mutet eine IAI Westwind an, die zu Testzwecken eine MiG-21-Nase erhielt.

Trotz der umfangreichen Kollektion laufen die Bemühungen, die Sammlung zu vervollständigen. So sucht das Museum unter anderem nach einer Boeing B-17 Flying Fortress. Andere Muster wie Bristol Beaufighter, Curtiss C-46 Commando oder de Havilland Mosquito existieren nur in Form von Wrackteilen. Mögliche Tauschobjekte gibt es jedenfalls, denn hinter Zäunen und Bäumen versteckt warten noch viele alte Flugzeuge wie Mystère, Noratlas oder Stratocruiser auf eine neue Verwendung.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 01/2009

Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler


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