24.06.2016
Erschienen in: 03/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

Hochmodernes MuseumMilitärgeschichte im NMM Soesterberg

Im Dezember 2014 öffnete das Nationaal Militair Museum im niederländischen Soesterberg seine Pforten. Gleich in den ersten beiden Wochen kamen mehr als 50 000 Besucher. Sie wurden nicht enttäuscht. Das hochmoderne Museum setzt Maßstäbe in der Präsentation der Militärgeschichte.

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Der Name verrät es schon: Das Nationaal Militair Museum (NMM) ist kein reines Luftfahrtmuseum. Und doch nimmt die Militärluftfahrt in der Ausstellung mit rund drei Dutzend Flugzeugen fast eine dominierende Stellung ein. Das zweite große Thema ist die Geschichte der Landstreitkräfte von ihren frühesten Anfängen um die Zeitenwende bis in die Jetztzeit.

Das rund 250 Meter lange, komplett verglaste Museumsgebäude passt sich trotz – oder vielleicht gerade wegen – seiner modernen Architektur perfekt in seine Umgebung auf der ehemaligen Militärbasis Soesterberg an. Der Flugplatz wurde 2008 geschlossen und zu einem Landschaftspark umgewidmet. Die Geschichte Soesterbergs geht bis ins Jahr 1911 zurück. Im Zweiten Weltkrieg besetzte die deutsche Luftwaffe den Platz und baute ihn aus. Nach dem Krieg baute die Koninklijke Luchtmacht (KLu) Soesterberg neu auf, ab 1954 nutzte auch die USAF die Basis und flog hier zunächst mit F-86F Sabre. Zuletzt, bis zum Abzug der Amerikaner 1994, waren hier F-15 des 32nd Fighter Wing stationiert. Gleichzeitig nutzte die KLu den Platz vor allem mit einer Einheit mit Fokker F-27 und Alouette-III-Hubschraubern.

Die Geschichte der Basis spiegelt zu weiten Teilen die Entwicklung der niederländischen Militärluftfahrt wider. Nicht ohne Grund war hier bereits das niederländische Militärluftfahrtmuseum beheimatet, das dem NMM weichen musste.

Viele Flugzeuge des ehemaligen Militärluftfahrtmuseums finden sich nun in der aktuellen Ausstellung wieder. Eines der wichtigsten Exponate, nicht nur für niederländische, sondern auch deutsche Besucher, ist die Dornier Do 24K. Das Langstrecken-Flugboot hatte Dornier Mitte der 30er Jahre maßgeblich auf die Bedürfnisse der niederländischen Regierung zugeschnitten. In den Niederlanden lief eine Lizenzfertigung der Flugboote an. Eigentlich handelt es sich bei dem ausgestellten Exemplar um eine Do 24 T-3, die nach dem Krieg in Spanien SAR-Einsätze flog. Sie wurde auf den Standard der Patrouillenboote der niederländischen Ostindien-Streitkräfte umgerüstet, die die Do 24 im Pazifik auch noch einsetzte, nachdem die Deutschen in den Niederlanden eingefallen waren. Mit einer Curtiss P-6 Hawk, von der einige Exemplare bei Aviolanda in Lizenz gebaut wurden, und einer Brewster Buffalo zeigt die Ausstellung  zwei weitere Flugzeugmuster der Ost-indien-Streitkräfte.

Das Spektrum der präsentierten Flugzeuge reicht vom Nachbau einer Farman HF-20 aus den Pioniertagen bis zu modernen Jets wie der McDonnell Douglas F-15 Eagle und General Dynamics F-16. Einen guten Überblick gibt das Museum über die Entwicklung der Strahljäger, beginnend mit der Gloster Meteor, die übrigens ebenfalls von Aviolanda in Lizenz gefertigt wurde und der erste Jet der KLu war. Die KLu erhielt insgesamt 61 Gloster Meteor F.4, die mit ihren Rolls-Royce Derwent 5 bis zu 940 km/h erreichten. Davon gingen 40 Flugzeuge verloren – ein Schlaglicht auf Probleme der frühen Kampfjets, die zudem keinen Schleudersitz besaßen.

Nur ein Streiflicht wirft die Ausstellung auf die Flugantriebe. Doch immerhin vermittelt dieser Teil mit einigen aufgeschnittenen Kolbenmotoren und Turbinen einen Eindruck von deren technischen Entwicklungsschritten.

Wer das ehemalige Militärluftfahrtmuseum kennt, wird vielleicht einige der dort gezeigten Flugzeuge vermissen. So fehlen derzeit im NMM noch die Fokker S.14 Machtrainer als erster in den Niederlanden entwickelter Jet und auch der Propellerjäger Fokker XXI. Sie dürften wohl in Zukunft noch ins NMM einziehen.

Doch auch ohne sie glänzt das Museum mit seiner Ausstellung. Und nicht nur das: Es bietet vielfältige Angebote, sich  mit modernsten Multimedia-Shows in speziellen Themenräumen über die Militärgeschichte zu informieren. Praktisch täglich laufen Sonderveranstaltungen. Das in vielerlei Hinsicht beispielgebende neue NMM ist auf jeden Fall eine große Empfehlung wert.


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