05.09.2016
Erschienen in: 01/ 2016 Klassiker der Luftfahrt

Schmuckstück am FlughafenFlugzeugmuseum Volandia in Mailand

Direkt am größten Mailänder Flughafen Malpensa wurden die 90 Jahre alten Hallen der Flugzeugfirma Caproni in ein sehr schön gestaltetes Flugzeugmuseum verwandelt. Es widmet sich vor allem den in der Region angesiedelten Traditionsunternehmen.

Wenn man das Terminal T1 des Flughafens Malpensa an der Nordseite verlässt, dauert es gerade einmal zehn Minuten, um von der Welt des modernen Luftverkehrs zurückzugehen zu den Anfängen der Fliegerei. Die kleinen, teils über 90 Jahre alten Backsteingebäude am Rande der aktuellen Abstellflächen stammen nämlich von Caproni, einem der Pionierunternehmen der italienischen Luftfahrtindustrie. Traditionsreiche Firmen wie Macchi, SIAI-Marchetti oder Agusta sind ganz in der Nähe angesiedelt.

Gerade hier ein neues Luftfahrtmuseum einzurichten ergab also Sinn. Das 2006 mit voller Unterstützung der lokalen Behörden und der Industrie ins Leben gerufene Projekt wurde für italienische Verhältnisse erstaunlich schnell und reibungslos verwirklicht. Dabei berücksichtigte die Stiftung Museo dell‘ Aeronautica Reguzzoni nicht nur die Unterbringung der historischen Flugzeuge, sondern machte das Volandia-Museum mit einem Konferenzraum, einer Bibliothek, Multimedia-Stationen, Simulatoren und Spielplätzen für Kinder sowie dem Shop zu einem familiengerechten Ausflugsziel. Die offizielle Eröffnung fand im Mai 2010 statt.

Schon der Eingang des Volandia ist ungewöhnlich gestaltet: Zur Empore der ersten Ausstellungshalle führen Stufen, die Flugzeugtreppen nachgebildet sind. Zu sehen gibt es zunächst die Produkte der heimischen Industrie, inklusive einem 1:1-Modell des erst seit wenigen Jahren in Serie gebauten Strahltrainers Alenia Aermacchi M-346. Auch Segelflugzeuge wie die CVV-6 Canguro der Universität Mailand sind hier an der Decke aufgehängt.

Der nächste Abschnitt ist Graf Giovanni Battista Caproni gewidmet. Die Spanne reicht dabei von einem Nachbau des 1910 geflogenen Doppeldeckers Caproni Ca.1 bis zum kleinen Strahltrainer C.22CJ, dem letzten von der Firma Caproni Vizzola entwickelten Flugzeug, bevor sie 1983 von Agusta aufgekauft wurde.

In einem sehr schönen Diorama mit Boot und Schilf im Hintergrund wird das Schwimmerflugzeug Gabardini Idrovolante aus dem Jahr 1913 präsentiert. Auch der Nachbau einer Blériot XI aus dieser Ära ist zu sehen. An die Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern die bekannten Jäger Macchi MC.202 Folgore und MC.205 Veltro. Dazu kommt ein weiteres beeindruckendes Diorama mit dem Wrack eines dreimotorigen Savoia-Marchetti-SM.79-Bombers. Nachgestellt wird die zufällige Entdeckung einer Maschine der 283. Squadriglia im Oktober 1960 in Libyen von einem AB.47J-Hubschrauber der Ölfirma AGIP. Allerdings stammt das gezeigte Gerippe nicht von diesem Flugzeug, sondern von einer anderen, im Libanon geborgenen SM.79.

Großen Raum nehmen die Trainer von Aermacchi ein, wie der Prototyp der sehr erfolgreichen MB.326, der im Dezember 1957 erstmals flog. Auch die SIAI-Marchetti SF.260TP und die S-211 sind in mehreren Exemplaren vertreten. An einen wenig erfolgreichen Abstecher in den Zivilflugzeugbau erinnert der Rumpf einer Dornier 328Jet, der bei Aermacchi im Unterauftrag gebaut wurde.

Eine weitere Halle ist den Drehflüglern gewidmet. Hier dominiert naturgemäß Agusta (heute AgustaWestland) mit seinen Bell-Lizenzbauten und Eigenkonstruktionen wie der A104A „Helicar“. Auch eine CH-47C Chinook der italienischen Heeresflieger ist zu sehen, einst gebaut bei Elicotteri Meridionali.

Auf dem Rückweg zum Ausgang lohnt ein längerer Stopp im Raum mit über 1200 Modellen aus der Sammlung von Luciano Piazzai, die zuvor in Malpensa ausgestellt waren. Den Abschluss schließlich bildet eine Präsentation der Hubschrauberentwicklungen von Agusta. In deren Zentrum steht ein Mock-up des zivilen Kipprotormodells AW609 (früher BA609), das derzeit seine Flugerprobung durchläuft und erst ab 2018 ausgeliefert werden soll. Damit wird der Bogen in die Zukunft geschlagen.

Museumsinfo

Museum Volandia Mailand

Adresse:
Volandia, Via per Tornavento n.15, Case Nuove 21019, Somma Lombardo. Zu Fuß sind es ca. 700 Meter vom Terminal 1 des Flughafens Malpensa. Dieser ist zum Beispiel mit dem Malpensa Express aus der Stadt zu erreichen.
Telefon: +39 331 230007
Web: www.volandia.it, info@volandia.it
Öffnungszeiten: Variierend. Im Dezember und Februar zum Beispiel nur an den Wochenenden von 10 bis 19:30 Uhr
Eintritt: 11 Euro
Flugzeuge (Auswahl):
Aermacchi MB.326, MB.339C, AMX, Agusta A104, A109, Agusta-Bell AB.47G3B1, AB.47J, AB.204B, AB.206, Agusta-Sikorsky SH-3D Sea King, Aviamilano A.3, Blériot XI, Breda-Nardi (Hughes) NH500, Caproni C.22J, Ca.1, Ca.18, Ca.113, Douglas DC-3, Gabardini Idrovolante, Macchi MC.202 Folgore, MC.205 Veltro, MB.308, Pitts S-1T, SIAI-Marchetti S-211, SF.260TP, Savoia-Marchetti SM.79 Sparviero (Wrack)

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 01/2016



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