15.07.2017
Erschienen in: 05/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

LuftfahrtmuseumFerrymead Heritage Park: Tradition in Neuseeland

Auf den ersten Blick erinnert der Ferrymead Heritage Park im neuseeländischen Christchurch nicht unbedingt an ein Museum. Doch was die Freiwilligen in den historischen Fabrikhallen zusammengetragen haben, lässt die Herzen von Luftfahrtinteressierten höherschlagen.

Etwa zehn Kilometer vom Stadtkern Christchurchs entfernt befindet sich der Park, in dem das nach ihm benannte Ferrymead Heritage Park Museum seinen Sitz hat. Eine alte Straßenbahn bringt die Besucher von Ausstellung zu Ausstellung, denn neben der Luftfahrtsammlung warten auch interessante Indus-trieausstellungen auf die Besucher. Die Exponate, wie etwa historische Eisenbahnen und altgediente Behördenfahrzeuge, werden allesamt von freiwilligen Helfern verschiedener Stiftungen restauriert, gewartet und betrieben. Die Ferrymead Aeronautical Society (FAS) hat ihre hauptsächlich aus Transportflugzeugen bestehende Sammlung in mehreren Hallen untergebracht. Dabei hat sie nicht selten mit dem beschränkten Platzangebot zu kämpfen, denn die ehemaligen Transporter sind nicht die kleinsten Vertreter ihrer Art. Bereits der Eingang ist außergewöhnlich gestaltet: Der Zugang in die Haupthalle erfolgt über die Nasensektion eines Bristol 170 Freighter. Dieses Muster wurde in Neuseeland durch zivile Nutzer und das Militär eingesetzt. Die Royal New Zealand Air Force nutzte sie von Ende der 1940er Jahre bis Mitte der 70er Jahre.

Die Douglas LC-47H, eine militärische Version der DC-3, die speziell für Missionen in extrem kalten Regionen konzipiert wurde, ist mit ihrer verlängerten Nase eine imposante Erscheinung und zieht die Blicke der Besucher unweigerlich auf sich. Das Exemplar des Museums ist 1944 ursprünglich als R4D-5 gebaut und später für den Einsatz in der Antarktis umgerüstet worden. Sie flog, ausgerüstet mit einem Skifahrwerk, bis 1967 im Rahmen der Operation „Deep Freeze“ bei der VX-6 „Puckered Penguins“ der US Navy.  Nach der Schließung der US-Navy-Antarctic-Basis in Christchurch schenkten die Amerikaner die Maschine der Stadt.

Ein weiteres Ausstellungsstück ist die Vickers Viscount 807 „City of Christchurch“  in den Farben der New Zealand National Airways Corporation. Sie wird im Rahmen einer szenischen Darstellung, einer Abfertigung am Boden, präsentiert. Der Platz in den Hangars ist jedoch begrenzt, und so können nicht alle Exponate gleichermaßen ins rechte Licht gerückt werden. Eine weitere Halle ist bereits in Planung und dringend nötig, denn bei dem schweren Erdbeben im Februar 2011 wurde eine Halle stark beschädigt und ist nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein anderes,  ebenfalls in Bauteilen gezeigtes Objekt ist die Rumpfsektion einer Fokker F27 Friendship, die noch auf die Komplettierung wartet.

Mosquito als Highlight

Stolz ist die Aeronautical Society auf die laufende Restaurierung der de Havilland Mosquito FB.VI. Diese besteht aus den Flügeln der NZ2382 und dem Rumpfsegment der NZ2328. Beide Maschinen haben noch Pulverdampf während des Zweiten Weltkriegs gerochen, und die 2382 wurde sogar bei der 487. Squadron der Royal Air Force, in der viele Neuseeländer dienten, eingesetzt. Es wird spekuliert, dass sie zusammen mit 16 weiteren Mosquitos an der Operation „Carthage“ am 21. März 1945 teilnahm. Bei diesem Einsatz griffen drei RAF-Staffeln das Gestapo-Hauptquartier in Kopenhagen an. Nach Kriegsende erhielt die neuseeländische Luftwaffe (RNZAF) 96 überzählige Mosquitos von der RAF und der australischen Luftwaffe und flog sie bis 1957.  Die 2382 wurde bei einem Landeunfall schwer beschädigt und an den Sammler Bruce Goodwin verkauft, der die Überreste später an die Aeronautical Society abgab. Die zweite Mosquito war während ihrer aktiven Zeit bei der RNZAF das persönliche Flugzeug des Staffelkommandeurs der Ohakea Air Base. Die FAS bekam die Rumpfsektion vom ersten und einzigen zivilen Besitzer, Jay Clark. Das Projekt kam nur schleppend voran, aber die Verantwortlichen sind glücklich, inzwischen auch zwei Merlin-25-Motoren erhalten zu haben, um die Arbeiten abschließen zu können.

Kurz vor der Fertigstellung befindet sich  die Lockheed Hudson III, welche von den freiwilligen Mitarbeitern für die statische Ausstellung wieder in Bestzustand versetzt wird. Sie wurde 1973 für 30 neuseeländische Dollar von der FAS erworben und mit Unterstützung der Luftwaffe nach Christchurch gebracht – teilweise sogar im Bauch einer Lockheed C-130 Herkules.

Ein wichtiger Teil der neuseeländischen Luftfahrtgeschichte ist die Nutzung der Flugzeuge in der Landwirtschaft. Diesem Anwendungszweck widmet das Musem besondere Aufmerksamkeit.  Unter den Mustern befinden sich eine Transavia PL-12 Airtruk, eine Cessna AGwagon, eine IMCO Callair B1 sowie eine  Piper Pawnee. Sie repräsentieren Sprühflugzeuge, die zur Schädlingsbekämpfung oder Düngung eingesetzt werden. Auch Hubschrauber dienen als Agrarflieger. Sie werden nicht nur für das Düngen benutzt, sondern auch als moderner Pferdeersatz bei der Überwachung der Rinder- und Schafherden.
Ein Besuch des Museums lohnt sich, auch wenn bis zur Eröffnung der neuen Halle noch einzelne Bereiche vielleicht nicht im besten Licht erstrahlen. Doch die liebevolle Anordnung der Dioramen lässt schon erahnen, mit welcher Hingabe die neuen Bereiche später eingerichtet sein werden. Der Historic Park bietet genügend interessante Ecken und Attraktionen, um einen Tag in Christchurch gewinnbringend zu füllen.

Museumsinfo

Adresse: Ferrymead Aeronautical Society, 50 Ferrymead Park Drive, Ferrymead, Christchurch 8022, Neuseeland
Telefon: + 64 3 384 1970
Website: www.ferrymeadaero.org.nz
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 16:30 Uhr
Eintritt: Erwachsene: 20 $, Kinder unter 5 Jahren frei, Kinder: 10 $, Studenten und Senioren: 15 $; Kombitickets mit Nutzung der historischen Tram: jeweils 10 $ Aufpreis
Ausstellungs-Highlights:
de Havilland Mosquito im Restaurierungsprozess, Lockheed Hudson III , North American Harvard Mk III, de Havilland DH100 Vampire FB.5, Douglas LC-47H, Lockheed L.188 Electra (Cockpitsektion), Short S.25 Sunderland Mk 5 (Cockpitsektion), Transavia PL.12 Airtruk, Vickers Viscount 807, Fairchild Hiller FH-1100, Westland Wessex Mk 60, Piper PA-23 Apache

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 05/2017

Mehr zum Thema:
Philipp Prinzing / Geoffrey Jones


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