01.04.2016
Erschienen in: 08/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Geschichte zum AnfassenEAA-Museum in Oshkosh

Vom Wright Flyer bis zum SpaceShipOne: Im EAA-Museum erwacht Luftfahrtgeschichte zum Leben. Seine offene und lebendige Atmosphäre zeichnet das Museum in Oshkosh aus.

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Den Namen Oshkosh verbinden Piloten ganz automatisch mit dem EAA AirVenture, dem größten Fly-in auf dem Globus. Jedes Jahr Ende Juli/Anfang August verwandelt sich der Wittman Regional Airport im US-Bundesstaat Wisconsin eine Woche lang zum Treffpunkt für Luftfahrtbegeisterte aus aller Welt.

In der ersten Liga spielt auch das benachbarte Museum der hier beheimateten amerikanischen Experimental Aircraft Association (EAA) – es gehört weltweit zu den Top-Adressen unter den Luftfahrtausstellungen. Es liegt in direkter Nachbarschaft zum Flugplatz und macht die Kleinstadt Oshkosh auch abseits des AirVenture zum lohnenden Ziel für Luftfahrtbegeisterte. Im Sommer 1983 wurde es eröffnet und ist heute Heimat von mehr als 200 historischen Flugzeugen. Zu sehen gibt es ein breites Spektrum überwiegend amerikanischer Luftfahrtgeschichte, garniert mit interaktiven Elementen und vielseitigen Hintergrundinformationen. Als Besucher hat man sofort das gute Gefühl, dass hier Piloten und Luftfahrtenthusiasten am Werk sind, die jeden Tag aufs Neue ihre Leidenschaft in die Ausstellung stecken. Kein Wunder, denn das Museum wird – in guter EAA-Tradition – von Freiwilligen, den „Volunteers“, am Leben gehalten.

Schon beim Reinkommen zieht einen die Ausstellung in ihren Bann. Von der Empore fällt der Blick gleich auf einen Nachbau des Wright Flyer, die vielleicht prominenteste Hommage an die Pioniertage der Luftfahrt. Man geht weiter, blickt auf weitere Luftfahrzeuge dieser Zeit.

An die erste Überquerung des Ärmelkanals im Jahr 1909 erinnert eine Blériot XI. Eine Curtiss JN-4 Jenny steht für das erste in größeren Stückzahlen produzierte Flugzeug der USA – der Doppeldecker lief während des Ersten Weltkriegs für verschiedene Zwecke „vom Band“. Ein Nachbau der „Spirit of St. Louis“ – stilvoll schwebt sie über dem Lichtermeer von Paris – ist Charles Lindberghs Atlantikflug von 1927 gewidmet. Obwohl dieses Flugzeug nie geflogen ist, hat auch Ettore Bugattis Renner 100P Geschichte geschrieben – in Oshkosh steht das Original.

Schwermetall und Warbirds aus dem Zweiten Weltkrieg haben im Eagle-Hangar ihren Platz. Dort steht unter anderem der vierte und letzte Mustang-Prototyp mit der Bezeichnung XP-51, und auch eine etwas spätere Mustang aus dem Jahr 1944 ist zu sehen. Die beiden Jäger parken in hochkarätiger Gesellschaft etwa einer B-25H Mitchell, einer P-38L Lightning, einer Grumman J2F-Duck und weiterer Kostbarkeiten aus dieser Epoche. Während des AirVenture kommen die Flugzeuge aus dem Eagle-Hangar kurzerhand ins Freie – in Oshkosh wird die Idee des lebendigen Museums gelebt. Der frei gewordene Eagle-Hangar ist dann Schauplatz für hochkarätige Events.

Eine wichtige Rolle im Museum der EAA spielt auch die Allgemeine Luftfahrt. Sehenswert sind vor allem die vielen ungewöhnlichen Konstruktionen wie etwa das Taylor Aerocar aus dem Jahr 1949. Es steht für die vielen Versuche, Flugzeuge auf die Straße und Autos in die Luft zu bringen. Es gibt außerdem eine Abteilung für Renn- und Kunstflugzeuge. Natürlich geht es immer auch um den Bau von Flugzeugen – wie sollte es anders sein in einem Museum, das von der amerikanischen Selbstbauvereinigung betrieben wird. Die P-5 Pober Sport ist zu sehen, die kein Geringerer als der 2013 verstorbene EAA-Gründer Paul Poberezny einst entworfen hat. Ein Augenschmaus für Selbstbauer ist auch der Prototyp der Van’s RV-3.

Wohin man auch kommt, das Museum ist gespickt mit interaktiven Elementen. „Timeless Voices“ heißt es, wenn Zeitzeugen in kurzen Filmen von ihren Luftfahrterlebnissen berichten. Es gibt eine eigene Welt für Kinder, in denen die Luftfahrt mit Experimenten und Simulatoren begreifbar gemacht wird.

Regelmäßig kommt auch prominenter Besuch nach Oshkosh. Als wir das Museum besuchen, hält Piloten-Legende Dick Rutan gerade einen Vortrag über seine riskante Nonstop-Weltumrundung mit Jeana Yaeger in der Voyager – nach 28 Jahren ist dieses Abenteuer immer noch für spannende Anekdoten gut.

Womit ein weiteres Herzstück des Museums erreicht wäre: Viele Konstruktionen von Dick Rutans Bruder, dem Konstrukteur Burt Rutan, sind hier zu sehen. Ein Beispiel: Der Prototyp des Entenflüglers VariEeze etwa hängt hier an der Wand. Über all seinen Mustern schwebt ein 1:1-Nachbau des SpaceShipOne, dem ersten privat finanzierten Raumschiff.

Wer seinen Museumsbesuch mit einem Flug in historischem Gerät krönen möchte, hat dazu in den Sommermonaten am Pioneer Airport die Gelegenheit. In den Hangars entlang der museumseigenen Graspiste lässt sich die Luft der 20er und 30er Jahre schnuppern. Mehr als 50 Oldtimer haben hier ihr Zuhause – mit einigen von ihnen können die Besucher selbst abheben. Tickets gibt es beispielsweise für Flüge in der Ford Tri-Motor oder in einer Bell 47.


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Patrick Holland-Moritz


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