30.05.2016
Erschienen in: 04/ 2016 Klassiker der Luftfahrt

Umfangreiche Sammlung in der TouristenregionDänemarks Flymuseum

Auf über 7000 Quadratmetern zeigt das „fliegende“ Museum am Flugplatz Stauning 50 dänische und ausländische Flugzeuge. Unter den Exponaten sind Stücke aus dänischer Fertigung wie die KZ I, von der es nur diese eine gibt. Aufgrund der Nähe zu den beliebten dänischen Urlaubsgebieten ist die Ausstellung eine lohnende Alternative an einem Regentag.

Dänemark ist bekannt für seine Strände, die Ferienhausanlagen, die fast ganzjährig besucht werden, und natürlich für sein Möbeldesign. Doch vielen ist nicht bewusst, dass das Königreich auch eine besondere Beziehung zur Luftfahrt hat. Von 1937 bis 1954 baute die Firma Skandinavisk Aero Industri etwa 200 Flugzeuge verschiedener eigener Konstruktionen. 15 der dänischen Flieger sind heute im Danmark Flymuseum am Flughafen Stauning in Westjütland  zu finden und bilden somit die größte existierende Sammlung dänischer Luftfahrtproduktion. Einige der SAI-Konstruktionen sind noch regelmäßig in der Luft zu sehen.

In der ersten der drei Ausstellungshallen wird man gleich von der Ellehammer No. 1 begrüßt. Der Flugapparat des dänischen Luftfahrtpioniers Jacob Christian Hansen Ellehammer wurde angetrieben von einem selbst entwickelten 18-PS-Motor und  flog erstmals am 12. September 1906 auf der Insel Lindholm.  Der 42 Meter kurze Hüpfer in 0,75 m Höhe wäre eigentlich der erste Motorflug in Europa gewesen, doch er wurde nicht anerkannt, da er nicht von der Fédération Aéronautique Internationale kontrolliert wurde. So war es Alberto Santos-Dumont, der einen Monat später diesen Titel für sich beanspruchen konnte.

Historie trifft Moderne

Lässt man den Blick weiter durch das Museum schweifen, sieht man eine interessante Mischung von historischen und moderneren Maschinen. Von Piper Cub über de Havilland Dove bis zur Aerospatiale SN.601 Corvette ist hier einiges zu bewundern. Ergänzt werden die einzelnen Bereiche durch verschiedene Flugplatzfahrzeuge wie Tank- und Schleppwagen. Die Motoren-und-Propeller-Ausstellung bildet zusammen mit den Modellbauvitrinen den Abschluss in der ersten Halle. Das Schild mit der Aufschrift „Skandinavisk Aero Industri“ kündigt an, dass nun die einheimischen Exponate folgen. Durch einen mit Schaubildern dekorierten „Flug“ gelangt man in die zweite Ausstellungshalle, in der sich neben einer Supermarine Spitfire auch die bereits genannten Flieger aus dem Hause SAI befinden. Von der KZ I, wobei es sich hier um einen Nachbau handelt, ist bis zur KZ X alles vertreten, was die dänische Firma gebaut hat.

Zwei selten zu sehende Veteranen aus englischer Produktion sind die Doppeldecker Avro 504 und Hawker Dankok (L.B. II).  Sie zeigen zusammen mit der ebenfalls in Halle 2 ausgestelltenen Spitfire Mk IX die enge Verbindung zu den britischen Herstellern. Immer wieder wurden Flugzeuge der Engländer bei den dänischen Luftstreitkräften eingesetzt.

Vorbei an der Büste des einzigen dänischen Flieger-Asses des Zweiten Weltkriegs, Kaj Birksted (er flog bei der RAF und erzielte zehn Abschüsse), öffnet sich nun die dritte und letzte Halle des Museums. Hier sind die großen Stücke ausgestellt. Wie bereits in den vorherigen Räumen werden die Exponate vereinzelt in Dioramen präsentiert und verschaffen damit einen Einblick in die Nutzung der Flugzeuge. So auch bei der Douglas DC-3, die durch die seitliche Tür beladen wird – stilecht von einem REO-Lkw aus. Besonders die Liebhaber der frühen Strahljäger kommen jetzt auf ihre Kosten. F-84 Thunderstreak,  Super Sabre und der legendäre Starfighter sind nur einige Beispiele. Das aktuellste Muster ist eine F-16 Fighting Falcon, die zugleich auch den Abschluss des Rundgangs bildet. Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch lädt das vielfältige Angebot des Shops ein, das ein oder andere Buch, T-Shirt oder Modell einzukaufen. Im Sommer kann es gut sein, dass die Besucher sogar einen der noch fliegenden Klassiker des Museums in Aktion erleben. Die Maschinen werden in diesen Monaten regelmäßig geflogen.

Museumsinfo

Adresse:

Danmarks Flymuseum, Lufthavnsvej 1, Stauning Lufthavn 6900 Skjern, Dänemark 

Telefon:

+45 9736 9333

Internet: 

http://flymuseum.dk

Öffnungszeiten:

15. März bis 30. April täglich von 10 bis 15 Uhr, im Mai von 10 bis 16 Uhrvon Juni bis Ende August täglich zwischen 10 bis 17 Uhr und bis Ende Oktober 10 bis 16 Uhr

Eintritt:

Erwachsene: 9 Euro,

Kinder von 7 bis 14 Jahren: 4 Euro, Kleinkinder bis 6 Jahren erhalten gratis Zutritt.

Fotomöglichkeiten:
 

Fotografieren ist erlaubt. Ein Blitzgerät ist vorteilhaft.

Flugzeuge (Auswahl):

Ellehammer 1906 (Replikat), de Havilland D.H.82A Tiger Moth, de Havilland D.H.87B Hornet Moth, Rearwin 9000 Sportster, KZ II Kupé, KZ IV Ambulance, Mü 13E Bergfalke (I), Bücker 181D Bestmann, de Havilland D.H.C.1 Chipmunk, Noorduyn Harvard II B, Supermarine Spitfire L.F.  IXc, North American F-100D Super Sabre, Hughes 500M Cayuse, Lockheed CF-104 Starfighter

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2016



Weitere interessante Inhalte
Die Transporterfrage Hercules oder Transall

06.07.2017 - In den 60er Jahren wurde in Frankreich und Deutschland dringend ein Nachfolger für den Transporter „Nora“ (Nord Noratlas) gesucht, der den gewachsenen Ansprüchen an Reichweite, Nutzlast und … weiter

Mach-2-Jäger Lockheed F-104G Starfighter

30.06.2017 - Der schlanke, raketenartige Starfighter F-104G gehört mit seinen kurzen und extrem dünnen Tragflächen zu den spektakulärsten Entwürfen von Lockheed-Konstrukteurslegende Clarence Leonard „Kelly“ … weiter

Flying Legends Airshow 2017 Berlin Express

20.06.2017 - Ein echtes Highlight der Flying Legends Airshow 2017 wurde heute bekannt gegeben. Die North American P-51B Mustang "Berlin Express" wird die Reise aus den USA nach Duxford machen und während der Show … weiter

60 Jahre Luftwaffe Luftwaffen-Kadetten

19.06.2017 - Rolf Biwald erinnert sich an seine Ausbildung zum Strahlflugzeugführer. Er durchlief sie 1961 in den USA, bevor er als einer der ersten Piloten auf der Sabre Mk VI eingesetzt wurde. … weiter

Niederlage gegen Europa US-Überschallverkehrsflugzeuge

07.06.2017 - Vor über 40 Jahren scheiterte das prestigeträchtige SST-Projekt der USA, das eigentlich die Concorde und die Tupolew Tu-144 übertreffen und eine neue Ära im Luftverkehr einläuten sollte. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 06/2017

Klassiker der Luftfahrt
06/2017
01.06.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Messerschmitt Bf 109 E: Die Rückkehr des Sterns
Bell P-63 Kingcobra: So fliegt sich der seltene Jäger
Ernst Piech: Nachbau für Porsche-Enkel
Focke-Wulf: Entstehung der Condor