09.08.2017
Erschienen in: 02/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Westbesucher im WunderlandChina Aviation Museum bei Xiatongshanzhen

Eine Ausstellung in einer Kaverne, eine große Halle und viel Freigelände – das Museum der chinesischen Luftstreitkräfte beeindruckt schon durch seine Größe. Die Zahl und Vielfalt der präsentierten Flugzeuge ist überwältigend.

Jenseits des sechsten Autobahnrings um Peking erhebt sich im Norden der chinesischen Hauptstadt ein kleiner, dicht bewaldeter Hügel, auf den ein breiter Rollweg hinführt. Dieser verbindet die Kaverne im so genannten Datangshan-Berg mit einem rund fünf Kilometer entfernten Flugplatz bei Xia Dongguocun. Seit 1989 beherbergt sie das offizielle Museum der Luftstreitkräfte der Volksbefreiungsarmee. Zu Beginn im Westen noch geheimnisumwittert, hat sich die allgemein als China Aviation Museum bekannte Sammlung inzwischen zu einem der Top-Flugzeugmuseen weltweit entwickelt. Es ist genauso wie zum Beispiel das National Museum of the USAF in Dayton ein Muss für jeden Luftahrtenthusiasten.

Im letzten November hatten die Teilnehmer der FLUG-REVUE-Leserreise die Chance, einen ganzen Tag im China Aviation Museum zu verbringen. Diese Zeit braucht man, um das gut 600 mal 700 Meter große Gelände mit seiner 14 000 Quadratmeter großen Haupthalle und der 23 200 Quadratmeter großen Kaverne zu erkunden und die weit über 100 Flugzeugmuster zu studieren, die zum Teil nirgendwo anders zu sehen sind. Die Zahl täuscht dabei etwas, denn im Gegensatz zu anderen Museen ist hier von vielen Typen auch nach einigen Aufräumaktionen mehr als eine Maschine ausgestellt.

Über die Jahre wurde das China Aviation Museum immer weiter ausgebaut und die Flugzeuge mehrfach umgestellt. Bereits erwähnt liegt der Eingang heute am Rollweg, auf den man von der Straße S321 abbiegt. Im Freigelände trifft man zunächst auf einige Transportflugzeuge wie die Lisunow Li-2, mit der Mao einst flog. Gleich daneben steht eine Vickers Viscount 843 der China United Airlines und eine Iljuschin Il-18V. Sie wird mit der Kennung „232“ als das persönliche Flugzeug Maos präsentiert und kann gegen einen zusätzlichen Obulus auch innen besichtigt werden.

Rechts lockt die bekannte Steele mit dem Leichtgewichtsjäger Nanchang J-12 aus den 1970er Jahren, die zu den Wahrzeichen des China Aviation Museum zählt. Die J-12 war eine der ersten Versuche einer Überschall-Eigenentwicklung, denn über Jahrzehnte waren die chinesischen Werke auf den Lizenzbau und die ständige Weiterentwicklung sowjetischer Kampfflugzeuge fixiert. Ein gutes Beispiel dafür findet sich gleich gegenüber der J-12, wo eine Reihe von Ableitungen der MiG-19 abgestellt ist: J-6, J-6B, J-6 II, J-6 III, J-6 IV, JT-6 und DF-102 künden von den Bemühungen des Flugzeugwerks in Shenyang, ein vorhandenes Grundmuster über viele Jahre immer weiter zu verbessern und neuen Forderungen anzupassen.

Am Ende der J-6-Reihe hat man dann den Westeingang der berühmten, 585 Meter langen und 40 Meter breiten Kaverne von Datanshang erreicht. Statt dem früher bekannten dunklen Gewölbe trifft man heute entlang eines gewundenen Gangs zunächst auf einige ausgezeichnet gemachte Präsentationen der chinesischen Luftfahrtgeschichte. An deren Beginn steht Feng Ru, der bereits 1909 in Kalifornien sein erstes selbst konstruiertes Flugzeug in die Luft brachte. Ein Nachbau seiner Nr. 2 ist zu sehen.

Es folgen zahlreiche Schautafeln, die jedoch nur für Chinesen zu entziffern sind, sowie Dioramen wie die Flugzeugparade, die zur Gründungsfeier der Volksrepublik über dem Platz des Himmlischen Friedens vorbeiflog. Ausführlich wird die Entwicklung der Luftfahrtindustrie des Landes präsentiert, untermauert mit einer interessanten Sammlung von Kolben- und Strahltriebwerken. Auch die Zivilluftfahrt wird hier nicht vergessen. Routenpläne und eine Gruppe von Schaufensterpuppen mit Stewardessen-Uniformen geben einen Einblick in die Branche, die sich in den letzten Jahren rapide entwickelt hat.


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Bernd Langenstein


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