13.03.2014
Klassiker der Luftfahrt

RadarstörungWoher stammt der Begriff „Düppel“?

Als Düppel wurden um Zweiten Weltkrieg Stanniolstreifen bezeichnet, die, von Flugzeugen abgeworfen, große Wolken bildeten und feindliche Radarstationen stören sollten. Aber warum hießen Sie so?

düppel

Eine Avro Lancaster wirft als Pfadfinder vor dem Bomberstrom eine Düppelwolke ab, welche die deutschen Fla-Funkmessgeräte stören sollte. © Royal Air Force  

 

Dazu muss man sagen, dass die feinen Streifen aus „Silberpapier“ nur in Deutschland so bezeichnet wurden. In den Labors von Telefunken in Düppel bei Berlin hatte ein Hochfrequenzingenieur namens Roosenstein schon 1941 entdeckt, dass Stanniolstreifen mit der Länge der halben Länge des Radargeräts starke Störungen auf den Bildschirmen hervorrufen. Diese Streifen wurden im offiziellen Sprachgebrauch als „Halbwellendipole“ bezeichnet, aber von den Deutschen selbst nie eingesetzt. Man fürchtete, dass die Alliierten dann schnell hinter das Geheimnis kämen und sich die Wirkung gegen die eigenen Bomberverbände richten würde.

Die „Geheime Kommandosache“ nutzte indessen nicht viel, denn am 24. und 25. Juli 1943 warfen britische Bomber beim Großangriff auf Hamburg selbst zum ersten Mal zentnerweise diese Stanniolstreifen ab, die bei den Briten Windows hießen. Tatsächlich machten diese reflektierenden Wolken die Würzburg-Geräte der Fla-Artillerie sowie des Flugmeldedienstes und der Jägerleitung praktisch unbrauchbar. Im Mai 1943 bereiteten die Japaner einen Nachtangriff auf den US-Stützpunkt Guadalcanal mit dem „täuschenden Papier“ (Gimanshi) vor, während die Amerikaner wiederum die feinen Streifen als Chaff (Spreu) bezeichnen. Inzwischen hat sich übrigens allgemein der Begriff „Chaff-Dispenser“ für die Abschussgeräte der Düppelbehälter durchgesetzt. Die Russen schließlich bezeichneten die Düppel als Halbwellenreflektoren (Dipolnije Otrashatjeli), setzten sie jedoch nicht ein, weil Bombenflieger in ihrer Kriegsführung gegen Deutschland und seine Alliierten kaum eine Rolle spielten. Die Nazis hielten übrigens besonders Kinder an, nach angloamerikanischen Großangriffen so viel wie möglich von dem Stanniol einzusammeln, handelte es sich doch dabei um einen kriegswichtigen Rohstoff.

Als später auch Zentimeterwellenradars auftauchten, entwickelten die USA Päckchen mit metallisierten, gepressten Glasfasern. Nach der Entdeckung einer solchen Station und der Ermittlung ihrer Parameter konnten die Fasern direkt an Bord auf die halbe Wellenlänge des Radargeräts geschnitten und in geringen Abständen ausgestoßen werden. Damit versprach man sich eine hohe Streudichte.

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flugrevue.de/Matthias Gründer



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