24.08.2017
Erschienen in: 01/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

Triebwerk mit langer GeschichteRolls-Royce Merlin — Kolbentriebwerk aus der Ära des Zweiten Weltkriegs

Spricht man über Flugzeug-kolbentriebwerke aus der Ära des Zweiten Weltkriegs, so fallen sofort zwei Begriffe: Mercedes-Benz DB 601/605 und Rolls-Royce Merlin. Beide Aggregate haben in der Ahnengalerie der großen Triebwerke ihren SpitzenPlatz verdient.

Merlin – damit ist nicht der landläufig bekannte mythische Zauberer gemeint, sondern ein Raubvogel aus der Gattung der Falken. Rolls-Royce benannte seine Triebwerke traditionell nach Greifvögeln. Der britische Kolbenmotor kann auf eine lange Produktionsdauer zurückblicken. Der erfolgreiche, flüssigkeitsgekühlte Zwölfzylinder wurde zwischen 1935 und 1950 rund 168 000-mal gebaut. Das Kraftpaket fand Anwendung sowohl in wendigen Jagdflugzeugen wie auch in Bombern und Transportflugzeugen; selbst nach dem Krieg wurde das einst militärische Triebwerk noch in  Airlinern der 50er Jahre genutzt.

Die Merlins sind allesamt mit Kompressoren (Supercharger) aufgeladen. Es wurden einstufige und zweistufige Lader, gepaart mit Eingang- oder Zweiganggetriebe verbaut. Die Gemischaufbereitung erfolgt über eine Vergaseranlage, die genutzten Flugbenzine hatten eine Oktanzahl zwischen 87 und 150.  Die Merlins gaben ihre Kraft mittels gerade verzahntem Reduktionsgetriebe (0,47/1 Merlin 60er-Serie) an den Propeller ab. Hauptsächlich wurden die Motoren als „right hand tractor“ gebaut, die Drehrichtung ist also von hinten gesehen im Uhrzeigersinn.

Große Entwicklungsschritte beim Basismotor gab es kaum. Entscheidend in der Weiterentwicklung der Triebwerke war die kontinuierlich veränderte und auch verbesserte Kompressorbestückung, die die Leistungskurve von anfangs 750 PS steil bergauf bis zur stärksten Version mit 2060 PS trieb. Durch die unterschiedlichen Ladersätze konnte das Triebwerk auf die jeweilige Einsatzhöhe angepasst und damit auch optimiert werden.

Flugzeugmotoren kein unbeschriebenes Blatt, stellte man doch den sehr erfolgreichen Kestrel mit 21 Litern Hubraum her. Der Arbeitstitel für den im Jahr 1930 angedachten Nachfolgemotor lautete PV-12, wobei PV für „Private Venture“, also „privates Risikokapital“ steht. Rolls-Royce entwickelte das Triebwerk also auf eigene Faust, ohne einen Regierungsauftrag oder gar öffentliche Gelder in der Tasche zu haben. Die Konstruktion war als Zwölfzylinder-60-Grad-V-Motor mit 27 Litern Hubraum ausgelegt. Je zwei Einlass- und Auslassventile pro Zylinder sorgten für den Gaswechsel, wobei die Auslassventilschäfte zur besseren Kühlung natriumgefüllt waren. Das Vergasertriebwerk wurde mit einem einstufigen Lader (single stage, single gearbox) beatmet, als Ladedruck wurden 6 psi beaufschlagt (ca. 0,4 bar). Die Kühlung des Aggregats erfolgte durch Glykol.


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Matthias Dorst


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