01.09.2017
Erschienen in: 06/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

„Sausewind“ (Teil 2) 30.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit

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Die erste Bäumer B II „Sausewind“ startete Ende Mai 1925 zu ihrem Erstflug und wurde binnen kürzester Zeit zu einem der bekanntesten deutschen Flugzeugmuster. Kaum einen Flugtag in der Republik ließ Paul Bäumer aus, um sein rotes Rennflugzeug der staunenden Öffentlichkeit und Fachwelt zu präsentieren. Der offene, zweisitzige Tiefdecker hatte ein für damalige Verhältnisse revolutionäres Aussehen. Der stromlinienförmig gedrungene Rumpf und die saubere Oberfläche der elliptisch geformten Tragflächen verrieten, dass der „Sausewind“ – nomen est omen – für hohe Geschwindigkeiten konstruiert worden war.

Tatsächlich ging seine Entwicklung auf den von der Berliner Tageszeitung B.Z. initiierten Deutschen Rundflug 1925 zurück, der am 31. Mai des Jahres über eine Distanz von 5242 Kilometer startete. Paul Bäumer belegte den zweiten Platz in der Gruppe „B“ für Flugzeuge mit maximal 80 PS starken Motoren. Beim anschließenden Otto-Lilienthal-Wettbewerb, bei dem die technische Leistung der Flugzeuge von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) bewertet wurde, war der „Sausewind“ 29 km/h schneller und flog 660 Meter höher als der nächstbeste Konkurrent. Dem „Sausewind“ B II folgte die nochmals schnellere B IV. Ausschließlich durch aerodynamische Finessen gelang es den Ingenieuren, die Höchstgeschwindigkeit der B IV, die ebenfalls mit dem 65-PS-Motor ausgestattet war, um nochmals 25 km/h auf maximal 210 km/h zu steigern.

Am 8. Juli 1927 verbesserte Paul Bäumer den Höhenweltrekord in der Kategorie „Einsitzer“ auf 6782 Meter. Und nur zwei Tage später stellte er den alten Geschwindigkeitsrekord in der Kategorie „Zweisitzer“ mit durchschnittlich 191,199 km/h ein. Seine herausragenden Flugleistungen hatten den „Sausewind“ über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht. Und so startete Bäumer nur wenige Tage nach den Rekorden zum schicksalhaften Flug Richtung Kopenhagen. 

Nach Bäumers Tod stand Hamburg unter Schock, und Zehntausende verfolgten seine Beisetzung in einem Ehrengrab der Stadt. Nach diesem Schicksalsschlag setzte die Bäumer Aero GmbH zunächst ihre Arbeiten fort. Im September 1927 begann die Mannschaft mit dem Bau einer noch schnelleren, als B IVa bezeichneten Version des „Sausewinds“, mit der am 4. Oktober 1928 ein neuer Geschwindigkeitsweltrekord für Leichtflugzeuge mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 214,8 km/h aufgestellt wurde.

Das Fehlen Bäumers als treibende Kraft wirkte sich negativ auf die Geschäfte der Firma aus, und so wurde sie schließlich am 14. Oktober 1932 aufgelöst. Bereits 1931 hatte Ernst Heinkel die beiden kongenialen Günter-Zwillinge von Hamburg in sein Werk nach Rostock-Marienehe geholt. Dort, mit anderen Ressourcen ausgestattet, konnten Walter und Siegfried Günter nun in vollem Umfang ihr außergewöhnliches Talent beim Entwurf aerodynamisch ausgefeilter Flugzeuge entfalten. Bis zu seinem Unfalltod im Jahr 1937 stellten Walter Günter sowie sein Bruder Siegfried ihr ausgeprägtes Gespür für Aerodynamik und Ästhetik bei so legendären Mustern wie der He 70 und He 111 unter Beweis. 


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Wolfgang Borgmann


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