25.03.2016
Erschienen in: 02/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Lautlos ins GefechtDie WACO CG-4A war der erfolgreichste alliierte Lastensegler

Die Taktik, Lastensegler zum Transport von Luftlandetruppen einzusetzen, wendete die Luftwaffe zu Beginn des Zweiten Weltkriegs sehr erfolgreich an. Die amerikanische Militärführung reagierte darauf mit der Entwicklung eines eigenen und ebenfalls sehr erfolgreichen Lastenseglers.

Bis zum 7. Dezember 1941, dem Tag, an dem die kaiserlich-japanische Marine den Hafen von Pearl Harbor auf Hawaii angriff, verfolgte die US-Regierung offiziell eine Politik der Nichteinmischung in den europäischen Krieg. Die USA waren zwar völkerrechtlich neutral, unterstützten aber die gegen Deutschland und Japan Krieg führenden Staaten durch umfangreiche Materiallieferungen. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten beobachteten das Kriegsgeschehen in Europa und Asien sehr genau, um vorbereitet zu sein, falls die USA in den Krieg eintreten würden. Die handstreichartige deutsche Besetzung des als uneinnehmbar geltenden belgischen Forts Eben-Emael im Mai 1941 hatte das Interesse der amerikanischen Militärführung geweckt, denn Segelflugzeuge als Truppentransporter waren ein Konzept, dass in der US-Militärstrategie zu diesem Zeitpunkt nicht existierte. Der gerade zum Chef der Heeres-Luftstreitkräfte ernannte General Henry „Hap“ Arnold erkannte den militärischen Wert der Lastensegler sehr schnell und forderte im Sommer 1941 die Entwicklung eines entsprechenden Flugzeugs.

Für den Entwicklungsauftrag interessierten sich nur wenige Firmen, so dass die 1921 gegründete WACO Aircraft Company aus Troy in Ohio, den Zuschlag erhielt. WACO verfügte über eine große Erfahrung mit dem Bau von zivilen Leichtflugzeugen. Ihre Produktpalette bestand allerdings ausschließlich aus Doppeldeckern. Ab August 1941 baute sie keine zivilen Flugzeuge mehr, sondern konzentrierte sämtliche Kapazitäten auf militärische Aufträge. WACO entwarf ab Sommer 1941 gleich zwei Lastensegler: Die kleinere CG-3A für bis zu neun Insassen und die CG-4A, die im Laufe des Zweiten Weltkriegs der meistgebaute amerikanische Lastensegler werden sollte. Die CG-4A war einfach konstruiert. Ein Stahlrohrrahmen bildete das konstruktive Grundgerüst des 14,80 m langen Flugzeugs. Die Bespannung bestand aus Spezialgewebe, das mit Spannlack in Form gebracht wurde. Den Boden des Cockpits und der Kabine bildete eine verstärkte Sperrholzplatte, die einerseits relativ leicht war, aber gleichzeitig die geforderten Lasten aufnehmen konnte. Insgesamt bestand die CG-4A aus 70 000 Einzelteilen.

Das Fahrwerk des Lastenseglers bestand aus zwei großen Hauptfahrwerksrädern und einem kleinen, begrenzt steuerbaren Spornrad. Zwei Kufen unter dem Cockpit sollten die Struktur bei Landungen in unebenem Gelände schützen. Um ein schnelles Be- und Entladen des Flugzeugs zu ermöglichen, hatten die Konstrukteure bei der CG- 4A ein hochklappbares Cockpit vorgesehen. In den Laderaum des Lastenseglers passten 13 voll ausgerüstete Luftlande-Soldaten oder ein Willy‘s Jeep mit vier Soldaten oder ein 75-mm-Howitzer-Geschütz nebst 18 Schuss Munition. Damit konnte die CG-4 ihr Eigengewicht als Zuladung transportieren. Es spricht für die geringe Bedeutung, die diesem Programm beigemessen wurde, dass der genaue Erstflugtag des Prototyps der CG-4A nicht überliefert ist. Allerdings gehen Historiker davon aus, dass es im August 1942 gewesen sein muss. Die Erprobung führte zu einer Reihe von Änderungen, die schnell in die Konstruktion eingearbeitet wurden.

Noch vor dem Erstflug und dem Auftrag für die Serienfertigung begann die US Army Air Force im Sommer 1942 mit der Ausbildung von Lastenseglerpiloten. Die Rekrutierung von qualifizierten Piloten gestaltete sich als schwierig, denn 1942 gab es in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika nur 160 lizenzierte Segelflugzeugpiloten, von denen nur 25 so erfahren waren, dass sie auch als Segelfluglehrer eingesetzt werden konnten.

Die US Army meldete im September 1942 einen großen Bedarf an Lastenseglern des Typs CG-4A an. Da die Kapazitäten der WACO Aircraft Company bei weitem nicht ausreichten, um diesen zu decken, wurden 15 weitere Firmen mit der Serienfertigung des Musters beauftragt. WACO baute bis Ende 1945 insgesamt 999 CG-4A. Die Ford Motor Company produzierte in ihrem Werk in Kingston, Michigan, 4190 Exemplare und war damit der größte Hersteller dieses Typs. Um auf diese Zahl zu kommen, wurden die Lastensegler im Dreischichtbetrieb gebaut.


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Volker K. Thomalla


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