20.03.2016
Erschienen in: 07/ 2013 FLUG REVUE

Die "Parasiten"-Programme der USAFBomber mit Anhang

Aufgrund der Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg wollten die US-Luftstreitkräfte ihre neuen Langstreckenbomber nicht ohne Eskorte fliegen lassen. Was lag da näher, als die Jäger einfach direkt an die Bomber anzukoppeln?

Das Konzept klingt auch heute noch nach Science Fiction: Ein Bomber sollte seine Eskorte selbst mitführen, und zwar in Form von zwei an den Tragflächenenden eingeklinkten Jägern. Den Planern in den 50er Jahren erschien es nicht als zu exotisch, um nicht mehrere Erprobungskampagnen durchzuführen. Schließlich versprachen die neuen Bomber Reichweiten von rund 16000 Kilometern ohne Luftbetankung. Da konnte kein Begleitjäger mithalten. Den Nachteil des höheren Luftwiderstands sollte die Vergrößerung der Gesamtflügelfläche aufwiegen. Und mehr noch: Die Jäger brauchten im Idealfall keinen eigenen Antrieb im Reiseflug.

Die Idee geht auf Dr. Richard Vogt, ehemals Ingenieur bei Blohm & Voss, zurück. Er kam auf die Idee, die Spannweite mit an den Tragflächen angeschlossenen, zusätzlichen Flügeln mit Treibstofftanks im Inneren zu verlängern. Nach dem Krieg kam Vogt zur US Air Force und war dort im Wright Air Development Center, der Entwicklungsabteilung der USAF in Wright Field, tätig. Schließlich ließen sich seine Kollegen von dem Konzept überzeugen. Ende der 40er Jahre kam es zu entsprechenden Versuchen mit einer Douglas C-47 und einer Culver PQ-14, einem kleinen Leichtflugzeug, das als Zieldrohne diente. Am 7. Oktober 1949 führte der bekannte Jagdflugzeugpilot Clarence „Bud“ Anderson die erste Kupplung durch.

Daraufhin nahm die Air Force das Projekt „Tip Tow“ in Angriff. Hier war alles mindestens zwei Nummern größer: Als Mutterschiff diente eine Boeing EB-29A Superfortress (Kennung 44-62093). Sie sollte mit zwei EF-84B-Jets (46-641 und 46-661) an den Flächenenden fliegen. Entsprechend groß waren die Herausforderungen: Die Verwirbelungen des viermotorigen Bombers machten das Einkuppeln in der Luft äußerst schwierig und gefährlich. Nach rund 15 Flugstunden mit dem ungewöhnlichen Trio kam es am 24. April 1953 bei der Erprobung eines neuen Autopiloten zur Katastrophe. Der Thunderjet von Testpilot John Davis machte eine ungewollte Rolle und prallte auf die linke Tragfläche der Superfortress. Dabei kam der Pilot ums Leben. Der Flügel brach; die EB-29A stürzte ebenfalls ab. Nur ein Besatzungsmitglied konnte sich mit dem Fallschirm retten. Daraufhin beendete die USAF das Vorhaben. Wenig Glück hatte auch ein Vorschlag von Republic: Die Version des Aufklärers XF-12 Rainbow mit zwei F-84 Thunderjet an den Tragflächenenden blieb im Modellstadium.


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Patrick Hoeveler


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