20.06.2017
Erschienen in: 02/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Zweiter Weltkrieg  (Teil 3) Unterschiedliche Auslegungsphilosophien

Spitfire 1

Die Spitfire Mk. II und Bf 109 E standen sich während der Luftschlacht ständig gegenüber. Beide Jäger wiesen spezifische Vor- und Nachteile auf. Die Spitfire besaß Vorteile im Handling. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Grundsätzlich als Tiefdecker mit Einziehfahrwerk konzeptionell gleich, werden bei näherem Hinsehen Unterschiede ihrer Auslegungsphilosophien deutlich. Der Messerschmitt-Jäger war kompakter und leichter als die größere Spitfire. Doch der fast ein Drittel größere Flügel des britischen Jägers kompensierte sein höheres Gewicht mehr als genug. Zudem bot sein elliptischer Grundriss aerodynamische Vorteile, während der Trapezflügel der Bf 109 einfacher zu produzieren war. Die Flächenbelastung der Spitfire war erheblich geringer als die der Bf 109 E. Konsequenz war, dass die Spitfire langsamer fliegen und auch bei engen, mit hohem Anstellwinkel geflogenen Manövern im Luftkampf Vorteile verbuchen konnte. Doch trotz ihrer höheren Flächenbelastung waren die nach der Papierlage zu erwartenden entsprechenden Werte der Bf 109 nicht so eklatant schlechter als die der Rivalin.

Zum Ausgleich verwendeten die Messerschmitt-Ingenieure automatische Vorflügel im äußeren Tragflächenbereich. Je nach Anströmung fuhren sie automatisch aus und verbesserten so die Strömung am Flügel bei hohen Anstellwinkeln und damit die Langsamflugeigenschaften. Auch wenn die automatischen Vorflügel, die übrigens keine Messerschmitt-Erfindung, sondern ein Patent von de Havilland waren, zuverlässig arbeiteten, so hatten sie doch auch Nachteile. Flog ein Pilot in Grenzflugbereichen schiebend, konnten sie aufgrund ungleichmäßiger Anströmung unterschiedlich weit ausfahren. Resultat waren dann unterschiedliche Auftriebsverhältnisse, die den Jäger aus der gewünschten Bahn bringen konnten.

Die niedrigere Flächenbelastung ihrer Spitfire kam den britischen Piloten im Luftkampf insoweit zugute, als dass sie letztendlich enger kreisen konnten, um sich hinter den Gegner zu setzen. Etliche Vergleichsflüge wurden unternommen, je nach Flughöhe und Geschwindigkeit mit unterschiedlichen Ergebnissen. Doch immer lagen die Vorteile bei der Spitfire. In 12.000 Fuß Höhe betrug zum Beispiel der Kurvenradius der Mk. II bei Vollgas und ohne Höhenverlust 204 Meter, der der Bf 109 E dagegen 270 Meter. In 19 Sekunden flog die Spitfire dabei einen Vollkreis, die Messerschmitt benötigte 25 Sekunden. Dennoch gelang es Piloten der Bf 109 in vielen Fällen, im Kurvenkampf über eine Spitfire die Oberhand zu gewinnen. Ein Grund dafür war sicher, dass die Luftwaffe schon lange zuvor im Rahmen der Unterstützung des Franco-Regimes mit der Legion Condor hatte Kampferfahrung sammeln können. In den ersten Kriegsmonaten verfügte die Luftwaffe somit über eine größere Zahl erfahrenerer Jagdflieger.

Auf der anderen Seite hatten die Briten zunächst noch Probleme, überhaupt genügend Piloten in die Einsatzstaffeln zu bringen. Die weniger erfahrenen Piloten waren häufig noch nicht in der Lage, ihre Jäger voll an dessen Leistungsgrenzen zu fliegen. Dabei machte die Spitfire den Piloten enge Manöver im Grenzbereich zum Strömungsabriss eigentlich leichter. Der britische Jäger „sagte“ ihnen durch deutliches Schütteln schon frühzeitig an, wenn die Strömung am Flügel abzureißen drohte. Das deutsche Gegenstück hatte einen kleineren Grenzbereich, und ein Strömungsabriss erfolgte plötzlicher.
       


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