13.07.2016
Erschienen in: 05/ 2016 Klassiker der Luftfahrt

Douglas AD-4NSkyraider Notlandung

Im September 2015 ist der französische Pilot Bernard Vurpillot auf dem Weg nach Cambrai. Plötzlich hat der Sternmotor seiner Skyraider Fehlzündungen, Flammen schlagen aus dem Motorraum. Was folgt, ist eine besondere fliegerische Leistung: Er landet den angeschlagenen Flieger auf einem Acker.

Diesen Moment möchte kein Pilot erleben. Die Flammen, die aus dem Motorraum schlagen und vor dem Cockpit aufleuchten, lassen keine andere Entscheidung zu: aussteigen oder notlanden. Am 5. September 2015 entscheidet sich der Franzose Bernard Vurpillot für die letztere Lösung. In Sekundenbruchteilen beschließt er, die  Douglas Skyraider AD-4N auf einem Acker zu landen. Mit rund fünf Tonnen Gewicht ist der Warbird kein Leichtgewicht, und das Risiko eines Überschlags bei der Landung auf unbefestigtem Boden ist hoch. Denn entgegen der gängigen Praxis will Bernard mit ausgefahrenem Fahrwerk landen. Die Entscheidung für das Landefeld fällt schnell: Ein vor ihm liegender, abgeernteter Acker soll als Piste herhalten. Aufgrund des heißen Sommers und des ausgebliebenen Regens war klar, dass das Feld nicht aufgeweicht sein und die Maschine zumindest nicht beim Aufsetzen einsacken würde.

Gesagt, getan. Fahrwerk raus, volle Klappen und runter auf den Acker. Die Landung klappt, und nach wenigen Metern kommt der Klassiker zum Stehen. Motor aus, um weitere Flammenbildung zu vermeiden. Der Professionalität des Piloten ist es zu verdanken, dass die Einmot keinerlei Schaden genommen hat und auch er selbst ohne Kratzer davonkommt.

An diesem Tag scheint ihm das Glück hold zu sein. Nach der überstandenen Notlandung tritt Bernard Vurpillot unmittelbar beim Aussteigen mit dem Fuß auf ein Hufeisen. Nicht nur bei uns ein Glücksbringer. 

Im Pferdestall

Dabei ist es in dieser Gegend nicht ungewöhnlich, ein Hufeisen zu finden. Unweit liegt das Gut „Maison Neuve“. Dessen Besitzer, die Pferdezüchter-Familie Lienart, waren auch die Ersten an Ort und Stelle, um Bernard zu begrüßen und zu helfen. Die später eingetroffene Mechaniker-Crew der France‘s Flying Warbirds, die die Skyraider betreibt, hofft bei der ersten Untersuchung auf einen kleinen Schaden, der vor Ort repariert werden kann. Denn der Plan ist, den Vogel wieder vom Acker starten zu lassen. Doch daraus wird nichts. Mehrere Kolben und Ventile des 18-Zylinder-Doppelsternmotors Wright R-3350 sind beschädigt und der Motor ist vorerst unbrauchbar.

Der Grund für den Motor­ausfall war ein Riss in einem der Magnetverteiler. Dieser hatte für Fehlzündungen und Detonationen gesorgt, die während des Flugs zu hören gewesen waren. Der Motor musste also getauscht werden. Man hilft sich gerne in der Picardie, und so boten die Pferdezüchter Lienart an, der havarierten Einmot ein Dach über dem Kopf zu gewähren. Sie wurde kurzerhand in den Pferdestall gebracht um abzuwarten, bis ein Transport zurück nach Melun-Villaroche organisiert war. Das stellte sich als gar nicht so leicht heraus, da der administrative Aufwand sehr groß war. Der Transport sollte durch drei Landkreise verlaufen, und die Er­teilung der verschiedenen Genehmigungen zog sich weit über zwei Monate.

Ab über die Mauer

Bevor die große Skyraider jedoch verladen wurde und sich auf den Heimweg machen konnte, mussten einige Bauteile demontiert werden. Der Zugang vom Gehöft auf die Straße führte durch eine schmale Gasse und über eine Mauer. Als Erstes wurde der im Durchmesser knapp vier Meter messende Propeller entfernt. Damit man während des Transports auch unter niedrigen Brücken durchpasste, wurden die äußeren Flügelteile abgebaut. Dieser Teil war relativ einfach, da die Skyraider über Klappflügel verfügt und die Flächen leicht getrennt werden können. Die kleinen Teile wurden auf einen Pkw-Anhänger verladen und ins Hauptquartier gebracht.

Nun stand der größte Teil der Arbeiten an. Die F-AZFN muste auf den Tieflader. Dazu wurde ein großer Kran bestellt, der die Verladung vornahm. Unter großer Beachtung aller Anwesenden und eines Fernsehteams zeigte der geübte Kranfahrer sein ganzes Können. Nachdem die Hebeseile am Rumpf befestigt waren, hob er die Maschine an und schwenkte sie quer über den Hof, hinüber zum Haupthaus der Familie, um dort in luftiger Höhe über eine Mauer und das Haus hinwegzuschweben. Das Absetzen auf den Tieflader war nur noch Formsache, und so machte sich die Skyraider nach über zwei Monaten im Exil auf die 112 Kilometer lange Heimfahrt.

In Melun-Villaroche angekommen, wurde der defekte Motor vom Rumpf getrennt. In Kürze wird er durch ein überholtes Aggregat ersetzt. Ein glückliches Ende eines unglücklichen Ausflugs. Die France‘s Flying Warbirds sind mit ihren Schmuckstücken auch hier in Deutschland keine Unbekannten. Zur Flotte gehören die P-40N „Little Jeanne“ und die P-51D Mustang „Nooky Booky“, die in den letzten Jahren immer wieder von dem französischen Piloten Marc Mathis auf vielen Flugtagen wie der Hahnweide vorgeflogen wurden.

Im Haupthangar südlich von Paris stehen noch weitere historische Flugzeuge: neben der Consolidated PBY Catalina eine russische Jak-11 sowie die legendäre Douglas DC-3 und einige kleine Einmots.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 05/2016

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