08.02.2016
Erschienen in: 07/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

RückkehrRimowa baut Junkers F 13

Das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt wird wieder gebaut. Nach modernsten Fertigungsstandards baut die neu gegründete Rimowa Flugzeugwerke AG in Dübendorf die legendäre Junkers-Einmot ab sofort wieder flugfähig in Serie.

Für diese Nachricht hatte sich Dieter Morszeck, Chef des Gepäckherstellers Rimowa und alleiniger Sponsor des Projekts F 13, die passende Bühne gesucht: Auf der EAA-Convention in Oshkosh, Wisconsin, dem weltberühmten Amateurflugzeugbauer-Treffen in den USA und der größten Luftfahrtveranstaltung des Landes, gab der Kölner Unternehmer, schon  im Angesicht der ersten neu gebauten, flugfähigen F 13, sein jüngstes Vorhaben bekannt: „Der Wiederaufbau der ‚Urmutter‘ aller Verkehrsflugzeuge war schon lange mein Traum, und ich bin sehr froh, dass er endlich Wirklichkeit wird“, sagte Morszeck in Oshkosh. „Da mich dieses Flugzeug außerordentlich begeistert und ich eine Nachfrage am Markt sehe, haben wir bereits zum Roll-out die Rimowa Flugzeugwerke AG in der Schweiz gegründet. Hier werden wir die F 13 in Serie bauen.“ Die Junkers F 13 ist nicht „irgendein“ Oldtimer. Vielmehr war sie als robustes, erstes Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt ein Wegbereiter des Flugzeugbaus und der modernen Passagierluftfahrt.  Stolze 330 Stück wurden seinerzeit gebaut und in alle Welt exportiert. Die F 13 flog in China und Russland, in Finnland und Südamerika und in den USA, wo sie als „Junkers-Larsen“ für den US-Markt mit Sternmotor endmontiert wurde. Genau diese, noch heute neu verfügbare, aber gegenüber den typischeren Reihenmotoren wesentlich weniger bekannte Original-Antriebsvariante hat Rimowa nun ausgewählt, um den F 13-Nachbau anzutreiben.

 Das neue Flugzeug wird nach Schweizer BAZL- und europäischen EASA-Regeln gebaut und zugelassen und ist auf den Flugbetrieb nach Sichtflugregeln bei Tag ausgelegt, sofern keine Vereisungsbedingungen herrschen. Damit entstehen, fast 100 Jahre nach dem Erstflug 1919, wieder flugfähige F 13. Dagegen lässt sich keines der heute noch fünf erhaltenen Originalflugzeuge noch einmal flugfähig restaurieren. Eine wesentliche Rolle beim Neubau spielt die renommierte Schwarzwälder Firma Kaelin Aero Technologies GmbH aus Oberndorf am Neckar. Ihr 28 Jahre junger Gründer und Eigentümer, Dominik Kälin, lernte das Flugzeugbauer-Handwerk bei Pilatus in der Schweiz. Seine unabhängige Firma mit neun Mitarbeitern ist auf weltweite Reparaturen von Flugzeugen spezialisiert. Der Neubau von Komponenten nach Luftfahrtstandards gehört dabei zum täglichen Brot. Auch für die Schweizer „Super Connie“ fertigte Kälins Unternehmen bereits anspruchsvolle Strukturteile. Die neue Junkers F 13 entstand aus 2600 Bauteilen, die mit 35 000 Nieten zusammengehalten werden. Sie verbinden auch die charakteristischen Wellblech-Aluminiumplatten mit dem Rohrgerüst des Rumpfes. Die Endmontage findet am Schweizer Flugplatz Dübendorf statt, direkt neben den Experten der Ju-Air, welche die Schweizer Ju 52 betreiben.

Um die kompletten Konstruktionspläne für die F 13 zu gewinnen, recherchierte Rimowa aufwendig in Archiven in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz. Entscheidend war aber die vom Pariser Luftfahrtmuseum in Le Bourget gebotene Möglichkeit, ein dortiges F-13-Ka-Originalflugzeug ausführlich per Laser zu vermessen, um die Daten in moderne Konstruktionssoftware zu übertragen. Besonderheit der Pariser F 13: Das Flugzeug war nie in der Luft, und der Flügel weist noch heute die unveränderten Werksmaße auf. Völlig neu dagegen ist nun das Spornrad statt des einst serienmäßigen Hecksporns. Es wurde nötig, weil die F 13 heute vorwiegend von festen Startbahnen aus eingesetzt wird, nicht mehr von Flugfeldern aus Gras, wie einst üblich. Die Maße für die Konstruktion des gebremsten Hauptfahrwerks wurden dagegen von einer in Schweden erhalten gebliebenen Junkers W 34 abgenommen. Junkers verwendete typenübergreifend Baugruppen mit eng verwandten Details und Maßen. Deswegen passt das W-34-Fahrwerk auch an die F 13. Die heutigen, kleineren Räder stammen von einer North American T-6 mit einem Redline-Bremssystem.


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Sebastian Steinke


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