18.06.2016
Klassiker der Luftfahrt

Tauchfähiges FlugzeugRFS-Commander – Das fliegende U-Boot

1964 flog in den USA das erste tauchfähige Flugzeug der Welt oder, wenn man so will, das erste „fliegende U-Boot". Donald E. Reid, ein 57jähriger Elektronikingenieur in New Jersey baute seine RFS (Reid-Flying-Submarine)-„Commander" in jahrelanger Arbeit.

Begonnen hat die seltsame Story dieses kuriosen Flugapparates schon 1954. Donald Reid, lange Zeit Elektroniker im Naval Air Turbine Test Center in Trenton, sah damals zum ersten Male das Atom U-Boot „Nautilus", und als begeisterter Bastler ging er daran, ein funkgesteuertes, tauchfähiges Modell der Nautilus zu konstruieren. Das Modell war so erfolgreich, daß der Erfinder mehrere Dutzend davon verkaufen konnte. Ein Zufall brachte ihn auf die Idee, ein Modell-U-Boot mit Flügeln auszurüsten.

Erste Modelle

Nach zwei Jahren war er so weit, daß das erste ferngesteuerte, 1 m lange Flug-U-Boot funktionierte. Mit einem kleinen Staustrahl-Triebwerk erreichte das „flub" (flying submarine) eine Fluggeschwindigkeit von etwa 300 km/h. Beim Tauchvorgang falteten sich die Flügel zurück und dienten als Ballastbehälter, geflutet wurden sie durch Funkkommandos. Donald Reid baute und erprobte insgesamt 14 solcher flub-Modelle. Mit seinen Plänen für ein bemanntes Gerät stieß er natürlich überall auf große Skepsis. Trotzdem bekam er 1963 ein Patent für die Idee des fliegenden U-Boots. Von neun verschiedenen Schrottflugzeugen holte er sich Flügel, Triebwerk, Instrumente und Schwimmer, und begann mit dem Bau der Maschine.

Das erste Flug-U-Boot

RFS-Commander 04 (jpg)

Wenn auch die RFS-Commander einen noch recht primitiven Eindruck macht, so bleibt doch die Tatsache, daß es das erste tauch- und flugfähige Gerät der Welt darstellt. Foto und Copyright: Donald E. Reid  

 

Ein etwa 10 m langer, zigarrenförmiger Rumpfkörper entstand aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Auf einem stromlinienverkleideten Pylon sitzt der 65-PS-Motor mit einer Zweiblatt-Holz-Luftschraube. Während des Tauchmanövers ist der Motor durch eine große Gummihaube geschützt, die Mr. Reid aus einem alten Bombertank gefertigt hat. Gesteuert wird die Maschine unter Wasser mit den gleichen Rudern wie im Flug. Im Inneren des turmähnlichen Aufbaues sollte der Pilot sitzen, daher waren mehrere Fensterausschnitte vorgesehen. Nachdem sich aber herausgestellt hatte, daß die Sicht aus diesen „Luken" zu schlecht war, verlegte Reid das Cockpit etwas nach vorn in den Rumpfbug. Der Pilot muß beim Tauchen eine Aqualunge tragen. Am Höhenleitwerk sitzen als Endscheiben zwei Seitenleitwerksflächen. Im Heckkonus ist ein 1-PS-Elektromotor mit einer Bootsschraube als Unterwasserantrieb installiert.

Erste Tauch- und Flugversuche

Bei den ersten Tauchversuchen im Jahr 1961 zeigten sich einige Schwierigkeiten bei der Ballastverteilung, und der erste Flug endete schon kurz nach dem Abheben mit einem Unfall, da sich im Heck der Maschine Wasser angesammelt hatte und die Maschine somit stark schwanzlastig wurde. Bruce Reid, der Sohn des Konstrukteurs Donald Reid, der die Tests durchführte, kam ohne schwere Verletzungen davon. Mitte 1964 war die Maschine wieder startklar. Sie hatte inzwischen die FAA-Zulassung in der Experimental-class erhalten, mußte aber auch als Wasserfahrzeug registriert werden. Da es in keine der gängigen Kategorien paßte, ordnete die zuständige Behörde das flub in der Rubrik „übrige Arten von Fahrzeugen" ein.

Am 9. Juni 1964 lag die Commander im Shrewsbury River zum ersten kombinierten Tauch- und Flugmanöver bereit. Bruce Reid öffnete die Ballasttanks in den Schwimmern, das flub tauchte unter und fuhr mit etwa 4 Knoten in 2 m Tiefe, angetrieben von der kleinen Heckschraube. Nach dem Auftauchen entfernte Reid jr. die Gummihaube vom Motor, setzte den Propeller auf und ließ den Motor an. Die Commander nahm Fahrt auf, hob ab und flog in 10 m Höhe mit etwa 100 km/h über den Fluß. Das fliegende U-Boot wasserte nach dem Erstflug wieder ohne Schwierigkeiten.

Erstes tauch- und flugfähiges Gerät der Welt

Wenn auch die RFS-Commander einen noch recht primitiven Eindruck macht, so bleibt doch die Tatsache, daß es das erste tauch- und flugfähige Gerät der Welt darstellt. Mr. Reid nahm bereits mehrfach Kontakt mit verschiedenen Stellen im Pentagon auf, um seine Maschine für militärische Zwecke anzubieten. Das Pentagon lehnte jedoch ab, es war inzwischen bereits ein entsprechender Studienauftrag der Navy an General Dynamics vergeben worden. Reid ist jedoch der Ansicht, daß jede künftige Maschine dieser Art in irgendeiner Weise mit seinen Patentansprüchen kollidieren muß. Das Bureau of Weapons der Navy glaubt dagegen, daß Mr. Reids Patent nur für seinen speziellen Typ gilt und nicht für das generelle Konzept eines fliegenden U-Bootes.

Inzwischen zeigte Mr. Reid im Herbst 1967 auf der größten Erfinderschau der Welt in New York das Konzept eines weitaus fortschrittlicheren, strahlgetriebenen Tauchflugzeuges. Der doppelsitzige Deltajäger hat einen neuartigen Zweiwege-Einlaufkanal, der jeweils für den Flug oder die Unterwasserfahrt den richtigen Einlauf freigibt. Für die Tauchfahrt ist ein elektrisch betriebener Wasserstrahlantrieb vorgesehen. Der Staurohrausleger am Bug kann um 900 nach oben geschwenkt werden und dient als Periskop. Zur Erleichterung des Start- und Landevorgangs sind Hydroski vorgesehen. Mr. Reid will schon in nächster Zeit verbesserte Modelle seines jetzigen RFS-Commander mit Strahlantrieb erproben.

Franz Luber (Mai 1969)




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