13.07.2015
Erschienen in: 05/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

ZeitmaschineFK 131 Jungmann

Peter Funk und der tschechische Flugzeugbauer Podešva Air haben die Bücker Bü 131 Jungmann auf Basis der frühen A-Version wieder aufleben lassen. Den Oldtimer in Originalgröße gibt’s jetzt als UL oder Experimental in einer limitierten Serie.

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Dieser Motor! Mit heiserer Stimme röhrt der Walter Micron IIIC sein Lied vom Fliegen aus den vier Auspuffrohren. 82 PS aus 2,8 Litern Hubraum, verteilt auf vier in Reihe hängende, vom kühlenden Luftstrom umgebene Zylinder – da geht was! Direkt, ohne den Umweg über ein Getriebe, treibt die Kurbelwelle den Woodcomp-Holzpropeller an. Gasstöße quittiert die Nadel des übergroßen, rechts außen an der Bordwand angebrachten Drehzahlmessers mit munteren Hüpfern über die Skala.

Peter Funk zieht es bereits beim Standlauf die Mundwinkel zu den Ohren. Nach ein paar Minuten stellt er den Motor ab, unterbricht damit jäh die akustische Zeitreise in die 1930er Jahre. Bei unserem Treffen in Speyer ist der Pilot und Ingenieur erleichtert: „Den Zeitplan haben wir nahezu eingehalten, alle Systeme funktionieren.“ Das ist keineswegs selbstverständlich bei solch einem ehrgeizigen Projekt. Vor etwa anderthalb Jahren hat Peter Funk im Namen seines Unternehmens B&F Technik eine Kooperation mit dem tschechischen Flugzeugbauer Podešva Air auf den Weg gebracht. Das Ziel: eine Neuauflage der Bücker Bü 131 Jungmann auf Basis der frühen A-Version, die im April 1934 ihren Erstflug hatte. Die Bezeichnung Jungmann darf das Flugzeug ganz offiziell tragen, nachdem B&F die Namensrechte erworben hat. Geplant ist eine Zulassung der neuen Jungmann als Ultraleichtflugzeug (UL) mit maximal 472,5 Kilogramm Abflugmasse. Selbstbauer können sie als Experimental mit 520 Kilogramm MTOW betreiben und dürfen mit ihr dann sogar turnen.

Im Oktober 2012 startete die Neuauflage der Jungmann in Tschechien zum Erstflug. Am 14. April 2013 hat Peter Funk den Doppeldecker zum ersten Mal im heimischen Speyer von der Bahn genommen. „Mein erster Flug mit der Jungmann war super! Die Zaungäste waren sich einig, dass da eine echte Bücker startet, hat man mir hinterher versichert.“ Kein Wunder, angesichts der authentischen Optik, des kernigen Klangs und des tschechischen Kennzeichens, das hierzulande kaum jemand einem Ultraleicht zuordnet. Nur wer genau hinschaut, entdeckt die deutsche Kennung D-MRUD unterm Leitwerk.

Bei der Frage nach dem für die UL-Zulassung obligatorischen Lärmtest verhärten sich Funks Gesichtszüge für einen Moment. „Ja, das klappt schon.“ Schweigen. „Nein, so wird es wahrscheinlich nichts“, sagt er beinahe entschuldigend. „Es gibt schon ULs, zum Beispiel Kiebitze, die mit dem Walter Micron fliegen. Die haben aber eine andere Auspuffanlage.“ Hoffnung auf satten Klang besteht hingegen beim Experimental, das weniger strengen Restriktionen als ein Ultraleichtflugzeug unterworfen ist.

Technisch ist das luftgekühlte Walter-Triebwerk nah dran am Hirth HM 60 R aus den 1930er Jahren, der mit seinen 80 PS einst die A-Reihe der Jungmann befeuerte. Das bedeutet Lust und Last zugleich. Einerseits unterstreicht die Jungmann damit ihren Anspruch auf Originalität. Andererseits verlangt der Motor Zugeständnisse von seinem Besitzer. „Es gibt halt nicht an jedem Flugplatz einen Mechaniker, der den Walter Micron warten und reparieren kann“, sagt Peter Funk. Überhaupt ist die FK 131 Jungmann ein Gefährt für Individualisten. Sie weckt Emotionen, ist ein Augen- und Ohrenschmaus. Eben ein Oldtimer mit all seinen Stärken und Schwächen.

Schon der Einstieg auf den hinteren Sitz erfordert vom Piloten eine gewisse Akrobatik. Vorn die flache Windschutzscheibe, links und rechts die filigranen, nach unten klappbaren Metallbleche, die die Schultern des Piloten schützend umgeben. Allzu viele Möglichkeiten zum Abstützen bleiben da nicht. An den noch anspruchsvolleren Einstieg auf den vorderen Sitz für den Passagier mag ich erst gar nicht denken – muss ich auch nicht. Ein Probeflug steht ohnehin (noch) nicht auf dem Programm. „Ich habe mit der Jungmann nicht mal eine Stunde in der Luft verbracht, da nehme ich besser noch niemanden mit. Sicher ist sicher“, sagt Peter Funk.

Lieber erzählt er, wie das Projekt zustande gekommen ist. „Am Anfang war das so ein Spleen von mir“, meint der Doppeldeckerund Oldtimer-Fan, der (unter anderem) die ultraleichte FK 12 Comet erfunden hat. Zufällig hat er eines Tages einen Jungmann-Nachbau in Pirmasens gesichtet, ebenfalls aus der Schmiede von Podešva Air. Dieser war zwar längst nicht perfekt, doch ausschlaggebend für das, was folgen sollte. Beim Blick in historische Unterlagen wurde Peter Funk bewusst, dass die frühe A-Reihe des Luftwaffentrainers aus heutiger Sicht in die Ultraleichtklasse passen müsste.


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Patrick Holland-Moritz


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