16.03.2017
Erschienen in: 04/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

New York Nonstop und in Etappen nach TokioDie Rekordflüge der Focke-Wulf Fw 200 Condor

Eigentlich war sie eher für Mittelstrecken gebaut worden. Doch dann machten im Jahr 1938 mehrere Langstreckenrekorde die Focke-Wulf Fw 200 Condor schlagartig weltberühmt.

Es ist der 10. August 1938. Um 20:05 Uhr rollt die Fw 200 Condor D-ACON in Berlin-Staaken zum Start an. Im Cockpit sitzen Lufthansa-Kapitän Alfred auf dem linken Sitz und neben ihm als Copilot Rudolf von Moreau, eigentlich Luftwaffenhauptmann, jedoch bei dem Flug als Focke-Wulf-Mann dabei. Ebenfalls mit an Bord sind der Funker Walter Kober und der Oberflugmaschinist, heute würde man Flugingenieur sagen, Paul Dierberg. Beide sind Lufthansa-Angehörige. Ihr Ziel ist New York. Genau 24 Stunden, 36 Minuten und zwölf Sekunden später ist die Sensation perfekt. Um 15:41 Uhr Ortszeit setzt das elegante viermotorige Flugzeug aus Deutschland nach 6371 Kilometern Flugstrecke auf dem New Yorker Flughafen Floyd Bennet Field auf. Ihren Flug gegen die über dem Atlantik vorherrschenden Windrichtungen hat die Focke-Wulf Condor mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von genau 258,9 km/h absolviert. Das Floyd Bennett Field war übrigens New Yorks erster Flughafen. Mit der Eröffnung von La Guardia 1939 verlor er allerdings an Bedeutung und wurde später nur noch von den Marinefliegern genutzt. Anfang der 70er Jahre wurde das südlich des Stadtteils Brooklyn gelegene Gelände einem Erholungspark angegliedert.

Für Focke-Wulf und das Reichsluftfahrtministerium (RLM) ist der New-York-Flug Teil einer groß angelegten Werbeaktion. Die Fw 200 Condor soll wirtschaftlich ein Erfolg werden. Zwar schreit die Flotte der Lufthansa förmlich nach neuen Flugzeugen, denn zum Beispiel die Ju 52, so zuverlässig sie ist, kommt gegenüber Mustern wie der wesentlich moderneren DC-3 zunehmend ins Hintertreffen. Doch reicht die überschaubare, von der Lufthansa gebrauchte Anzahl eines für mittellange Strecken ausgelegten Flugzeugs nicht aus, die Fw 200 Condor auf wirtschaftlich solide Füße zu stellen. Man braucht weitere Auslandskunden. Bisher hat neben der Lufthansa nur die dänische DDL acht der neuen Flugzeuge geordert. Interesse besteht aber auch in Südamerika und Finnland.

Für den Rekordflug ist die Fw 200 Condor V 1 D-ACON besonders hergerichtet worden. Ursprünglich hatte sie bei ihren ersten Flügen noch das Kennzeichen D-AERE getragen, mit dem sie mindestens bis Anfang April 1938 flog. Im Rahmen der Erprobung erhielt sie unter anderem bereits den neuen, für die Serie vorgesehenen leicht gepfeilten Flügel und erfuhr weitere Modifikationen. Auch wurde sie von den zunächst verwendeten Pratt & Whitney Hornet auf die später serienmäßigen BMW-132-Motoren mit je 750 PS Leistung umgerüstet. Zur Vorbereitung des Rekordflugs bauten die Techniker die komplette Kabineneinrichtung inklusive der Verkleidungsteile aus. Es hieß, möglichst viel Gewicht zu sparen, um für den Atlantikflug ausreichend Treibstoff in Zusatztanks in der Kabine bunkern zu können, die normalerweise Platz für 26 Passagiere bot. Mit ihren Standardtanks hätte die Reichweite der D-ACON lediglich etwa 1500 Kilometer betragen.

Eigentlich sollte die Promotion-Tour von Deutschland über New York und weitere Etappen bis nach Tokio führen. Doch die US-Behörden hatten notwendige Überflugrechte verweigert. Man darf vermuten, dass dies dem Schutz der eigenen luftfahrtindustrieellen Interessen dienen sollte. Doch immerhin besaß die Lufthansa noch Atlantikflug- und Landerechte der US-Behörden für nichtgewerbliche Versuchsflüge. Die waren bisher mit dem Schwimmerflugzeug Ha 139 erfolgt. Nun wurden sie einfach für den Rekordflug der Condor nach New York genutzt.

Nur zwei Tage nach der Landung, geht die D-ACON in den Morgenstunden des 13. August am Floyd Bennett Field an den Start zum Rückflug nach Berlin. In 3000 Metern, gut 1000 Meter höher als beim Hinflug, fliegt die Crew wieder über den Nordatlantik. Diesmal schiebt der vorherrschende Wind die Fw 200 kräftig an. Obwohl ihr Flugweg geringfügig länger ist, erreicht sie nun eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 321 km/h. Nach genau 19 Stunden, 55 Minuten und einer Sekunde setzt sie am 14. August in Berlin-Tempelhof auf.


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