16.03.2017
Erschienen in: 04/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

New York Nonstop und in Etappen nach Tokio (Teil 3) Der Rückflug von Tokio endete mit einer Notwasserung

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In den frühen Morgenstunden des 6. Dezember, genau um 04:32 Uhr, hebt die DACON vom Tokioter Flughafen ab. Über 3000 Kilometer liegen vor ihr, Kurs Südwest. Alles läuft zunächst glatt. Die langen Flüge sind den Männern schon fast zur Routine geworden. Eine knappe Stunde vor dem Erreichen des Ziels wird noch einmal der Benzinvorrat gecheckt. Der reicht noch für zwei Stunden, also kein Grund zur Sorge. Kurz darauf, knapp elf Stunden ist sie nun bereits unterwegs, befindet sich die Fw 200 Condor über der Manilabucht westlich des Flughafens. Etwa 60 Kilometer sind es noch bis dorthin, wenige Minuten Flugzeit. Zur Vorbereitung der Landung ist das Flugzeug bereits auf eine niedrige Höhe abgestiegen und die Crew hat die Geschwindigkeit bereits auf 250 km/h reduziert.

Plötzlich fallen kurz nacheinander beide Steuerbordmotoren aus. Zwar soll die Focke- Wulf Fw 200, das hat sie in der Erprobung bewiesen, auch mit nur noch zwei Motoren weiterfliegen können. Doch Zweimotorenflug ist nicht gleich Zweimotorenflug. Der Ausfall von zwei Motoren auf einer Seite, jeder Pilot weiß das, ist besonders schwierig zu handhaben. Der nun asymmetrische Antrieb ist bei der Focke-Wulf allein mit der Seitenrudertrimmung nicht zu kompensieren. Notwendig ist es, dazu auch den Backbordflügel leicht hängen zu lassen. Insgesamt produziert dieser Flugzustand mehr Widerstand und weniger Auftrieb. Und dies, wo nur noch die halbe Motorleistung zur Verfügung steht. Die Crew setzt volle Leistung auf die beiden Backbordmotoren und fährt ihre Luftschrauben richtigerweise in die Startstellung, während sie die Propeller der ausgefallenen Motoren in die Segelstellung bringt. Dennoch hat die Fw 200 jetzt schon weiter Fahrt bis auf 180 km/h verloren und ist auf 40 Meter über dem Meer gesunken. Die Fahrt geht weiter auf kritische 120 km/h zurück, als die Crew praktisch gleichzeitig die Klappen ausfährt, die weiteren Widerstand produzieren. Der Strand ist nur noch 500 Meter entfernt, an ein Überfliegen der Stadt überhaupt nicht zu denken. Henke muss blitzschnell reagieren und es gelingt ihm immerhin noch, die D-ACON auf einer Sandbank in der Bucht aufzusetzen. Zwei der Motoren und die Landeklappen werden dabei herausgerissen. Aber die Besatzung kommt unverletzt davon und wird später von herbeigeeilten Booten geborgen.

War es ein Bedienfehler, der schon beim Umpumpen des Treibstoffs von den Zusatztanks in die inneren Flügeltanks geschah, ein Fehler im Treibstoffsystem oder verschmutzter Treibstoff, der zum Ausfall der beiden Steuerbordmotoren führte? Das lässt sich schwer sagen. Das Wrack der D-ACON wurde wenig sachgemäß von der Sandbank geborgen und auf das Motorschiff „Kulmerland“ verladen. Am 1. Februar 1939 kam die „Kulmerland“ mit der traurigen Fracht in Hamburg an. Einen wirklichen Beweis für die eine oder andere Ursache ergab wohl auch die Untersuchung des Wracks in Deutschland nicht. Schon Anfang Januar 1939 war die Besatzung an Bord des Dampfers „Scharnhorst“ des Norddeutschen Lloyds nach Deutschland zurückgekehrt.

Focke-Wulf-Chef Kurt Tank warf der Besatzung unter Alfred Henke fliegerisches Versagen vor. Auch dafür ergab die Unfalluntersuchung durch Vertreter der Bauaufsicht des RLM und der Erprobungsstelle Rechlin keinen Anhaltspunkt. Trotz des unglücklichen Endes der D-ACON: Bis heute gelten ihre Rekordflüge nach New York und Tokio als ein Beweis für die Leistungsfähigkeit ihrer Technik.


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