28.05.2014
Klassiker der Luftfahrt

Hintergründiges zum Reiseflugzeug Bf 108Teure Taifun

Wenn es um das bekannteste deutsche (militärische) Reiseflugzeug der dreißiger Jahre geht, überschlagen sich viele Autoren mit geschönten Superlativen rund um die Bf 108 Taifun. Wer sich nicht auf Sekundärliteratur verlassen möchte, kommt um Originaldokumente nicht herum. Wer die Mühe deren Beschaffung nicht scheut, wird mit oft überraschenden Zitaten konfrontiert, die so nicht in der Welt der Luftfahrtliteratur zu finden sind.

Es beginnt mit der abenteuerlichen Entstehungsgeschichte im Jahr 1933, über die eigentlichen Köpfe des Entwurfs und der Konstruktion Lusser und Bauer (und eben nicht Messerschmitt), bis hin zu einer verklärten Wirtschaftssituation im dritten Reich. Ein buntes Potpourri an Nachkriegslegenden, zusammengewürfelt, um der Taifun den Makel des militärischen Verbindungsflugzeug zu nehmen bzw. den Personenkult um Willy Messerschmitt zu stützen.

Im folgenden Dokument liefert der BFW/Messerschmitt-Direktor Rakan Kokothaki (von 1926 bis 1969 im Unternehmen) einige tiefgründige Einblicke um die Grundproblematik der Bf 108 Konstruktion: ein dünnwandiges und entsprechend zu schwach ausgelegtes Fahrwerk, das als typisch Messerschmittsche Detaillösung auch bei der Bf 109 oder der Me 262 vorkam. Noch im Mai 1944 fuhr Hermann Göring in einer RLM-Besprechung Messerschmitt an: „...die Beine haben bei Ihnen immer ein bißchen an Muskelschwund gelitten“. Die meist folgende Bauchlandung war zwangsläufig mit einem hohen Instandsetzungsaufwand verbunden. Ob der Betriebsführer des Regensburger Messerschmitt-Werkes, Karl Linder, noch Einfluß auf eine Konstruktionsänderung des Fahrwerks nehmen konnte, muß stark bezweifelt werden.

Leider ist das Kennzeichen der 1937 ausgelieferten und erwähnten Werknummer 841 nicht zu ermitteln. Die im Dezember 1936 abgenommene Werknummer 835 wurde vom RLM als HA-XCG ebenfalls nach Ungarn freigegeben. Interessanterweise wurde auch die Werknummer 836 der ersten Produktionsserie als Attachéflugzeug dem Vertreter der US Navy in Berlin zugewiesen.

Sollten sich Hinweise dazu aus der Leserschaft ergeben, kann dieses Dokument ohne weiteres aktualisiert werden.

Wer sich für die Entstehungsgeschichte der Bf 108 interessieren sollte, kann meinen Beitrag „Die wahre Geschichte“ in Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 3-2013 nachlesen.

Marton Szigeti/Archiv

 

 

Rakan Kokothaki                                                                            Augsburg, den 23.2.41
Direktor, Vorstandsmitglied
Messerschmitt AG

Herrn
Direktor K. Linder
Regensburg
Prüfeningerstr.112

Lieber Herr Linder!

Mir liegt der Kalkulations- und Befundbericht für die Me 108 Nr.841 der königlich Ungarischen Botschaft in Berlin vor. Die Reparatur soll nicht weniger wie 15.000.- RM kosten. Da ich für diese Reparatur nur einen sehr geringen Betrag, nämlich zirka 3000.- RM fordern kann, weil mir der ungarische Luftfahrtattaché in Berlin bei den Lizenzverhandlungen mit Ungarn sehr wertvolle Hilfe leistet, interessiert mich natürlich die Höhe des von uns zu übernehmenden Betrages erheblich. Ich müßte mich aber auch für die Angelegenheit interessieren, wenn der Kunde alles bezahlen würde. Sie wissen wahrscheinlich von früher, daß diese 108-Reparaturen mein alter Kummer sind, weil sie den Kunden die Freude an der Haltung einer Reisemaschine verderben. Ich wäre Ihnen deshalb dankbar, wenn Sie diese Frage von sich aus einmal scharf unter die Lupe nehmen würden, damit wir uns bei nächster Gelegenheit über die zu regelnden Maßnahmen unterhalten können.

Abgesehen von der verdorbenen Freude kommt noch hinzu, daß die Kunden die Ansicht vertreten, die Messerschmitt-Maschinen seien zwar in ihrer Leistung und Flugeigenschaft sehr gut, aber so leicht konstruiert, daß man dauernd hohe Instandsetzungskosten bezahlen müßte, so daß man längstens innerhalb vier Jahren das Flugzeug zweimal bezahlt hätte.

Wenn Sie sich dieser Angelegenheit annehmen könnten, um festzustellen wo das Grundübel liegt, wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit besten Grüssen und

Heil Hitler!
Ihr Kokothaki



Weitere interessante Inhalte
Im Detail Messerschmitt Me 262

19.05.2017 - Die Messerschmitt Me 262 gehört zu den bahnbrechenden Entwürfen im Flugzeugbau: blitzschnell, schwer bewaffnet und in zahlreichen Versionen und Varianten wurde der Jagdbomber für die Luftwaffe … weiter

Bild der Woche KW 20/2017 Messerschmitt Bf 110

15.05.2017 - Am 12. Mai 1936 flog der Prototyp der Messerschmitt Bf 110 erstmals. Im Cockpit saß Testpilot Dr. Hermann Wurster. Für zwei Mann ausgelegt und mit zwei Motoren ausgerüstet wurde der Tiefdecker in die … weiter

Messerschmitt Bf 109 G-12 Doppelsitzer jetzt mit Merlin

11.05.2017 - Nach dem erfolgreichen Erstflug im vergangenen Jahr und der Überführung nach Usedom, erhielt die einzigartige Messerschmitt Bf 109 G-12 jetzt zusätzliche Modifikationen, durch die die … weiter

Hispano HA-112 MIL Wüsten-Buchon nach Deutschland verkauft

11.05.2017 - Die Population der fliegenden deutschen Klassiker wächst immer weiter. Neusten Meldungen nach wurde die Hispano Aviación HA-1112 G-AWHE, ein Lizenzbau der Bf 109, nach Deutschland verkauft. Der mit … weiter

Messerschmitts Projekt Me 408 Mit 700 km/h von Haus zu Haus

11.05.2017 - Es sollte kein Wunschtraum mehr bleiben, mit 700 km/h von Haus zu Haus zu fliegen. Professor Willy Messerschmitt projektierte Mitte der 60er Jahre den "Roto-Jet" Me 408, der wirtschaftlicher als alle … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 04/2017

Klassiker der Luftfahrt
04/2017
10.04.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Focke-Wulf Fw 190
Mitsubishi J8M
Cessna O-1 Bird Dog
RAF-Museum
Douglas A-26 Invader
Junkers K 30
Lend-Lease für die Sowjetunion
Albatros Flugzeugwerke
Modellträger