07.08.2016
Erschienen in: 11/ 2015 FLUG REVUE

RegionalflugzeugFokker F.27 Friendship

Vor über 60 Jahren startete die Fokker F.27 zu ihrem Erstflug. Nach kurzer Durststrecke entwickelte sich die als Nachfolger der DC-3 entworfene Friendship zu einem der erfolgreichsten Regionalflugzeuge aller Zeiten.

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Die Friendship ist nicht nur ein weiteres Flugzeug konventioneller Bauart. Sie ist der neueste Abkömmling einer langen Linie von erprobten Fokker-Airlinern, die dank ihrer Zuverlässigkeit und Sicherheit viel zur Entwicklung des kontinentalen und interkontinentalen Luftverkehrs in den Vorkriegsjahren beigetragen haben.“ So warb der niederländische Hersteller nicht gerade bescheiden in den 50er Jahren für sein Comeback-Flugzeug. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte Fokker nämlich im Bereich der Verkehrsflugzeuge wieder an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen. Die Niederländer waren weise genug, nicht in das Marktsegment größerer Muster vorzudringen, das schon von Firmen wie Convair, Douglas, Lockheed und Vickers beherrscht wurde. Stattdessen konzentrierten sie sich 1950 auf einen Nachfolger der schon damals legendären DC-3. Fokker ging sogar auf die großen Flugzeugbauer zu und erkundigte sich nach eigenen Projekten in diesem Bereich. Boeing und Canadair entschlossen sich zur Zusammenarbeit, bis sie sich Anfang der 50er Jahre auf andere Programme besannen. Dennoch machten sich die niederländischen Ingenieure an die Arbeit und entwarfen einen zweimotorigen Schulterdecker. Diese Auslegung versprach bessere Auftriebswerte und eine größere Bodenfreiheit. Als Antrieb wählten die Konstrukteure den wirtschaftlicheren Turboprop, da Jets nicht in Frage kamen. Hier setzte sich der in der Vickers Viscount bewährte Dart von Rolls-Royce gegen den Mamba von Armstrong-Siddeley durch. Die Kabine für bis zu 32 Passagiere sollte über eine Druckbelüftung verfügen.

Im September 1953 ermöglichte die  niederländische Regierung mit entsprechenden Mitteln den Bau von vier Prototypen der nun „Friendship“ genannten F.27. Bei der Montage des Flugzeugs verklebte Fokker erstmals Metallteile auch in den Hauptbaugruppen, was eine Gewichtsersparnis von rund 15 Prozent einbrachte.

Am 24. November 1955 startete der Prototyp mit der Kennung PH-NIV in Amsterdam-Schiphol zu seinem 34 Minuten dauernden Erstflug. An Bord waren Fokker-Cheftestpilot Hugo Burgerhout und Flugtestingenieur Cees Dik. Die Maschine verfügte über einen um  91 Zentimeter kürzeren Rumpf als die folgenden Exemplare und wurde am 8. Juni 1961 nach fast 850 Flugstunden außer Dienst gestellt. Die erste Bestellung kam interessanterweise nicht aus Europa, sondern aus Australien: Trans Australia Airlines kaufte am 9. März 1956 sechs F.27. Als Nächstes entschieden sich Braathens und Aer Lingus für den Turboprop.

Von der anderen Seite des Atlantiks beobachtete Fairchild den Fortschritt des Programms genau, da das Unternehmen auch in den USA einen großen Markt sah. Schließlich unterzeichneten Fokker und Fairchild am 26. April 1956 in New York eine Vereinbarung zur Lizenzproduktion des in Amerika als F-27 vermarkteten Turboprops.

Der zweite Prototyp stieß im Januar 1957 zur Flotte, und nach rund 800 Flugstunden erhielt die F.27 am 29. Oktober 1957 ihre Zulassung von der Civil Aeronautics Administration (CAA), dem Vorgänger der FAA. Bei Fairchild in Hagerstown startete die erste F-27 am 14. April 1958 zu ihrem Jungfernflug. Nach der Zulassung am 30. Juli konnte West Coast Airlines am 28. September 1958 den Liniendienst aufnehmen. Damit kamen die Amerikaner den Europäern zuvor, die ihre ersten Exemplare erst im November 1958 an Aer Lingus übergaben. Die Stimmung auf beiden Seiten des Atlantiks war jedoch nicht die beste, da die erwarteten weiteren Bestellungen ausblieben. Fokker musste sogar Kredite aufnehmen, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Erst eine Order der niederländischen Luftstreitkräfte über zwölf Transporter im Jahr 1959 schuf Abhilfe, bis schließlich der Rubel rollte. Fokker baute bis 1986 insgesamt 581 Exemplare der F.27. Hinzu kamen 205 bis ins Jahr 1968 in den USA gefertigte F-27 und FH-227.


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Patrick Hoeveler


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