15.09.2016
Erschienen in: 08/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

Agilität als TrumpfMorane-Saulnier MS.406 - Frankreichs meistgebauter Jäger

Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war die MS.406 das Rückgrat der französischen Jäger. Konzeptionell war sie das Pendant zu den modernsten Jägern anderer Länder. Leistungsmäßig war sie ihnen unterlegen. Dennoch flogen die Morane-Saulnier MS.406 bei verschiedenen Luftwaffen. In der Schweiz wurde der französische Jäger sogar in Lizenz gefertigt

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Tiefdecker, Einziehfahrwerk, geschlossene Kabine und starker V-12-Motor: Von ihrer grundsätzlichen Auslegung her stand die Morane-Saulnier in einer Reihe mit den ab Mitte der 30er Jahre in England, den USA und Deutschland entwickelten Jägern wie der Hawker Hurricane, der Curtiss P-40 und Messerschmitt Bf 109. Der französischen Regierung war klar, dass sie den Jägerentwicklungen im Ausland etwas entgegensetzen musste. Man benötigte dringend einen Nachfolger für die seit 1932 fliegende Dewoitine 500, die als Tiefdecker mit festem Fahrwerk und offenem Cockpit schnell veraltet war. Im Sommer 1934 stellte die französische Luftwaffe ihren Forderungskatalog für den neuen Jäger auf: Er sollte mit einem 800 bis 1000 PS starken Motor 450 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen, in Höhen bis 11500 m operieren können, und in maximal zehn Minuten 4000 m Höhe erklimmen.

Morane-Saulnier antwortete mit der MS.405, auf der die spätere Großserienversion MS.406 direkt fußte. Schon am 8. August 1935 kam der erste MS.405-Prototyp in die Luft. Angetrieben wurde er von einem Hispano-Suiza HS 12grs. Der V-12, der im Gegensatz zu den Daimler-Benz oder Rolls-Royce-Motoren stehend angeordnete Zylinder hatte, leistete 860 PS. In der Flugerprobung erwies sich der Prototyp als wendig mit guten Flugeigenschaften, doch sein relativ hohes Gewicht wirkte sich negativ auf das Steigvermögen und die Höchstgeschwindigkeit aus. Zwischen März und Juli 1936 prüfte die CEMA (Centre d´Essais du Matériel Aérien) in Villacoublay den neuen Jäger. Auch diese Tests verliefen zufriedenstellend. Nach dem Wechsel auf einen größeren Propeller mit besserem Wirkungsgrad, der zugleich den Umbau auf ein stärker untersetzendes Getriebe erforderte, erreichte das Flugzeug jetzt 483 km/h. Allerdings dürften die Ingenieure schon damals gewusst haben, dass sie Entwicklungen wie der Spitfire, die im März 1936 erschien und bald schon 560 km/h schnell flog, um Einiges hinterherhinkten.

Für eine Großserienproduktion war die Konstruktion noch lange nicht reif. Das Design musste erst noch in vielen Punkten geändert werden, um es für eine Serienfertigung reif zu machen. Das ist auch der Grund warum Morane-Saulnier erst am 20. Januar 1937, 17 Monate nach dem Erstflug des Prototypen, die zweite MS.405 im Stammwerk Puteaux, nordwestlich von Paris, fertiggestellt hatte und an den Start rollen konnte. Zuvor hatte die französische Regierung bereits 16 Vorserienflugzeuge geordert. Sukkzessive flossen in diese Vorserie weitere Verbesserungen ein. Schon das zweite Exemplar hatte eine vergrößerte Tankkapazität, die vierte MS.405 erhielt den verbesserten Hispano Suiza HS 12Y31. Ab der Baunummer Zwölf wurde eine vereinfachte und etwas leichtere Flügelstruktur eingeführt. Dieses Flugzeug wurde bald auf einen HS 12Y45 (910 PS) umgerüstet und erhielt einen festen anstelle des bis dahin verwendeten partiell einziehbaren Kühlers. Für die Großserien kehrte Morane-Saulnier jedoch zu dem verstellbaren Kühler zurück. Spätere MS.405 erhielten auch noch eine verbesserte Abdeckung des Hauptfahrwerks. Das letzte Exemplar der MS.405 kam im Juni 1938 in die Luft. In diesem Flugzeug hatte Morane-Saulnier die meisten im Laufe der Zeit entwickelten Verbesserungen zusammengefasst. Damit entsprach es dem Standard der MS.406 getauften Großserienversion. Jetzt konnte die Produktion des neuen Jägers anlaufen, von dem die Armée de l´Air zunächst knapp über 1000 bestellt hatte.

Die Société National de Construction Aéronautique (SNCA) de l´Quest in Nantes-Bouguennais wurde mit der Fertigung beauftragt. Die Fertigung lief zunächst schleppend an. Ein Grund waren sicher die wohl bei fast jedem Serienanlauf auftretenden Probleme. Andererseits war die Konstruktion der MS.406 für eine schnelle Serienfertigung immer noch nicht optimal. Rund 12500 Mannstunden flossen in den Bau jedes Exemplars. Zur Fertigung der Konkurrentin im eigenen Land, der Dewoitine 520, deren Prototyp Anfang Oktober 1938 erstmals flog, wurden kaum zwei Drittel dieser Zeit benötigt.

Der Rumpf bestand aus einem rechteckigen tragenden Metallfachwerk. Seinen ovalen Querschnitt erhielt er durch angesetzte Hilfsspanten und Längsstringer. Bis zur Hinterkante des Cockpits war der Rumpf mit leicht abnehmbaren Metallpanelen verkleidet die einen einfachen Zugang zum Innenleben für Wartungsarbeiten ermöglichten. Der hintere Rumpfteil war mit Stoff bespannt. Standard bei der Serienversion MS.406 C1 war ein selbst in der damaligen Zeit archaisch wirkender Hecksporn, anstelle des bei der Konkurrenz schon längst üblichen Spornrades.

Der Flügel baute über einen stählernen Hauptholm und zwei Hilfsholme auf. Eine Besonderheit war seine Beplankung mit sogenanntem Plymax. Dies war ein Verbund aus 1,6 mm starkem Abachi-Sperrholz, das mit 0,4 mm starkem Alublech verklebt war und mit besonders flachköpfigen Nieten auf die Flügelstruktur genietet wurde. Diese Flügelkonstruktion ergab zwar eine sehr feste Struktur, war aber relativ aufwendig zu fertigen. Übrigens verwendete Focke-Wulf in den späten Kriegsjahren für nicht tragende Teile der Fw 190 einen ähnlichen Sperrholz-Alu-Verbund, um knappes Leichtmetall zu sparen.

Im Mai 1938 wurden die ersten MS.406 C1 bei der 2. Escadrille der 7e Escadre de Chasse in Reims in Dienst gestellt. Schnell zeigte sich, dass die Flugzeuge mit dem Hispano-Suiza HS 12Y-31 (860 PS, 36 l Hubraum) untermotorisiert waren. Zudem war der Motor im Verhältnis zur gebotenen Leistung mit 816 kg sehr schwer. Der Vergleich mit anderen Motoren macht deutlich, wie sehr Hispano-Suiza hinter den Konkurrenten lag: Ein Rolls-Royce Merlin II wog nur 605 kg und holte 1030 PS aus 27 l Hubraum. Der Daimler-Benz DB 601 stemmte bei knapp 34 l Hubraum 1050 PS auf die Kurbelwelle und war mit 730 kg ebenfalls leichter als der Hispano-Suiza. Als weiterer Schwachpunkt auf der Antriebsseite erwies sich die Verstellmechanik des Chauviére-351M-Dreiblattpropellers. Sie neigte bei Kälte in größeren Höhen zur Vereisung.

Bewaffnet war die MS.406 mit einer 20-mm-Kanone, die durch die Propellernabe feuerte, und zwei 7,5 mm MAC MGs in den Flügeln. Bei den ersten Serienflugzeugen kam die Hispano-Suiza HS-S9-Kanone zum Einsatz, bald wurde jedoch auf die verbesserte HS 404 umgestellt. Sie konnte mit 350 Schuss pro Minute feuern. Ihr Munitionsvorrat in der MS.406 C1 belief sich jedoch nur auf 70 Granaten, die schnell verbraucht war. So war die Bewaffnung des französischen Jägers eher schwach.


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