10.04.2017
Erschienen in: 03/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

FlugzeugreportMitsubishi Ki-46 III: Elegant und schnell

Sie war das schnellste Aufklärungsflugzeug des Zweiten Weltkrieges, das auch als Aufklärer geplant und gebaut worden war. Bis zum Kriegsende konnte die Ki-46selbst bei totaler Lufthoheit des Feindes ihre Missionen meist erfolgreich beenden.

IN DIESEM ARTIKEL

Der zweite Japanisch-Chinesische Krieg begann im Jahr 1937 mit dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke. Aufgrund der geografischen Lage des Kaiserreichs und der weit gedehnten Fronten in China war es unerlässlich, dass die Luftaufklärung zuverlässig arbeitete. Um das zu erreichen, war bei der japanischen Armee der Be-darf an Langstreckenaufklärern seit jeher enorm groß. Pünktlich zum Ausbruch des Kriegs gegen die Chinesen stand mit der Mitsubishi Ki-15 zwar der passende Aufklärer zur Verfügung, dennoch wurde Mitsubishi im selben Jahr mit der Entwicklung eines Nachfolgers beauftragt.

Die Anforderungen an das neue Flugzeug waren ehrgeizig: Bei einer konstanten Geschwindigkeit von 400 km/h auf 4000 bis 6000 Metern musste der Aufklärer mindestens sechs Stunden in der Luft bleiben können. Die Top-Speed sollte bei 600 km/h in 4000 Metern Höhe liegen, was die Maschine, so die Hoffnung der Armee, immun gegen Abfangversuche machen würde. Als Abwehrbewaffnung war ein 7,7-mm- Maschinengewehr Typ89im Heckstand gedacht. Ein Entwicklerteam um Tomio Kubo, dem Chefdesigner für dieses Projekt, begann umgehend mit der Arbeit.

Es war klar, dass bei dem neuen Typ höchstes Augenmerk auf eine perfekte Aerodynamik gelegt werden musste. So entwickelte man eine äußerst schlanke Zweimot in Ganzmetallbauweise mit stoffbespannten Steuerflächen. Der Pilot und der Funker/Bordschütze saßen in Tandemanordnung durch den Treibstofftank getrennt in zwei separaten Kabinen.

Für den Antrieb griff man auf den ebenfalls von Mitsubishi gefertigten HA-26-I-Doppelsternmotor zurück. Dieser entwickelte eine Maximalleistung von 900 PS. Für die aerodynamische Verkleidung der Motoren hatte sich der Chefdesigner Hilfe bei der Universität von Tokio geholt. Die flugtechnische Abteilung dort designte für das Projekt enganliegende Motorverkleidungen, die den Luftwiderstand auf ein Minimum reduzierten. Aufgrund andauernder Windkanaltests kam das Projekt nur langsam voran. Ende November 1939 schließlichstartete der neue Aufklärer unter der Armeebezeichnung Ki-46 vom Flugfeld Kakamigahara, nördlich von Nagoya, zum Erstflug. Der Testpilot, Major Fujita, war mit den Flugeigenschaften sehr zufrieden. Die Ki-46 ließ sich gut steuern und machte keine Zicken. Die Ernüchterung folgte allerdings, als es an die Geschwindigkeitstests ging. Hier erreichte das Flugzeug „nur“ 540 km/h. Damit war die Ki-46 zwar langsamer als gefordert, aber immer noch deutlich schneller als der Standardjäger der Armee, die Nakajima Ki-43 Hayabusa. Auch das Gegenstück der Marine, die bekannte Zero, hatte der Geschwindigkeit der Ki-46 nichts entgegenzusetzen.

So wurde das neue Muster als Typ 100 Aufklärungsflugzeug Model 1 von der Armee akzeptiert und sollte vorerst in kleiner Stückzahl auch für weitere Tests gefertigt werden. Unterdessen setzte man bei Mitsubishi alles daran, die 600-km/h-Marke zu knacken. Dieses Vorhaben rückte dank der Motorenentwicklung bei Mitsubishi in greifbare Nähe. Man hatte dort den Ha-26-I mit einem zweistufigen Lader ausgestattet. Unter der Bezeichnung Ha-102 leistete dieser rund 1055 PS, was mehr als ausreichend war. Mit dem neuen Motor zur Hand beauftragte die Armee Mitsubishi, alle folgenden Maschinen als Ki-46-II mit dem neuen Antrieb auszustatten. Da aber die Motorenproduktion noch nicht richtig angelaufen war, konnte diese Vorgabe nicht direkt umgesetzt werden, und so wurden die Vorserienmodelle der Ki-46-I erst einmal zur intensiven Erprobung und zu Schulungszwecken an Armeeeinrichtungen abgegeben.


WEITER ZU SEITE 2: Mit neuen Mototren zur Höchstleistung

1 | 2 | 3 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Kristoffer Daus


Weitere interessante Inhalte
Raketenabfangjäger Mitsubishi J8M: Deutsches Design made in Japan

09.10.2017 - Sie sollte Japan gegen die Bomberströme der Alliierten schützen und wäre dazu auch bestens geeignet gewesen. Doch das Kriegsende sorgte dafür, dass die Shusui von Mitsubishi, Japans erster … weiter

A6M Zero kehrt zurück nach Japan

01.08.2017 - Im Juni startete nach über 70 Jahre das erste mal eine Zero von japanischem Boden, die erstmals auch von einem japanischen Piloten geflogen wurde. … weiter

Made in Japan Überschalltrainer Mitsubishi T-2

05.05.2017 - Mit ihrem ersten Überschallflugzeug wollten sich die Japaner wichtiges Know-how im Flugzeugbau aneignen. Mit Erfolg: Vor mehr als 40 Jahren startete die T-2 zu ihrem Erstflug. Allerdings stiegen die … weiter

Japanisches Jagdflugzeug Mitsubishi A5M - Der Weg in die Unabhängigkeit

07.03.2017 - 1932 wollte die japanische Marineluftwaffe den Sprung weg von Flugzeugen aus dem Ausland schaffen. Man stapelte tief. am Ende erfüllte die A5M alle an sie gestellten Forderungen und konnte diese … weiter

Texas Flying Legends Corsair trifft Zero

21.03.2016 - Während eines Tankstopps am Midland International Airport/Texas, kam es zu einer unsanften Begegnung zwischen der Nakajima A6M2 Zero und der FG-1D Corsair der Texas Flying Legends. Beide Piloten … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

Klassiker der Luftfahrt 08/2017

Klassiker der Luftfahrt
08/2017
09.10.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Iljuschin Il-2: Vom See in den Himmel
- Etappenflug mit der Caspar C 32 „Germania“
- Flugboot: Kawanishi H8K „Emily“
- Rundflüge: Aus dem Leben eines Barnstormers
- Gefechtsbericht: Begegnung mit der Do 335.44