10.04.2017
Erschienen in: 03/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

Flugzeugreport (Teil 2) Mit neuen Mototren zur Höchstleistung

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So beliebt die Maschine bei ihren Piloten war, so unbeliebt war sie beim Wartungspersonal. Das hatte vorher die Ki-15 gewartet, die technisch hinter der Ki-46 zurücklag. Ein großes Problem waren der Antrieb und das Fahrwerk, das schlicht zu schwach für die hohen Landegeschwindigkeiten war. Die meisten Mängel konnten aber bis März 1941 behoben werden, als die erste Ki-46-II fertiggestellt wurde. Sie erreichte auch dank des neuen Motors nun stattliche 604 km/h und lag damit etwas über den ursprünglichen Anforderungen.

Im Juli 1941 wurden die ersten Ki-46-II an die Chinafront geliefert, wo sie ihre Missionen, beinahe unerreichbar für die Gegner, ausführen konnten. Als der Krieg gegen die Alliierten begann, wurde der Aufklärer praktisch überall eingesetzt. Auch hier war er komplett immun gegen feindliche Abfangversuche.

Erst als die ersten Lockheed P-38 und Spit-fire V an die Front kamen, hatten die alliierten Piloten eine geringe Chance, die „Dinah“, wie der alliierte Codename für die Ki-46 lautete, erfolgreich zu bekämpfen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Armeeführung Mitsubishi allerdings schon beauftragt, das Muster weiter zu verbessern. Man forderte nun eine Höchstgeschwindigkeit von 650 km/h bei einer Flugdauer von einer Stunde. Um diesen hohen Forderungen Rechnung zu tragen, musste das Tankvolumen erheblich gesteigert werden. Als Antrieb wählte man den neuen, 1500 PS starken Sternmotor HA-112-II. Die aber wohl größte Modifikation erfuhren die Nase und das Cockpit. Hier wurde ein Design entworfen, welches nicht nur sehr elegant aussah, sondern auch die Geschwindigkeit weiter steigerte. Um dem zusätzlichen Gewicht durch Motor und Treibstoff entgegenzuwirken, wurde die Abwehrbewaffnung gänzlich entfernt und das Fahrwerk noch einmal verstärkt. Die so modifizierten Maschinen erhielten die Bezeichnung Ki-46-III und wurden ab Dezember 1942 getestet. Zwar war die Ki-46-III mit ihren 630 km/h etwas langsamer als gefordert, dennoch wurde sie genau da eingesetzt, wo die Alliierten bereits die Lufthoheit errungen hatten.

Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit auf Höhen zwischen 8000 und 10 000 Metern war es den Jägern praktisch nicht möglich, sie ohne Radarortung und das dann rechtzeitige Heranführen erfolgreich zu bekämpfen. Durch die hervorragende Arbeit der Ki-46 und ihrer Piloten war es den Japanern sogar möglich, mehrmals schwer verteidigte B-29-Flugplätze auf Saipan, der größten Insel der Nördlichen Marianen, zu bombardieren. Dazu flogen die „Dinahs“ Aufklärung und meldeten, wann die US-Bomber aufgetankt und voll beladen zum Abflug bereitstanden. Japanische Bomber vom Typ Ki-67 Hiryu flogen dann von Japan aus mit Zwischenstopp auf Iwo Jima nach Saipan und überraschten die Amerikaner, als sie im Morgengrauen im Tiefflug über den Platz donnerten und ihre Bomben auf die zum Start bereit stehenden B-29 warfen. Die Verluste bei den Amerikanern waren derart hoch, dass man in der Heimat nur geschönte oder gar keine Berichte dieser Angriffe veröffentlichte.

Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit wollte man die Ki-46 auch als Abfangjäger gegen die Boeing B-29 Superfortress einsetzen. Dieses ehrgeizige Vorhaben war allerdings erfolglos, da die Steigleistung der Dinah viel zu gering war. Auch die Deutsche Luftwaffe versuchte, an eine Ki-46 zu kommen, was aber durch das Kriegsende verhindert wurde.

Um die „Dinah“ weiter konkurrenzfähig zu halten, wurden nochmals Änderungen am Antrieb veranlasst. Von der neuen Ki-46-IV, die den Höhepunkt der Entwicklung dieses Musters darstellte, wurden aber nur noch vier Prototypen gebaut. Einer dieser Prototypen bewies im Februar 1945, dass die „Dinah“ immer noch zu den schnellsten Flugzeugen des Zweiten Weltkriegs gehörte, als sie mit Rückenwind eine Höchstgeschwindigkeit von 700 km/h erreichte. Nach dem Krieg wurden einige Ki-46 von den Alliierten umlackiert, probegeflogen und dann verschrottet.

Von den 1742 gebauten Maschinen konnte die Zeit bis heute nur eine Mitsubishi Ki-46-III überdauern. Sie kann im Royal Air Force Museum im englischen Cosford besichtigt werden.


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Kristoffer Daus


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