07.03.2017
Erschienen in: 02/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

Japanisches Jagdflugzeug (Teil 2) Mit der A5M den Chinesen überlegen

kl 02-2017 Mitsubishi A5M (01)

Diese A5M waren bereits zurück in Japan stationiert, als sie durch die modernere „Zero“ ersetzt wurden. Foto und Copyright: USAF  

 

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Es entstanden vier weitere Prototypen der Ka-14 auf Basis des zweiten Versuchsflugzeuges. Man testete die neuen Exemplare mit einer Vielzahl an Motoren, um den optimalen Antrieb für die Serienmaschine zu finden. Am Ende fiel die Wahl auf den 630 PS starken Sternmotor des Typs 2 KAI 1 von Kotobuki. Kurz darauf schickte die Marine die Ka-14 als trägergestützten Jäger Typ 96 oder kurz A5M1 in die Serienproduktion.

Auch die Armee hatte mittlerweile von der herausragenden Leistung der A5M gehört und wollte ebenfalls in das Projekt einsteigen. Zu diesem Zweck modifizierte man unter der Armeekennung Ki-18 („Ki“ steht für „Kitai“, dt.: Flugzeug) eine A5M, die auf sämtliches Equipment, das für den Betrieb auf Flugzeugträgern nötig war, verzichten konnte. Die Motorisierung mit Kotobuki 5 war mit der des ersten Prototyps identisch. Mit dieser Ausstattung fanden ausgiebige Tests mit der Ki-18 statt. Sie flog dabei rund 45 km/h schneller als der gerade in Dienst gestellte Standardjäger der Armee.

Bei diesem handelte es sich um den Ki-10 I, einem Doppeldecker von Kawasaki, der „lediglich“ eine Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h erreichte. Die Jagdpiloten der Armee waren zu dieser Zeit felsenfest davon überzeugt, dass Wendigkeit und nicht Geschwindigkeit das Maß aller Dinge war. Die Ki-10 konnte deswegen mit ihrem Doppeldeckerdesign punkten.

Dieser Umstand führte schließlich dazu, dass die Armee am Ende ein komplett neues Flugzeug forderte. Dieses sollte freilich so schnell wie die Ki-18 und so wendig wie die Ki-10 sein. Die Jagdpiloten der Marine waren hingegen sehr zufrieden mit ihrer A5M1, und im Frühjahr 1937 wurden die ersten Staffeln mit dem Jäger ausgestattet. Als im Juli 1937 der zweite Japanisch-Chinesische Krieg ausbrach, befand sich mit der A5M2a bereits eine verbesserte Version mit stärkerem Motor in der Fertigung. Die chinesischen Luftstreitkräfte fügten den Japanern gerade zu Beginn des Konfliktes noch große Verluste in der Luft zu, da erst sehr wenige A5M produziert worden waren. So lag es an den veralteten Jägern vom Typ A2N und A4N, die Hauptlast der Luftkämpfe zu bestreiten. Die chinesischen Piloten flogen die deutlich leistungsfähigere Polikarpow I-16 und konnten deshalb die Luftkämpfe oft für sich entscheiden.

Als jedoch das 12. und 13. Kokutai an die Front kamen, erkämpften sich die Japaner innerhalb kürzester Zeit die komplette Lufthoheit. Die Chinesen erlitten so starke Verluste, dass sie sich aus der Reichweite der japanischen Jäger zurückzogen. Als die Japaner das merkten, modifizierten sie die A5M2a mit einem Zusatztank. Die so ausgestatteten Jäger erhielten die Marinekennung A5M4 und waren die am häufigsten produzierte Variante der A5M. Dank der gesteigerten Reichweite waren die Japaner nun imstande, wieder vermehrt siegreich aus den Luftkämpfen mit den Chinesen hervorzugehen. Dazu kamen eine bessere Moral und Ausbildung, weshalb die Japaner meist die Oberhand behielten. Die Chinesen zogen sich erneut zurück, um keine vollständige Niederlage zu erleiden.

Auch die späteren Alliierten hatten natürlich von der A5M erfahren und gaben ihr den Codenamen „Claude“. Unterdessen war unter  strikter Geheimhaltung die Entwicklung der A6M „Zero“ vorangegangen, die ihren Erstflug am 1. April 1939 absolvierte. Fälschlicherweise waren die Alliierten bei Kriegsbeginn davon ausgegangen, dass es sich beim Hauptmuster der japanischen Marinejäger noch immer um die A5M handelte. Der Angriff auf Pearl Harbor bewies indes das Gegenteil: Die A5M war zu diesem Zeitpunkt fast vollständig von der Front verschwunden. 103 Maschinen flogen ab 1940 als doppelsitzige Trainer mit der Marinekennung A5M4-K weiter.

Erst gegen Ende des Krieges kam die „Claude“ noch einmal zum Einsatz, als sich junge Piloten bei unzähligen Kamikazeeinsätzen mit diesem Jäger opferten. Leider konnte keine der knapp 1100 produzierten A5M die Zeit bis heute überdauern. Nur eine hat es geschafft und kann in zerlegtem Zustand unter Wasser besichtigt werden: Sie liegt zusammen mit einigen zerlegten Exemplaren ihres Nachfolgers, der A6M Zero, im Wrack der „Fujikawa Maru“, die im Chuuk-Atoll am 17. Februar 1944 versenkt wurde.


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Kristoffer Daus


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