01.03.2017
Erschienen in: 02/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

Russisches JagdflugzeugMiG-15 — Mikojans großer Wurf

Viele westliche Beobachter hielten die russischen Jagdflugzeuge in den 1950er Jahren für nicht mehr als eine schlechte Kopie ihrer eigenen Jäger. Mit dem Erscheinen der MiG-15 wurden die Westlichen Luftwaffen im Koreakrieg eines Besseren belehrt.

kl 02-2017 MiG-15 (01)

Die hier gut sichtbaren Grenzschichtzäune dienten zur Stabilisierung im Flug. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

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Das Kürzel MiG (Mikojan-Gurewitsch) steht auch heute noch für erstklassige Jagdflugzeuge. Nach dem ersten gemeinsam entwickelten Jagdflugzeug, der MiG-3, bauten die beiden russischen Konstrukteure Artjom I. Mikojan und Michail I. Gurewitsch nach dem Krieg weiterhin Jagdflugzeuge für die Rote Armee. 1946 flog mit der MiG-9 erstmals ein strahlgetriebenes Flugzeug aus der Moskauer Fabrik, noch mit Kopien deutscher Triebwerke. Den Auftrag dafür hatten sie lange vorher direkt von Stalin bekommen, denn den russischen Truppen waren in Deutschland viele Forschungsergebnisse in die Hände gefallen. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den nach hinten gepfeilten Flügeln. Für die späteren Entwurfsarbeiten wurden viele deutsche in Gefangenschaft genommene Wissenschaftler eingespannt. Einige Firmen, wie das Team von V. P. Taybin, beschäftigten sich mit nach vorne gepfeilten Flügeln, doch bei MiG arbeitete man weiter am Konzept, welches schon bei der Me 262 erfolgreich war. Die nach hinten ausgerichteten Flächen kamen dann bei der MiG-15 zum Einsatz.

Auch bei der Erforschung der neuen Strahltriebwerke bediente man sich des Know-hows der Deutschen. So wurden eigene Antriebe entwickelt, bei denen man sich das Jumo 004 und das BMW 003 als Vorbild nahm, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Im Werk Nr. 117 in Leningrad wurde unter der Leitung von Wladimir J. Klimow an einem Nachbau des britischen Rolls-Royce-Nene-Triebwerks geforscht. Die Arbeiten gingen jedoch nur sehr langsam voran, da als Vorlage lediglich Fotografien aus Luftfahrtmagazinen vorlagen. Zur großen Überraschung der russischen Regierung fanden sich in einer Lieferung im Rahmen eines Handelsabkommens zwischen Großbritannien und Russland plötzlich 25 neue  Nene-Triebwerke. Klimow erhielt davon umgehend ein Exemplar, um dies nachzubauen. Den Technikern bei MiG wurde ebenfalls einer der ansonsten noch streng geheimen Antriebe zur Verfügung gestellt.

Die MiG-15, intern noch als Projekt „S“ geführt, flog erstmals am 30. Dezember 1947. Am Steuer saß Wiktor Nikolajewitsch Juganow. Vorher soll bereits ein weiterer Prototyp geflogen sein, der jedoch schon während der ersten Testreihen abgestürzt sei. Ob es sich dabei bereits um eine Version der späteren MiG gehandelt hat, kann man heute nicht mehr nachvollziehen. Der Antrieb und auch die Bauweise sollen sich aber deutlich unterschieden haben.

Juganow war nach den ersten Flügen sehr beeindruckt von dem neuen Muster und stellte nur beste Noten aus. Das Flugverhalten soll hervorragend gewesen sein. Lediglich bei Geschwindigkeiten von über Mach 0.86 wurde eine Instabilität um die Hochachse (Gieren) festgestellt. Dadurch wurden zwar die Flugeigenschaften nicht besonders beeinflusst, doch das Zielen mit der Bordkanone gestaltete sich schwierig. Dieses Problem war für die Techniker die größte Herausforderung, konnte jedoch letztlich gelöst werden.


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Philipp Prinzing


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