19.05.2017
Erschienen in: 02/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Im DetailMesserschmitt Me 262

Die Messerschmitt Me 262 gehört zu den bahnbrechenden Entwürfen im Flugzeugbau: blitzschnell, schwer bewaffnet und in zahlreichen Versionen und Varianten wurde der Jagdbomber für die Luftwaffe unentbehrlich.

kl 02-2014 Messerschmitt Me 262 (02)

Mit dieser Me 262 A-1a landete der deutsche Pilot Hans Fay am 30. März 1945 auf dem schon amerikanisch besetzten Flughafen Rhein-Main. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

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Die schnelle Messerschmitt Me 262 gehört zu den bahnbrechenden Entwürfen im Flugzeugbau. Das erste in Großserie gebaute Strahlflugzeug der Welt nutzte bereits eine wegweisende Konfiguration, die bis heute auch von modernen Jets, wie der Boeing 787 und dem Airbus A350, genutzt wird: Die beiden Triebwerke wurden in Gondeln unter den Flügeln aufgehängt, das Leitwerk konventionell ausgeführt.

Die unter anderem mit vier 30-mm-Bordkanonen im Bug schwer bewaffnete Me 262 entstand als Jäger. Die ersten Entwürfe für einen einsitzigen Hochgeschwindigkeits- und Abfangjäger begannen im Oktober 1938 unter Robert Lusser, noch bevor das Technische Amt im Januar 1939 seine entsprechenden „vorläufigen technischen Richtlinien LC 7/III“ dazu herausgegeben hatte. Der neue Strahljäger sollte 900 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen können, eine Stunde schnellen Reiseflug oder eine halbe Stunde Abfangeinsatz schaffen und in höchstens 3000 Baustunden produziert werden können. Schon im Sommer 1939 erschien mit dem Projektentwurf P 65 eine, bis auf die damals noch nicht gepfeilten Tragfl ächen, der späteren Me 262 stark ähnelnde Konstruktion mit deren typischem dreieckigen Rumpfquerschnitt.

Noch bevor die BMW-P3302-Triebwerke betriebsbereit zur Verfügung standen,  startete die erste Me 262 V 1 am 18. April 1941 mit Fritz Wendel am Steuer zum Erstflug. Als Antrieb diente dabei ein im Bug eingebauter Jumo-210-G-Kolbenmotor mit Propeller, der die Flugerprobung immerhin bis zu einer Geschwindigkeit von 450 km/h im Horizontalflug und bis zu 800 km/h im Bahnneigungsflug ermöglichte.

Der erste Start mit dem BMW-P3302-Strahlantrieb erfolgte, wie in der letzten Ausgabe von Klassiker der Luftfahrt ausführlich dargelegt, am 25. März 1942. Jedoch sollte das konkurrierende Strahltriebwerk Jumo 004 der Standardantrieb der Me 262 werden. Ab der Me 262 V 3 wurde ein gepfeilter Flügel mit einer vorgezogenen Flügelnase eingebaut. Die ersten Me 262 verfügten aber noch nicht über das Dreibein-Einziehfahrwerk. Stattdessen kam ein Spornradfahrwerk zum Einsatz, bei dem das Heck während des Startlaufs zum Abheben mit einem kurzen, scharfen Tritt ins Bremspedal in die Luft genommen werden musste. Erst die Me 262 V 5 erhielt das Serienfahrwerk und konnte normal abheben.

Seit dem Frühjahr 1943 flogen hochrangige Luftwaffenpiloten auf dem revolutionären Strahljäger, dessen Geschwindigkeit von 850 km/h ihn allen Kolbenjäger-Konkurrenzmustern seiner Zeit gegenüber überlegen machte. Doch trotz begeisterter Urteile, etwa von Adolf Galland („Es ist, als wenn ein Engel schiebt“), lag lange Zeit keine Erlaubnis für den Serienbau vor. Stattdessen gab es, während sich der Kriegsverlauf immer weiter gegen Deutschland wandte, ein jahrelanges Tauziehen um die passende Einsatzrolle der Me 262. Hitler persönlich sah in der Me 262 vor allem einen Schnellbomber zur Bekämpfung der bereits erwarteten alliierten Invasionstruppen und keinen Jäger. Er ordnete den Umbau zum Schnellbomber an. Im Mai 1944 startete die Me 262 V 10 erstmals mit einer 250-kg-Bombe unter einem neu entwickelten Rumpfträger.

kl 02-2014 Messerschmitt Me 262 (01)

Dieses Foto zeigt den markanten, dreieckigen Rumpfquerschnitt der Me 262. Er bot viel Raum für die Bordwaffen im Bug. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Zu dieser Zeit standen auch 15 frühe Serienflugzeuge, die zur Bomber-Umrüstung ungeeignet waren, beim Kommando Nowotny in Lechfeld im Einsatz. Bei Testeinsätzen als Abfangjäger gelangen ab August 1944 erste Abschüsse feindlicher Jäger und Bomber. Dank einer hochlaufenden Triebwerksproduktion und verbesserter Triebwerkslaufzeiten konnten rund 100 vorproduzierte Rümpfe endlich ihre Antriebe erhalten und an die Luftwaffe übergeben werden.

Die Me 262 besaß wegen ihres Geschwindigkeitsüberschusses gegenüber feindlichen Jägern einen enormen Vorteil. Allerdings war sie in der Start- und Landephase und im Langsamflug schwerfällig und verwundbar. Alliierte Jäger versuchten deshalb gezielt, diese Momente über den Heimatbasen der Me 262 abzupassen. Am 7. Oktober 1944 wurden zum Beispiel zwei startende Me 262 des Kommando Nowotny von amerikanischen Mustangs im Sturzflug angegriffen und abgeschossen. Dennoch wurde die Me 262 in kurzer Zeit ein gefürchteter Gegner: Im ersten Einsatzmonat meldete allein das Kommando Nowotny den Abschuss von vier feindlichen schweren Bombern, zwölf Jägern und drei Aufklärern.


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Sebastian Steinke


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