19.05.2017
Erschienen in: 02/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Im Detail (Teil 2) Exotische Vielfalt der Versionen

kl 02-2014 Messerschmitt Me 262 (03)

Dieses Foto zeigt die Flugerprobung der Me 262 A-1. Beim Landeanflug war der Jäger am verwundbarsten. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

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Von der Me 262 entstanden zahlreiche Versionen und Varianten. Die A-1a war die Jägerversion. Die A-1a/U-1 erhielt eine veränderte Bewaffnung. Statt vier MK 103 wurden eine MK 103, zwei MK 108 und ein MG 151 eingebaut. Die Erdkampfvariante A-1a/U-4 trug sogar eine gewaltige 50-mm-Bordkanone BK5 von Rheinmetall-Borsig im Bug. Als Schlechtwetterjäger war die A-1a/U-2 konzipiert. Sie erhielt eine Kreiselanlage und eine aufwändigere Funk- und Navigationsausstattung. Ein Behelfsaufklärer war die A-1a/U-3. Statt der Waffen waren hier zwei nicht beheizte Kameras im Bug installiert. Der Blitzbomber A-2a hatte keine Panzerung hinter dem Pilotensitz und dafür eine Kurssteuerungsanlage. Er besaß Aufhängevorrichtungen für eine 500-kg-Bombe und den späteren „Deichselschlepp“ einer 1000-kg- Bombe oder für Zusatztanks. Die A-2a/U-1 war ebenfalls ein Blitzbomber, sie verfügte über das TSA-Bombenzielgerät. Eng damit verwandt war der sogenannte Schnellstbomber A-2a/U-2, der als Doppelsitzer einen zweiten Mann als Bombenschützen mitnehmen konnte. Die Bugspitze bestand hier aus Holz. Die nur projektierte Version A-3a war dagegen als Panzerflugzeug ausgelegt. Sie sollte im Rumpfmittelteil eine gepanzerte Außenhaut erhalten, wurde aber nicht gebaut. Der Aufklärer A-5a war eng mit dem Schlechtwetterjäger A-1/U-2 verwandt, er erhielt zwei Kameras im Bug.

Schließlich entstanden aus umgebauten A-1 und A-1/U-2 auch noch Schulflugzeuge, die B-1a, ohne Druckkabine. Ein Doppelsitzer war auch der Behelfsnachtjäger B-1a/U-1, der jedoch über keine Doppelsteuerung verfügte. Die vollwertige Nachtjägerversion nannte sich B-2a. Sie erhielt einen verlängerten Rumpf ohne Druckkabine. Als letzte Versionen sind noch die einsitzigen C-1a „Heimatschützer I“ und C-2b „Heimatschützer II“ zu nennen. Der Heimatschützer I sollte einen Walter-Raketenmotor als Zusatzantrieb im Heck benutzen. Für dessen Treibstoff erhielt er Zusatztanks. Der Heimatschützer II hätte dagegen Raketenantriebe oberhalb der Triebwerke erhalten sollen. Zahlreiche weitere, nicht mehr realisierte Projektentwürfe und Konzepte füllen ganze Bücher.

kl 02-2014 Messerschmitt Me 262 (04)

Das elegante und funktionale Layout der zweistrahligen Me 262 wird bis heute von vielen Verkehrsflugzeugen genutzt. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Bis Kriegsende wurden etwa 1400 Messerschmitt Me 262 produziert und 1200 ausgeliefert, von denen aber nie mehr als 200 gleichzeitig bei Frontverbänden einsatzbereit gewesen sein dürften. Die meisten Me 262 wurden am 7. April 1945 eingesetzt. Damals kam es zu 59 Einsätzen. Die Me 262 litt sowohl unter der immer schlechteren Produktionsinfrastruktur – häufig wurden die Flugzeuge in improvisierten „Hallen“ auf notdürftig getarnten Waldwegen produziert – als auch unter der Rohstoffknappheit und dem zunehmenden Treibstoffmangel.

Doch auch nach Kriegsende endete die Produktion nicht. In der Tschechoslowakei wurden ab 1946 bei Avia noch neun Me 262 A-1a als Avia S-92 (Einsitzer) und drei Avia CS-92 (Doppelsitzer) hergestellt, die bis 1951 im Einsatz blieben. Und die Geschichte der Me 262 setzte sich weiter fort: Seit 1993 verfolgte die Texas Airplane Factory von Herbert Tischler das Projekt, anhand einer zu restaurierenden Original-Beute-Me-262 der US Navy („Weiße 35“) neue Konstruktionspläne zu erstellen. Unter dem Namen „Stormbirds“ zog die Gruppe nach Everett bei Seattle um und schaffte es dort, mit jahrelangem Einsatz und organisatorischer Hilfe von Boeing, schließlich eine Kleinserie neuer Me 262 als sogenannte A-1c (Einsitzer) und B-1c (Doppelsitzer), beziehungsweise als umrüstbare Version, zu bauen. Ursprünglich sollten fünf Flugzeuge entstehen, es fanden sich aber nur Abnehmer für zwei. Diese Me 262 erhielten als Antrieb moderne CJ610 von General Electric. Der Erstflug erfolgte im Dezember 2002. Eine der beiden Nachbau-Me-262 gehört heute zur Messerschmitt-Flugzeugsammlung in Manching. Sie wurde 2006 auf der ILA in Berlin vorgeführt. Auch die andere neue Me 262 wird heute bei der Collings Foundation in den USA flugfähig erhalten.


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Sebastian Steinke


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