29.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

Neue Technologie für den Standard-Jäger (Teil 2) Rüstungsaufträge retten die BFW

Klemm Kl 31

Klemm Kl 31. Foto und Copyright: DEHLA  

 

Nun gewährte die staatliche „Bank der deutschen Luftfahrt“ Millionenkredite an die BFW, um  die Augsburger Produktionsstätten auf die bevorstehenden Lizenzaufträge zum Bau von 36 Heinkel He 45 und 30 Dornier Do 11 vorzubereiten. Allzu offensichtlich triumphierte Milch über Messerschmitt, denn eine Lizenzfertigung benötigte keinen Entwicklungsingenieur, geschweige denn ein Entwicklungsbüro. Alternativen waren gar nicht möglich, da der Staat als Flugzeugbau-Monopolist einziger Auftraggeber und Kunde in einem war, getreu den Worten Herman Görings „Alles was fliegt, gehört mir“.

In dieser Situation sorgte im Juni 1933 die Ausschreibung für einen Reiseviersitzer für ein wenig Hoffnung. Dahinter stand die nach langem Zögern gegebene Zusage des RLM, am Europarundflug im Jahr 1934 teilzunehmen. Zu diesem Zweck musste ein neues wettbewerbsfähiges Flugzeug entwickelt werden.

Zu diesem Zeitpunkt war noch niemandem klar, dass sich aus diesem Auftrag einmal die Bf 108 und damit ein Technologieträger für den späteren Jäger Bf 109 entwickeln sollte.

Das Technische Amt LC II im RLM vergab im September 1933 an die Firmen Klemm, Fieseler und die BFW den Auf-trag, je sechs Versuchsmuster zu fertigen. Für die BFW hielt man allerdings noch eine gewaltige Überraschung bereit.  Zum Leiter des Projektes ernannte das RLM nicht etwa Willy Messerschmitt, sondern jenen kreativen Kopf, der jahrelang die Entwicklungslinie der Klemm-Flugzeuge geprägt hatte: Robert Lusser. Dieser hatte kurz zuvor seine Tätigkeit bei Heinkel im Streit beendet und wurde Willy Messerschmitt praktisch vor die Nase gesetzt. Lusser griff bei der Konzeption des neuen Flugzeuges auf seine beiden Tiefdecker-Entwürfe Klemm 31 beziehungsweise 32 zurück, letztere wurde bereits für den Europarundflug 1932 entwickelt. Die eigentliche Konstruktionsarbeit übernahm Richard Bauer, während Hubert Bauer für die Fertigung der sechs Versuchsmuster verantwortlich war.

Mitten in dieses hektische Treiben platzte ein persönlicher Brief, den Hermann Göring am 20. Oktober 1933 hinter dem Rücken Milchs an Theo Croneiß schrieb, dem BFW-Aufsichtsratsvorsitzenden und väterlichen Freund Messerschmitts. Göring wies darin auf die notwendige Entwicklung eines „blitzschnellen Kurierflugzeuges!!!, das nur ein Einsitzer zu sein braucht“ hin. Croneiß wusste das hochinoffizielle Dokument richtig zu deuten: Es ging um eine neue Jägergeneration im Rahmen der Rüstungsplanung des RLM. Ein äußerst lukratives Geschäft, da es um einige Tausend Stück gehen konnte.

Dem BFW-Vorstand war sofort bewusst, dass man sich durch eine Einbindung in das Jägerprogramm des engen Korsetts der Lizenzfertigung entledigen konnte. Allerdings war man gezwungen, sämtliche Vorarbeiten auf eigenes Risiko zu finanzieren.


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