29.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

Neue Technologie für den Standard-Jäger (Teil 3) Innovationen für den Jäger in der Bf 108 erprobt

Messerschmitt Bf 108 - Entwurf

Nahe Verwandte: Lussers Entwurf der Bf 108 entstand unter enormem Zeitdruck. Als Leiter des BFW-Projektbüros griff er auf die bewährte Grundkonfiguration seines bei Klemm entstandenen Musters Klemm 31 zurück. Foto und Copyright: DEHLA  

 

IN DIESEM ARTIKEL

Lusser und sein kleines Team entwickelten eine geniale wie einfache Lösung des Problems: Zahlreiche Ideen für einen modernen Jäger ließen sie in die vom RLM finanzierten Versuchsmuster, die sich nun Bf 108 nannten, einfließen. Aus einem einfachen Wettbewerbsflugzeug wurde nun ein Technologieträger, mit dem konstruktive Lösungen für den künftigen Hochleistungsjäger erprobt wurden.

Obwohl Willy Messerschmitt weder für die Entwürfe der Bf 108 noch der späteren Bf 109 verantwortlich zeichnete, nahm er dennoch aktiv am Schaffensprozess teil. Seine Stärke war die Lösung von Detailfragen im extremen Leichtbau. Wichtigstes Merkmal der neuen Entwicklungen war die eigens patentierte Ganzmetall-Halbschalenbauweise, die im krassen Gegensatz zur herkömmlichen Mischbauweise von Stahlrohr und Leinwand stand wie bei dem Jäger He 51 oder der Ar 68.

Unter Einhaltung des Normen- und Pflichtenheftes der „Fertigungs-GmbH“, die seit Jahren als Dienststelle der Reichswehr und nun als LC II6 die Fertigungsrichtlinien für jeglichen Serienbau vorschrieb, bemühten sich die BFW, ein möglichst rationelles Produkt für die Taktstraßen vorzubereiten.  Vorsprung durch Technik, ganz im Sinne des RLM, das seine „Schäfchen“ zu erziehen suchte: „Wir verlangen vom Konstrukteur, dass er fertigungstechnisch denkt...“

Die Augsburger Aktivitäten blieben den vor Ort eingesetzten RLM-Vertretern der Bauaufsicht nicht verborgen, was zu einem Gespräch Messerschmitts mit dem Berliner Ministerium führte. Die im Dezember herausgegebene Ausschreibung für einen Jagdeinsitzer mit einer Mindestgeschwindigkeit von 400 km/h in 6000 Metern Höhe lag bereits auf den Schreibtischen der Heinkel- und Aradowerke, als die BFW im Februar 1934 den sehnlichst erhofften Entwicklungsauftrag für den leichten VJ (Verfolgungsjäger) erhielt. Mit diesem „gedeckten Scheck“ konnte Hubert Bauer unverzüglich mit dem Bau einer ersten Attrappe der Bf 109 beginnen. Daneben lief die Fertigstellung der Bf 108 auf Hochtouren, deren erstes Muster, D-IBUM, ging im April 1934 in die Endmontage.

Schlag auf Schlag ging es in Tages- und Nachtschichten weiter. Am 11. Mai konnte die Attrappe der 109 erstmals besichtigt werden. Am 13. Juni folgte der Erstflug der 108  mit  Carl Francke von der Erprobungsstelle Rechlin am Steuer. Mitten in die Besprechungen zu Detail- und Ausrüstungsfragen der Bf 109 platzte die Nachricht vom Ab-sturz des Bf-108-Prototyps. Bei einem Versuchsflug in Augsburg war der  technische Referent im RLM und Erprobungsleiter der Wettbewerbsmuster, Wolf von Dungern, am 27. Juli 1934 tödlich verunglückt. Milch schäumte vor Wut, und es ist einem Wunder gleichzusetzen, dass die Bf 108 einen Monat vor Wettbewerbsbeginn nicht gesperrt wurde, wie bereits zwei Jahre zuvor mit der Messerschmitt M 29 geschehen. Denn mit dem Fall der 108 konnte auch die Entwicklung der 109 in Frage gestellt werden, da sie auf denselben Konstruktionsprinzipien basierte.


WEITER ZU SEITE 4: Erstflug Bf 109 am 28. Mai 1935

    1 | 2 | 3 | 4 |     


Weitere interessante Inhalte
Balkan- und Kretaeinsatz beim Jagdgeschwader 77 Messerschmitt Bf 109 im Fronteinsatz

18.08.2017 - Im Balkan-Feldzug und beim Kampf um Kreta spielte das JG 77 mit seinen Bf 109 eine wichtige Rolle. Für die Menschen und das Material waren die Kämpfe eine große Herausforderung. Mit diesem Bericht … weiter

Innovation oder Sackgasse Testreihen mit der Messerschmitt Bf 109

03.07.2017 - Immer wieder wurden mit Messerschmitt Bf 109 als Erprobungsträgern mögliche Innovationen für den Jäger oder auch andere Flugzeuge untersucht. In unserem Archiv stießen wir auf drei besonders … weiter

Aircraft Restoration Company Buchón wird zur JG 27 Bf 109

23.06.2017 - Die Hispano HA-1112-M1L Buchón G-AWHK der Aircraft Restoration Company repräsentiert jetzt die Messerschmitt Bf 109 E-7 des JG 27. Das Original wurde 1941 in Libyen von Werner Schroer geflogen. Die … weiter

Zweiter Weltkrieg Supermarine Spitfire gegen Messerschmitt Bf 109

20.06.2017 - Im Ringen um die Luftherrschaft spielten im Zweiten Weltkrieg Jagdflugzeuge die entscheidende Rolle. Die Industrie auf deutscher und alliierter Seite befand sich im ständigen Wettbewerb um kleine und … weiter

Hispano HA-112 MIL Wüsten-Buchon nach Deutschland verkauft

11.05.2017 - Die Population der fliegenden deutschen Klassiker wächst immer weiter. Neusten Meldungen nach wurde die Hispano Aviación HA-1112 G-AWHE, ein Lizenzbau der Bf 109, nach Deutschland verkauft. Der mit … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 07/2017

Klassiker der Luftfahrt
07/2017
28.08.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Serie Motor: Junkers Jumo 213
Erste Flugbilder der perfekten Thunderbolt
Messerschmitt Me 309
Condor-Irrflug: Absturz über Irland
Gefechtsbericht: Angriff der Mistel