28.11.2016
Klassiker der Luftfahrt

Messerschmitt Bf 108Wirbelwind am Flugplatz Bonn-Hangelar

Na, sieh mal einer an! Ohne großen Rummel schoben helfende Hände am 24. November 2016 ein kleines schmuckes Vögelchen aus der Montagehalle des LTB Dirk Bende in Bonn-Hangelar. Aufgrund der Wetterlage sollte kurzfristig ein Werkstattflug mit der vor kurzem fertiggestellten Messerschmitt Bf 108 B-1 D-EOIO durchgeführt werden.

Der Erstflug allerdings, fand schon vor einigen Wochen am 18. Oktober statt, aber das wurde auf besonderen Wunsch unter dem Radar gehalten. 

Jetzt erst mal rüber zur Tanke  - wunderbar glänzt der Grau-blaue Lack in der Nachmittagssonne Hangelars. Josef Ecker, der zukünftig das Flugzeug auf seinem österreichischen Stützpunkt betreuen wird, klettert zusammen mit Clemens Rüb auf den vorderen Sitz und macht sich startbereit.

Kurz vor 15.00 Uhr schmeißt Clemens, der zusammen mit Vera und Oli zum Team Bende gehört, den grundüberholten 240 PS Argus AS 10 C an um kurz darauf zum Startpunkt zu Rollen. Einen Wimpernschlag später ist der Sporn schon in der Luft. Klick, klick, klick – die Kamera kommt kaum hinterher, da ist die D-EOIO schon vorbeigerauscht und macht sich in Richtung Süden vom Platz. Dirk und Vera starten mit ihrem Storch hinterher, es sollte ein kleiner Fotoflug werden. Daraus wurde aber nichts, da Josef und Clemens den Ausflug zur Sicherheit vorzeitig beendeten. Der neuangefertigte Propeller muss nochmals runter und vom Hersteller neu eingestellt zu werden. Die 108 wird wohl noch ein Weilchen in Hangelar verbleiben, bis alles zu 100 Prozent in Ordnung ist und das Prachtstück nach Wels überführt werden kann.

Aber was ist denn das überhaupt für eine Taifun? Wo kommt sie her?

Die Bf 108 B-1 mit der Werknummer 2086, gehörte zu einer Bestellung von 15 Maschinen für die Eidgenössische Fliegertruppe in der Schweiz, die zwischen November 1938 und August 1939 ausgeliefert wurden. Zum Exportpreis von 31500 Reichsmark wechselten, mit Genehmigung des Reichsluftfahrtministeriums, die Flugzeuge ihre Nationalität. Diese Taifun erhielt daraufhin die Kennzeichnung A-212 und wurde neben ihrer Aufgabe als Schulflugzeug auch im Kurierdienst eingesetzt. Mit Einstellung der Kampfhandlungen in Europa, konnten Flugzeuge mit Schweizer Zivilregistrierung wieder gefahrlos die Landesgrenzen überfliegen. Vor diesem Hintergrund wurde im Juli 1946 aus der militärischen A-212, die zivile HB-HOL. Etwa zur gleichen Zeit wurden die bisher mit einer starren Schwarz-Leichtholz-Mantelschraube fliegenden Bf 108 modernisiert und auf eine Argus-Verstellluftschraube mit größerem Durchmesser umgerüstet. Nach 20 Jahren Dienst für die Fliegertruppe, traten unweigerlich Ermüdungserscheinungen an Tragflächen und Motor in Erscheinung. Ende September 1959 wurde die Bf 108 aus dem Verkehrsbetrieb gezogen und endgültig stillgelegt. Die Jahrzehnte vergingen bis 2009 Dirk Bende den erbarmungswürdigen Rumpf entdeckte und übernahm. Wo immer sich die Gelegenheit geboten hatte Ersatzteile zu beschaffen schlug Dirk zu. Mit der Zunahme von Motorüberholungen und kompletten Restaurationen in seinem Betrieb, musste das private Feierabendprojekt Bf 108 immer wieder beiseite geschoben werden. Es vergingen die Jahre, bis 2015 Wolfgang Panhuber das Projekt übernahm und den LTB Dirk Bende damit beauftragte das Flugzeug in ein fliegendes Schmuckstück zu verwandeln. Nach Abschluß der Arbeiten am Fieseler Storch D-ENOW, wurde die „Werft“ frei für die Taifun.

Dirk, Vera, Clemens und Oli haben den Vogel vollständig zerlegt und Stück für Stück wieder zusammengesetzt. Von innen und außen mit Glasperlen gestrahlt und frisch grundiert, war die Rumpfschale noch das kleinere Problem. Was an fehlenden Ersatzteilen beim besten Willen nicht aufzutreiben war, musste nachgefertigt werden. Das kannibalisierte Instrumentenbrett wurde wieder mit originalen Instrumenten vervollständigt. Die Elektrik konnte dank alter Dokumente neu aufgebaut werden. In die leeren Fensterrahmen wurden neue Plexiglasscheiben eingepasst. Neben einer unglaublichen Fülle von zeitraubenden Kleinigkeiten, konnte durch die Hilfe von befreundeten Handwerkern einiges schnell und einfach erledigt werden. Dazu gehörte auch der Einbau des wundervollen Retro-Kabineninterieurs aus der Werkstatt des Sattlers Julian. Was blieb, war die Frage nach dem Aussehen. Welche Farbe sollte der Lackierer anrühren. Natürlich hätte man das Ganze im originalen schweizer Outfit auferstehen lassen können, aber die Wahl fiel auf den grau-blauen Anstrich der ehemaligen D-IOIO - dokumentiert durch zeitgenössische Farbaufnahmen. Nun, um die Geschichte zum Abschluß zu bringen, nach knapp einem Jahr intensiver Arbeit steht die 108 nicht nur auf eigenen Beinen, einmal in der Luft lässt sie allen Ärger, den das Flugzeug aus Regensburg während der Restauration verursachte, vergessen.



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