20.12.2016
Erschienen in: 05/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Mach-2-JägerLockheed F-104G Starfighter

Der schlanke, raketenartige Starfighter F-104G gehört mit seinen kurzen und extrem dünnen Tragflächen zu den spektakulärsten Entwürfen von Lockheed-Konstrukteurslegende Clarence Leonard „Kelly“ Johnson.

kl 05-2012 Lockheed F-104 Starfighter (01)

Diese amerikanischen F-104C-Jagdbomber tragen Übungs-Atombomben an den mittleren Rumpfaufhängungen. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Der avantgardistische Mach-2-Jäger entstand auf persönliche Initiative Johnsons hin, der nach Gesprächen mit amerikanischen Militärpiloten in Korea ab Ende 1951 ein Model L-246 als leichten, einstrahligen Überschall-Tagjäger konzipierte.

Daraus wurde das Lockheed Model 83 beziehungsweise Weapon System 303A der USAF. Am 5. März 1954 startete Testpilot Tony LeVier mit der ersten XF-104 in Edwards AFB zum Jungfernflug, der, wie auch der zweite Flug, wegen Fahrwerksproblemen verkürzt wurde. Weil das spätere Serientriebwerk, das von Gerhard Neumann bei General Electric konstruierte J79 noch nicht verfügbar war, trieb anfangs ein von Buick gebautes Wright J65-B-3, ein Nachbau des britischen Armstrong-Siddeley Sapphire, ohne Nachbrenner die Prototypen an. Schon damit schaffte die XF-104 Überschallgeschwindigkeit. Die leicht verlängerte YF-104 konnte dann endlich das J79 nutzen und erreichte am 28. Februar 1956 erstmals Mach 2.

Die US Air Force bestellte die F-104 zuerst für ihr Air Defense Command als einsitzigen Abfangjäger F-104A (damaliger Stückpreis 1,7 Mio. Dollar), mit der doppelsitzigen Trainerversion F-104B sowie für ihr Tactical Air Command als einsitzigen Jagdbomber F-104C, mit der doppelsitzigen Trainerversion F-104D.

Ab Ende 1956 folgte auch noch eine Aufklärerversion, die RF-104A mit der inoffiziellen Bezeichnung „Stargazer“. Ab 1958 wurde der Starfighter in Dienst gestellt. Zu den Kinderkrankheiten gehörten Probleme  mit den frühen Triebwerksversionen J79-GE-3 und J79-GE-3A und mit der Integration der Vulcan-Bordkanone. Außerdem galt der wegen seiner großen Geschwindigkeit und Steigleistung bei seinen Piloten durchaus beliebte Jäger und Jagdbomber als fliegerisch sehr anspruchsvoll.

Im Notfall mussten sich die Piloten der frühen Versionen mit dem als unzuverlässig geltenden C-2-Schleudersitz noch nach unten ausschießen. Bei der regulären Landung halfen ausfahrbare Vorflügel und eine Grenzschichtbeeinflussung durch mit Zapfluft angeblasene Landeklappen, die Anfluggeschwindigkeit zu senken. Bei Triebwerksausfall konnte der Pilot eine Staustrahlturbine ausfahren, um Notelektrik und Nothydraulik anzutreiben, doch eine glatte Landung im Gleitflug war nahezu ausgeschlossen. Allerdings war Testpilot LeVier schon 1954, nach einer Explosion der Bordkanone bei einem Testflug, ein immerhin 80 Kilometer langer Gleitflug mit sauberer Landung gelungen. Bis 1961 verzeichnete die US Air Force bereits 49 Abstürze.

Während die Abfangjägerversionen des Starfighters in den USA bald an untergeordnete Reserveverbände abgegeben wurden und die USAF ihre geplanten Bestellungen halbierte, erlebte die Jagdbomberausführung in Vietnam ihre Feuertaufe. Von 1965 bis 1967 wurde sie zum Schutz von viermotorigen Aufklärungsflugzeugen vom Typ Lockheed EC-121 Warning Star und zur Luftnahunterstützung eingesetzt. Eine geplante weitere Einsatzrolle als in größeren Höhen fliegender Begleiter tief fliegender F-105-„Wild Weasel“-Radarstörer wurde nach schweren Verlusten durch Raketenbeschuss wieder aufgegeben.


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Sebastian Steinke


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