27.02.2016
Erschienen in: 03/ 2012 FLUG REVUE

Vorstoß in neue HöhenLockheed XC-35

Eine stark modifizierte Lockheed Electra lieferte Ende der 30er Jahre wertvolle Erkenntnisse über Höhenflüge und den Einsatz von Druckkabinen, die später vielen Flugzeugen zugutekamen.

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Besondere Weitsicht bewies das US Army Air Corps, als man im Juni 1936 ein ganz besonderes Flugzeug in Auftrag gab: Die Lockheed XC-35 sollte erstmals eine Druckkabine für Piloten und Passagiere erhalten und Flughöhen von mehr als 7620 Meter erreichen. Die Vorteile lagen auf der Hand: Künftige Verkehrsflugzeuge könnten schlechtes Wetter einfach überfliegen, während neue Bomber bessere Möglichkeiten bekamen, feindlichen Jägern zu entkommen. Schon fünf Jahre zuvor hatte die Junkers Ju 49 in diesem Bereich Geschichte geschrieben, denn die Maschine erhielt als erstes Flugzeug der Welt ein druckbelüftetes Abteil für die zweiköpfige Besatzung. Das Höhenversuchsflugzeug aus den USA baute allerdings auf einem später erfolgreichen Verkehrsflugzeug auf, der Lockheed 10A Electra. Diese hatte ihren Erstflug am 23. Februar 1934 und bot Platz für zehn Fluggäste.

Das Lockheed-Team unter Leitung von Ferris Smith behielt Tragfläche und Leitwerk bei. Dafür erhielt die XC-35 einen neu gestalteten Rumpf, der einen fast runden Querschnitt mit internen Versteifungen und schwererer Beplankung aufwies, um den Belastungen besser standhalten zu können. Der Entwurf des Druckbelüftungssystems oblag Carl Green und John Younger von der Air Corps Engineering Division. Zur Abdichtung kam ein neu entwickeltes Neopren-Dichtungsband von DuPont zum Einsatz, da sich die ursprüngliche Lösung aus in Klebstoff getränktem Stoff als wenig praktikabel erwiesen hatte. Die Gesamtkosten des Baus betrugen 112197 Dollar.

Der vordere, druckbelüftete Teil der Innenausstattung bot Platz für zwei Piloten und einen Ingenieur, der die Höhenausrüstung samt Anzeigen und Ventilen bediente, sowie zwei Passagiere. Hinter dem Druckschott befand sich noch ein kleines, nicht druckbelüftetes Abteil für eine Person, das jedoch nur in Höhen bis zu 3700 Metern genutzt werden konnte. Die Passagierfenster waren fast schlitzartig als kleine Rechtecke geformt. Als Antrieb wählten die Konstrukteure zwei XR-1340-Sternmotoren von Pratt & Whitney, die über Abgasturbolader verfügten, um die nötigen Höhen von mehr als 9000 Metern zu erreichen. Die Turbolader lieferten auch die für die Druckbelüftung notwendige Zapfluft. Der Druckunterschied betrug 0,7 kg/cm2.

Eine Herausforderung stellte dabei der Entwurf der Tür dar, die luftdicht abschließen musste. Die Lucke wurde von insgesamt 14 Bolzen gehalten, die mittels einer zentralen Nockenscheibe verriegelt wurden. Dabei drehte sich eine weitere Scheibe in der Tür um 90 Grad und brachte so einen Ventilsitz in Linie, um die Luft aus der Kabine zu lassen. In Öl getränktes Leder zwischen der Scheibe und deren Befestigung verhinderte das Entweichen des inneren Drucks.


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Patrick Hoeveler


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