04.10.2016
Klassiker der Luftfahrt

GabelschwanzteufelLockheed P-38 Lightning

Von den 10 037 gebauten Lockheed P-38 Lightning hat nur ein halbes Dutzend bis heute flugfähig überlebt. Dabei wurden kurz nach dem Krieg flugfähige P-38 schon für unter 1500 Dollar verkauft.

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Dieses ungetarnte YP-38-Vorserienflugzeug trägt noch die alten Hoheitsabzeichen. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Die zweimotorige Lockheed Lightning war der einzige US-Jäger, der über die gesamte Dauer des Zweiten Weltkriegs produziert wurde. Die schnelle Lightning (Blitz) schoss als erstes Flugzeugmuster des damaligen US Army Air Corps ein deutsches Flugzeug ab und schaffte erstmals Kampfeinsätze ab England nach Berlin und zurück. Als Jagdbomber konnte die Lightning auf kurzen Strecken mehr Bombenlast schleppen als viermotorige B-17 oder B-24 standardmäßig mitnahmen. Die deutschen Piloten nannten sie wegen ihrer markanten, zu Leitwerksauslegern verlängerten Motorgondeln damals „Gabelschwanzteufel“.

Die Lightning entstand 1936 unter der Projektbezeichnung „Model 22-64-01“ als Teilnehmer der Air-Corps-Ausschreibung X-608 für einen einsitzigen Höhen-Abfangjäger. Kein Geringerer als der bald weltberühmte Konstrukteur Clarence „Kelly“ Johnson zeichnete für den ersten Lockheed-Jägerentwurf verantwortlich. Im April 1937 setzte sich Lockheeds Model 22 gegen Entwürfe von Boeing, Consolidated, Curtiss, Douglas und Vultee durch, und am 23. Juni 1937 erging der Auftrag, einen Prototyp, die XP-38, zu bauen. Zwischen Juli und Dezember 1938 beendete Projektingenieur James Gerschler die Detailkonstruktion der Lightning. Am 27. Januar 1939 startete Leutnant Benjamin S. Kelsey in March Field, Kalifornien, zum Erstflug. Gut zwei Wochen später machte Kelsey mit der P-38 (P für Pursuit/Jäger) nur 600 Meter vor dem Zielflugplatz Bruch, als er auf dem Überführungsflug nach Wright Field in Ohio gleich noch einen neuen transkontinentalen US-Geschwindigkeitsrekord aufstellen wollte. Dennoch erging im April 1939 ein Auftrag für 13 YP-38 Vorserienflugzeuge und im September 1939 für die ersten 66 P-38-Serienflugzeuge. Den Durchbruch bewirkte ein, später annullierter, gemeinsamer Großauftrag für 667 Flugzeuge der P-38-Exportversion Model 322 für England und Frankreich, der im April 1940 erteilt wurde.

Trotz Kinderkrankheiten, vor allem der empfindlichen Turbolader-Triebwerke, bewährte sich die Lightning schließlich. Über dem Pazifik wurde sie dank ihrer hohen Geschwindigkeit sogar den leichten japanischen Jägern gefährlich, sofern sie sich nicht mit diesen auf langsame Kurvenkämpfe in unteren Höhen einließ. Auch der Abschuss des Transportflugzeugs von Admiral Yamamoto mitsamt einiger Begleitjäger nahe der Salomonen im April 1943 geht auf das Konto von 16 Lightnings. Der bei Lockheed und in Lizenz bei Vultee gebaute Höhenjäger wurde in zahlreichen Versionen, darunter als Fotoaufklärer, Jagdbomber und Nachtjäger produziert. Zu den Exportkunden gehörten China, Australien und die Forces Aériennes Françaises Libres sowie, nach dem Krieg, Italien, Portugal und die Dominikanische Republik. Letzter militärischer Betreiber war bis 1965 Honduras. Bei der US Air Force waren die F-38J und F-38L schon Ende der 40er Jahre aus dem Dienst ausgeschieden.


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Sebastian Steinke


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