25.08.2017
Erschienen in: 02/ 2014 FLUG REVUE

Ritt auf dem Feuerstuhl (Teil 2) ZELL-Alarmrotte mit Nuklearwaffen

lockheed-f-104g-zell-lechfeld

Lockheed F-104G Starfighter ZELL in Lechfeld. Foto: KL-Dokumentation  

 

Was selbst heute noch wie Science Fiction klingt, galt schon früh als beschlossene Sache. Die deutsche F-104G war als Nuklearwaffenträger ein wichtiger Teil der NATO-Strategie der „massiven Vergeltung“; jedem Angriff auf das Bündnis sollten umfangreiche Gegenschläge folgen. Die für den Starfighter nötigen Flugplätze mit ihren langen Betonpisten waren daher als Primärziele des Gegners besonders verwundbar. Daher vereinbarten die deutschen Auftraggeber bereits im Entwicklungs- und Produktionsvertrag mit Lockheed im Jahr 1959 Möglichkeiten, die Abhängigkeit von den Fliegerhorsten zu verringern. Der Start aus dem Stand mit zusätzlichen Raketen oder mit Hilfe von Katapulten wurde untersucht. Raketenstarts hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon bei dem unbemannten Flugkörper Martin Matador bewährt und waren bei den Flugzeugmustern F-84G und F-100 erprobt worden.

Im Jahr 1963 schloss Deutschland schließlich einen Vertrag mit Lockheed zur Entwicklung des ZELL-Systems (Zero Length Launch) für den Starfighter. Im selben Jahr erfolgten bereits erste Abschussversuche auf der Edwards Air Base in Kalifornien. Das Flugzeug sollte mit Hilfe der Rakete Rocketdyne RS-B 202 aus einem Startgestell heraus auf Fluggeschwindigkeit gebracht werden. Als Treibstoff der 4,06 Meter langen Feststoffrakete dienten 1223 Kilogramm Ammoniumnitrat. Das Gesamtgewicht betrug 1905 Kilogramm. Zunächst simulierten mit Beton gefüllte Stahlgestelle die Masse, die Abmessungen und die Schwerpunktlage des Kampfflugzeugs. Diese Probeschüsse verliefen so weit zufriedenstellend, dass Lockheed-Testpilot Edward Brown vier Starts mit einer F-104G absolvieren konnte. Dabei kamen ein von der US-Firma entwickeltes Startgestell und der Starfighter mit der Kennung DA+102 (Werknummer 2002, die zweite von Lockheed gebaute F-104G) zum Einsatz. Die Änderungen des Flugzeugs betrafen den ZELL-Hauptschalter im Cockpit, Vorrichtungen für die Raketenaufhängung, Verstärkungen der Zelle und ein modifiziertes Kraftstoffsystem, das verhinderte, dass Kerosin während der Startphase zurück in die Tanks lief.


WEITER ZU SEITE 3: Seitenwindtests in Lechfeld

    1 | 2 | 3 | 4 | 5 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler


Weitere interessante Inhalte
1966 Mein Flug mit dem Starfighter

19.09.2017 - Walter Wolfrum, im II. Weltkrieg Jagdflieger auf der Me 109 mit 137 Abschüssen, 1962 Deutscher Kunstflugmeister und 1966 Mitglied der Mannschaft, die die Bundesrepublik bei den … weiter

Jetbomber der US Air Force Martin XB-48: Ohne jede Chance

14.09.2017 - Die sehr konventionell ausgelegte XB-48 trat im Wettbewerb um einen neuen Jetbomber der US Air Force gegen die Boeing B-47 an. Allerdings konnte das Martin-Muster nicht mit den Leistungen mithalten, … weiter

Fotodokumente Lockheeds nicht realisierte Projekte

06.09.2017 - Alle hier gezeigten Ideen stammen von durchaus seriösen Ingenieuren des US-Luftfahrtkonzerns Lockheed, die zu interessanten Entwürfen führten, jedoch nie realisiert wurden. … weiter

Der erste strahlgetriebene Transporter der Welt Lockheed C-141A Starlifter Werbeprospekt

17.08.2017 - Im Jahr 1963 startete der erste strahlgetriebene Transporter der Welt zu seinem Jungfernflug. Die Lockheed C-141 Starlifter sollte mehr als vier Jahrzehnte wertvolle Dienste bei der US Air Force … weiter

Schwarzer Blitz Lockheed SR-71 Blackbird

17.08.2017 - Egal in welchem Museum man sie sieht, die SR-71 Blackbird wirkt auch mehr als vier Jahrzehnte nach ihrem Erstflug wie ein Flugzeug aus der Zukunft. Unter strengster Geheimhaltung entstand der Mach 3 … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 07/2017

Klassiker der Luftfahrt
07/2017
28.08.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Serie Motor: Junkers Jumo 213
Erste Flugbilder der perfekten Thunderbolt
Messerschmitt Me 309
Condor-Irrflug: Absturz über Irland
Gefechtsbericht: Angriff der Mistel