25.08.2017
Erschienen in: 02/ 2014 FLUG REVUE

Ritt auf dem Feuerstuhl (Teil 3) Seitenwindtests in Lechfeld

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Testpilot Horst Philipp (im Cockpit) absolvierte in Lechfeld zwei Raketenstarts mit dem Starfighter. Foto: EADS  

 

Auch hier gab es keine Zwischenfälle, so dass vier weitere Starts mit einem von VFW entwickelten, geländetauglichen Startgestell erfolgten. Diese zweite Phase endete am 22. Juli 1964. Allerdings gab es Bedenken bezüglich der Anfälligkeit bei Seitenwind, da das Flugzeug unmittelbar nach dem Start noch nicht aerodynamisch steuerbar, sondern rein ballistisch stabilisiert war. Diese Problematik sollte in einem dritten Testabschnitt gelöst werden, er fand allerdings nicht in den USA, sondern im deutschen Lechfeld statt. Aufgrund seiner Größe und der angrenzenden bundeseigenen Gebiete eignete sich der Fliegerhorst des Jagdbombergeschwaders 32 dazu am besten.

Hier sollte mit Philipp auch ein Pilot der E-Stelle ZELL-Starts absolvieren. „Die Vorteile, die ich gegenüber dem Lockheed-Piloten hatte, waren, dass ich vorher schon sehen konnte, was abläuft. Zudem hatte ich einen Martin-Baker-GQ-7-Sitz in der Maschine, während der Lockheed-Pilot noch mit dem C-2-Sitz flog, dessen Leistung – er hatte keine Null-Null-Fähigkeit – nicht ausreichte. Der Lockheed-Pilot besaß zusätzlich in seinem Rückenfallschirm eine Auszugsrakete – eine abenteuerliche Geschichte. Die hätte helfen sollen, dass er hoch genug gezogen wird, damit sich der Fallschirm noch öffnet. Der Erprobungsstelle war aber das Risiko viel zu groß, der Pilot hatte nicht die geringste Chance mit dem Sitz.“ Die E-Stelle führte daher im Sommer 1965 in Manching Tests mit dem neuen Rettungsmittel aus Großbritannien durch, das anschließend in die gesamte deutsche Starfighter-Flotte eingerüstet wurde.

Am 20. Februar 1966 kam der mittlerweile in Manching modifizierte Starfighter mit der Nummer 2002 (und dem neuen taktischen Kennzeichen DB+127) in Lechfeld an. Das Startgestell wurde am Ende des Fliegerhorstes im Nordosten platziert. Die Startrichtung verlief parallel zur Startbahn in Richtung Süden. Die hintere Betonfläche des Gestells sorgte dafür, dass die Abgase nicht nach vorne geleitet und vom J79-Triebwerk der F-104 angesaugt werden konnten. In der Mitte befanden sich Stützpunkte für das Hauptfahrwerk und ein Rahmen in Form eines Hufeisens mit einem Rückhaltestab, der die F-104 mit dem Gestell verband. Er brach bei einer Zuglast von rund 11000 Kilogramm und gab das Flugzeug frei.


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Patrick Hoeveler


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