25.08.2017
Erschienen in: 02/ 2014 FLUG REVUE

Ritt auf dem Feuerstuhl (Teil 4) Die Rakete brennt acht Sekunden

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Spektakulärer Start: Der ZELL-Starfighter hebt in Lechfeld ab. Foto: KL-Dokumentation  

 

Der Ablauf der Starts war immer gleich. Zunächst machte das Team den Booster separat fertig. „Er war temperaturempfindlich und musste auf 27 Grad gehalten werden“, sagt Philipp. Dann schob die Bodenmannschaft den Jet über Rampen auf die Stützpunkte. Die Maschine stand jedoch nicht auf den Rädern, sondern ruhte auf den Aufbockpunkten des Hauptfahrwerks. Nach den Vorflugchecks und dem Betanken des Flugzeugs hängte die Crew den Booster an. „Er wurde mit Theodoliten eingestellt, damit er den richtigen Schubvektor hatte. Dabei war er in eine Heizmatte eingewickelt, um die Temperatur zu halten. Ansonsten hätten wir andere Schubwerte gehabt. Dann wurde die Startstellung in einem Winkel von 20 Grad eingenommen. Alles war bereit für den Start, der Pilot stieg ein und machte sein Pre-Flight im Cockpit.“

Auf diese Weise absolvierte Brown zwischen 4. Mai und 7. Juni 1966 fünf erfolgreiche Starts. Nach der Zündung brannte die Rakete für eine Dauer von 8,25 Sekunden. Bei der höchsten getesteten Startmasse von 15 Tonnen erreichte der Starfighter bis Brennschluss eine Höhe von 170 Metern und eine Geschwindigkeit von 496 km/h. Bis dahin hatte er über Grund eine Strecke von knapp 490 Metern zurückgelegt. Dann war Philipp an der Reihe. „Bei mir ging es darum, herauszufinden, wie sich das Ganze bei Seitenwind verhält. Um den Start in der ersten Phase möglichst stabil zu machen, erfolgte meine rster Start in der Schwerlastkonfiguration mit vollen Tip-Tanks, Pylon-Tanks und einer Last von 906 Kilogramm am zentralen Außenlastträger“, erinnert er sich. „Denn je mehr Masse da war, umso weniger konnten Seitenwindkräfte oder auch eine etwas vertrimmte Einstellung des Boosters Schaden anrichten. Das Flugzeug sollte in der ballistischen Phase einigermaßen die Lage behalten, bis man genug Staudruck hatte, um die Steuerung wieder selbst zu beeinflussen.“ Bei seinem Einsatz herrschte ein Seitenwind von rund zehn Knoten.


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Patrick Hoeveler


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