22.07.2016
Erschienen in: 04/ 2015 FLUG REVUE

Schnell, aber erfolglosSikorsky S-67 Blackhawk

Wäre sie in Serie gegangen, hätte sich die S-67 vielleicht zu einem der vielseitigsten Kampfhubschrauber entwickelt. Trotz ihrer guten Leistungen konnte Sikorsky aber keine Kunden für die Blackhawk finden.

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Im Wettbewerb für einen neuen Kampfhubschrauber der US Army unterlag Sikorsky mit der S-66 im Jahr 1965 der Lockheed AH-56 Cheyenne, die aber von technischen und finanziellen Problemen geplagt blieb. Sikorsky verfolgte das Thema weiter und entschloss sich schließlich zur Entwicklung eines Helikopters mit eigenen Mitteln, wohl in der Hoffnung, im Fall des Scheiterns der Cheyenne doch noch zum Zuge zu kommen. Die Firma vermarktete die S-67 als Waffensystem mit niedrigen Kosten und niedrigem Entwicklungsrisiko. Die Kombination von bewährten Elementen mit neuen Technologien sollte gleichwertige oder bessere Leistungen als vergleichbare teurere Muster erzielen. Antriebs- und Rotorsystem stammten von der S-61-Familie, so dass Sikorsky die S-67 in nur neun Monaten nach dem Programmstart im Januar 1970 in die Luft bringen und das Budget von drei Millionen Dollar einhalten konnte. Der Erstflug des Prototyps mit der Kennung N671SA erfolgte am 20. August 1970.

Die große, gepfeilte Heckflosse sorgte für die Seitenstabilität und übernahm diese Aufgabe bei Geschwindigkeiten über 40 Knoten vom Heckrotor. Ein von Sikorsky „Stabilator“ genanntes Höhenleitwerk erzielte eine geringere Belastung des Hauptrotors und eine höhere Wendigkeit. Letztere wurde auch  durch an den Stummelflügeln angebrachte Luftbremsen erhöht. Den aerodynamischen Widerstand reduzierte eine Verkleidung des Rotorkopfs. Die Rotorblattspitzen waren nach hinten gebogen und konnten Blattspitzengeschwindigkeiten bis zu Mach 0.96 ohne größere Probleme ertragen. Die Besatzung (Bordschütze vorne, Pilot hinten) brachten die Ingenieure in einem Tandemcockpit unter. Sogar ein Head-up-Display von Norden und ein Helmvisier von Honeywell kamen zum Einsatz.

Neuer Weltrekord für Geschwindigkeit

Am 19. Dezember 1970 stellte die S-67 mit 355 km/h über einen 15 bis 25 Kilometer langen Kurs von Milford nach Branford in Connecticut einen neuen Weltrekord auf. Sie schlug damit die  Bestmarke der Sud Super Frelon und erzielte auch die bis dahin höchste absolute Geschwindigkeit eines Helikopters. Am Steuer saß Testpilot Kurt Cannon. Im leichten Sturzflug erreichte das Muster sogar eine Geschwindigkeit von 384 km/h. Von den Vorzügen konnten sich während einer dreiwöchigen USA-Tour 150 Piloten aller US-Teilstreitkräfte überzeugen. Sie zeigten sich besonders von der Agilität des Kampfhubschraubers beeindruckt: Sogar Manöver mit Belastungen von 3,3 g waren möglich. 

Schließlich bot Sikorsy im Jahr 1971 mehrere Maßnahmen an, um die S-67 auch bei Nacht einsetzen zu können. Außerdem stand die Mehrrollenfähigkeit im Mittelpunkt. Neben Angriffsmissionen sollte die Blackhawk Rettungseinsätze und Überwachungsflüge durchführen oder Spezialkräfte absetzen. Dabei hätte sie von ihrer hohen Geschwindigkeit und einer Reichweite von maximal 1100 Kilometern mit Zusatztanks an den Stummelflügeln profitiert. Dazu planten die Konstrukteure bessere Navigations- und Feuerleitsysteme sowie ein schallisoliertes Abteil für bis zu sechs Soldaten und eine Winde. Selbst ein Lasthaken für den Transport von bis zu 3600 Kilogramm schweren Gütern war vorgesehen. 

Die US Army erprobte den Typ 1972 nach der Stornierung der AH-56 noch einmal ausgiebig. Dennoch fiel die Entscheidung, eine neue Spezifikation für den künftigen Kampfhubschrauber zu erstellen, die schließlich die AH-64 Apache gewinnen sollte. Nach dieser Enttäuschung setzte Sikorsky die Hoffnungen auf den Export und führte im Herbst 1972 eine Vorführtournee durch Europa und den Mittleren Osten durch. Dabei legte der Hubschrauber 12 070 Kilometer in 136 Flugstunden zurück. Auch Deutschland stand auf dem Plan, um die Heeresflieger für das US-Muster zu begeistern. Das Interesse im In- und Ausland ließ jedoch zu wünschen übrig. Im Frühjahr 1974 ließ die US Army zwar die Maschine zeitweise zu Erprobungszwecken mit einem ins Leitwerk integrierten Heckrotor (Fenestron) ausstatten, aber eine Beschaffung war weiterhin kein Thema. 

Am 1. September 1974 stürzte der Prototyp dann bei einem Vorführflug auf der Luftfahrtmesse in Farnborough ab. Pilot Kurt Cannon hatte eine Rolle zu tief angesetzt und schlug mit dem Hubschrauber auf den Boden auf. Copilot Stu Craig starb sofort, Cannon erlag neun Tage später seinen Verletzungen. Die S-67 hatte bis dahin 598 Flugstunden absolviert. Da es keine konkreten Aussichten für einen Verkauf gab, stellte Sikorsky das Programm ein.


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Patrick Hoeveler


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