14.08.2017
Erschienen in: 01/ 2012 FLUG REVUE

Zweiter SiegerBell YAH-63

Im Wettbewerb für einen neuen Kampfhubschrauber der US Army hatte sich die Bell YAH-63 zunächst zwar gegen Konkurrenten von Boeing-Vertol, Lockheed und Sikorsky durchgesetzt, unterlag im späteren Vergleichsfliegen aber der YAH-64 von Hughes.

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Im Sommer 1972 begann das Spiel erneut: Die US Army suchte wieder einen leistungsfähigen Kampfhubschrauber als Ersatz der als Zwischenlösung gedachten Bell AH-1 Cobra. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Militär nämlich das Programm Lockheed AH-56 Cheyenne eingestellt, den damals wohl modernsten, aber auch teuersten Kampfhubschrauber der Welt. Nun stand im AAH-Programm (Advanced Attack Helicopter) für einen etwas kleineren Helikopter vor allem die Forderung nach einer Allwetterfähigkeit im Vordergrund. Außerdem sollte das neue Muster eine Reisegeschwindigkeit von 270 km/h und eine Einsatzdauer von 1 Stunde und 50 Minuten aufweisen. Fünf Firmen reichten daraufhin entsprechende Entwürfe ein: Bell, Boeing-Vertol, Hughes, Lockheed und Sikorsky. Vorgesehen war die Beschaffung von 536 Hubschraubern, die ab 1979 in Dienst gehen sollten.

Im Juni 1973 wählte die US Army zwei Kandidaten aus und bestellte jeweils zwei fliegende Prototypen. Die Bell YAH-63 (Modell 409) und die Hughes YAH-64 (Modell 77) sollten anschließend in einem Vergleichsfliegen gegeneinander antreten. Der Wert des Bell-Auftrags betrug 44,7 Millionen Dollar. Die Konstrukteure entschieden sich bei der YAH-63 für ein Tandemcockpit mit flachen Seitenscheiben, um Reflektionen zu reduzieren und so die Entdeckung durch feindliche Truppen zu erschweren. Im Gegensatz zum Konkurrenten von Hughes saß der Pilot für eine bessere Bodensicht beim Geländeverfolgungsflug im vorderen Cockpit, und der Schütze nahm den hinteren Platz ein. Ein weiterer Unterschied bestand im Dreibeinfahrwerk, denn Bell setzte auf ein Bugfahrwerk, während die YAH-64 ein Heckrad aufwies. Als Antrieb diente bei beiden Kandidaten das neue T700-Wellentriebwerk von General Electric.

Außerdem forderte die US Army, dass alle kritischen Systeme nach dem Treffer eines 12,7-mm-Geschosses noch 30 Minuten sicher zu funktionieren hatten. Bei Bell wollten die Ingenieure dies ohne zusätzliche Panzerung schaffen und legten etwa den Rotormast und den Rotorkopf sowie die Taumelscheibe derartig aus, dass die Geschosse teilweise abgelenkt wurden, was sie in ballistischen Versuchen überprüften. Außerdem ordneten sie wichtige redundante Systeme wie Hydraulik, Generatoren und Triebwerke mit jeweils maximal möglichem Abstand zueinander an. Das Getriebe fiel flach aus mit seitlich verschobenen Pfeilzahnrädern, dem damals sogenannten „Flat Pack“.

Eine Besonderheit der YAH-63 war ihr zweiblättriger Hauptrotor, dessen Blätter eine große Tiefe aufwiesen. Die beiden Holme waren recht weit voneinander entfernt, um die Forderung des Überlebens bei einem Treffer selbst eines 23-mm-Geschosses zu erfüllen. Der Rotormast ließ sich zur Verladung in ein Transportflugzeug absenken.

Am Ende des Auslegers waren der zweiblättrige Heckrotor und zwei starre Stabilisierungsflossen angeordnet, wobei die obere Flosse in Form eines T-Leitwerks ausgeführt war. Die Bewaffnung bestand aus einer dreiläufigen 30-mm-Kanone XM-188 mit bis zu 1200 Schuss unter dem Bug sowie aus Tow-Flugkörpern (später durch Hellfire ersetzt) oder ungelenkten 7-cm-Raketen an vier Außenlaststationen unter den seitlich montierten Stummelflügeln. Im Notfall ließ sich der Munitionsbehälter der Bordkanone abwerfen. Das Visier einschließlich FLIR-Sensor für Nachteinsätze fand in einem Kinnturm Platz.


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Patrick Hoeveler


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