14.06.2017
Klassiker der Luftfahrt

Sir James‘ TraumjägerMartin-Baker M.B.5

Für die Entwicklung von Schleudersitzen steht dieser Name wie kein anderer: Martin-Baker. Doch nur wenige erinnern sich, dass der später geadelte Firmengründer James Martin zwischen 1934 und 1945 Jagdflugzeuge entwickelte. Höhepunkt war die M.B.5 – ein Superjäger, der im aufkommenden Jetzeitalter aber nicht mehr gebraucht wurde.

Die Leistungen der M.B.5 sprachen für sich. Im Horizontalflug beschleunigte sie bis auf 740 km/h. Gewaltige 2340 PS leistete ihr Rolls-Royce-Griffon-Antrieb, der sie in nur 15 Minuten auf über 10 000 Meter Höhe katapultierte. Die M.B.5, die am 23. Mai 1944 erstmals flog, spielte klar in der ersten Liga der Propellerjäger. Sie war der Höhepunkt und zugleich der Schlusspunkt der Jägerkonstruktionen der Martin-Baker Aircraft Ltd. in Denham in der britischen Grafschaft Buckinghamshire. Berühmt wurde Martin-Baker nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung und Produktion von Schleudersitzen. Mit der gleichen Freude am Fortschritt, mit der James Martin die Rettungssysteme entwickelte, die bis in die Gegenwart hinein schon tausenden Piloten das Leben gerettet haben, ging er auch in den Anfangsjahren seines Unternehmens an den Flugzeugbau.

Um den Weg zur M.B.5 und die Philosophie dieses Hochleistungsjägers zu verstehen, ist ein kurzer Exkurs in die Geschichte von Martin-Baker notwendig. James Martin gründete Ende der 20er Jahre mit vielen Ideen und wenig Geld in Denham die Martin Aircraft Works und begann mit der Konstruktion eines ersten Flugzeugs. Der Rumpf wurde mit zwei Helfern fertiggestellt, doch bevor die Flügel gebaut werden konnten, ging dem jungen Unternehmen das Geld aus.

Der Umschwung kam 1934. Valentine H. Baker, ein ehemaliger Army-Captain und Fluglehrer, stieg als Partner ein. Mit Francis Francis, einem Investor, der an James Martins Fähigkeiten als Konstrukteur glaubte, kam auch das Geld zum Weitermachen, nun als Martin-Baker Aircraft Ltd.

Martin dürfte den Geldgeber vor allem mit seiner Idee für eine schnelle, billige und mit ungelernten Kräften machbare Bauweise künftiger Flugzeuge überzeugt haben, für die er später ein Patent erhielt. Bei der M.B.1, einem zweisitzigen Sportflugzeug, verwirklichte er sie 1935 zum ersten Mal. Die tragende Rumpfstruktur wurde dabei, vereinfacht gesagt, aus vielen dünnen Stahlrohren aufgebaut, deren Enden abgeflacht und an Knotenpunkten meist verschraubt waren. Auch beim Flügelbau ging James Martin mit einer ungewöhnlichen Holmkonstruktion aus drei Stahlrohren einen ganz eigenen Weg. Angetrieben von einem Napier Javelin II mit 160 PS zeigte die M.B.1 gute Flugleistungen und bewies eine feste Struktur. Bei einem Hangarbrand wurde die M.B.1 1938 zerstört.

Der Verlust schmerzte nicht sehr, denn an eine Weiterentwicklung des Zweisitzers war ohnehin nicht gedacht. Das eigentliche Ziel der Martin-Baker Aircraft war die Entwicklung von Jagdflugzeugen. Und so stand damals schon die M.B.2 auf dem Zeichenbrett, ein einsitziger Jäger, der der Spezifikation F.5/34 des britischen Luftfahrtministeriums entsprechen sollte, aber als rein privates Projekt finanziert wurde. Als Antrieb diente ein Napier Dagger III, ein sogenannter H-Motor mit 24 Zylindern und zwei Kurbelwellen. Die Bewaffnung bestand aus acht (!) 7,7-mm-MGs. In der Verkleidung eines der Hauptfahrwerksbeine befand sich der Einlass des Ölkühlers. War dies schon ungewöhnlich, so galt das erst recht für den anfänglichen Verzicht auf ein Seitenleitwerk. James Martin ging davon aus, dass der hinter dem Cockpit sehr schlanke Rumpf für ausreichend Richtungsstabilität sorgen würde und so Widerstand gespart werden könnte. Ein Irrtum, wie sich schon beim ersten Flug der M.B.2 zeigte, den Valentine H. Baker am 3. August 1938 durchführte. Danach wurde zunächst eine kleine Finne angebaut. Als auch die nicht genügend Richtungsstabilität gab, erhielt die M.B.2 ein konventionelles Seitenleitwerk.


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