01.03.2017
Erschienen in: 01/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

Damn Good Airplane (Teil 2) Groß, schnell, komfortabel

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Was konsequent folgte, waren die DGA-4 „Ike“ und DGA-5 „Mike“. Bennys Ambitionen galten aber auch der Entwicklung eines Executive-Reiseflugzeuges. Dazu benötigte er jedoch Kapital. Die Lösung sollte das Preisgeld der Transcontinental Bendix Race Trophy sein, die er mit der neuen Konstruktion fliegen wollte. Inspiriert vom Flugzeughersteller Monocoupe in St. Louis und einem Rundflug in einer Monocoupe mit seinem Freund, dem Rennpiloten John Livingston, begann er Ende 1933 mit der Konstruktion und dem Bau der Howard DGA-6 „Mr. Mulligan“.

Als im Frühjahr 1934 der dafür vorgesehene, 550 PS starke Pratt & Whitney Wasp noch nicht verfügbar war, wurde zunächst ein nur 450 PS starker Wasp probeweise eingebaut. Zum ersten Mal flog „Mr. Mulligan“ im Juli, und nach 15 Minuten in der Luft stieg Benny mit einem breiten Grinsen aus. Er wusste, dass ihm ein toller Wurf gelungen war. Weitere Testflüge folgten, und im August bekam das Flugzeug den stärkeren Motor. Dank des Laders konnten auch größere Flughöhen erreicht werden, weiterhin stiegen Geschwindigkeit und Reichweite.

Nur wenige Tage vor den National Air Races erfuhr Benny, dass er selbst nicht daran teilnehmen durfte. Ein Passus in seinem Arbeitsvertrag als Flugkapitän bei United Airlines verbot ihm derartige Aktivitäten. Es musste also schnell ein Ersatzpilot her. Harold Neumann, ein Arbeitskollege Bennys, wurde als geeignet auserkoren. Allerdings hatte er auf der hochmotorisierten Maschine keinerlei Erfahrung, was sich bald als verhängnisvoll erweisen sollte. Die kurze Einweisung auf die Maschine war anscheinend zu kurz ausgefallen. Nicht weniger als sechs Tanks ohne Tankanzeige galt es zu managen, und wenn der „Quirl“ bei einem Reiseflug erst einmal stand, blieb nur eine Notlandung. Im Ergebnis ohne Personen-, aber mit gehörigem Sachschaden. Um die „Mr. Mulligan“ wieder in die Luft zu bringen, musste mit der „Mike“ bei Flugrennen erst einmal das nötige Kleingeld erwirtschaftet werden. Das wiederum gelang Harold Neumann mit Bravour, und er konnte so seinen Beitrag zum Wiederaufbau leisten.

Im Winter 1934/35 wurde eine Sauerstoffanlage verbaut, die es fortan ermöglichte, länger als sieben Flugstunden in Höhen von 22 000 Fuß zu verweilen. Zudem gab es ab 1935 korrekte Tankanzeigen. Mit einer Ausnahmegenehmigung der United Airlines durfte Benny gemeinsam mit Gordon Israel an den Bendix Air Races 1935 teilnehmen. Es galt, sich gegen ein namhaftes Feld durchzusetzen. Roscoe Turner oder Amelia Earhart zählten mit einer Lockheed Vega bzw. Wedell Williams zu den schärfsten Konkurrenten. Benny, Gordon und „Mr. Mulligan“ erreichten das Ziel, Cleveland, als Erste. Komplizierte Auswertungsverfahren machten aber erst nach acht Stunden klar, wer denn das Rennen gewonnen hatte. „Mr. Mulligan“ siegte mit 23,5 Sekunden Vorsprung. Ein Viersitzer mit zwei Personen, Zusatzbenzin und -öl an Bord hatte die meist einsitzige Konkurrenz besiegt!


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Thomas Schüttoff, Philipp Prinzing


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