10.04.2017
Klassiker der Luftfahrt

Spaniens erstes StrahlflugzeugHispano Aviación HA-200 Saeta

Spaniens erstes Strahlflugzeug, der zweistrahlige Trainer Hispano Aviación HA-200 Saeta („Pfeil“) geht auf keinen geringeren als Konstrukteur Willy Messerschmitt zurück.

Messerschmitt hatte, während für ihn in Deutschland noch das alliierte Flugzeugbauverbot nach dem Zweiten Weltkrieg galt, mit einer kleinen Kernmannschaft seit Anfang 1952 im spanischen Sevilla beim Bf-109-Lizenznehmer Hispano Aviación SA (HASA) ein technisches Entwicklungsbüro aufgebaut.

Aus dem dort zunächst entwickelten aber letztlich erfolglosen zweisitzigen Sternmotor-Propeller-Schulflugzeug HA-100 Triana leitete Messerschmitt ab 1953 auch einen zweisitzigen Strahltrainer ab, die HA-200 Saeta. Die mit einer Druckkabine ausgestattete HA-200 nutzte, in einer Art Baukastenprinzip, ganze Baugruppen der vorherigen HA-100. Ihren Antrieb lieferten jedoch zwei Turboméca „Marboré II“ mit je 3,9 kN Schub, die im Bug, gleich hinter der geteilten Lufteinlauföffnung, montiert wurden. Die langen Schubrohre liefen innen, an den Rumpftanks vorbei, bis hinter die Flügel und sorgten für anfängliche Überhitzungsprobleme, bis ein zusätzlicher Kühlluftkanal installiert war.

Die Saeta war bereits die vierte Strahlflugzeugentwicklung vonWilly Messerschmitt. Für seine Konkurrentin zur Fouga Magister hoffte Messerschmitt auch auf den westdeutschen Markt der neuen Luftstreitkräfte. 

Am 12. August 1955 startete Testpilot Juan Valiente mit dem ersten Prototypen, Werknummer 20/I, Registrierung XE.14-1, in Sevilla zum Erstflug. Nach zehn Vorserienflugzeugen bestellte das spanische Luftfahrtministerium 1959 dreißig Serien-HA-200A. 1963 wurden weitere 55 Ex­emplare der verbesserten Version HA-200D durch Spanien bestellt, die bis 1967 geliefert wurden. Sie erhielten das stärkere Turboméca Marboré VI-Triebwerk mit 9,4 kN Schub.

Fünf umgebaute Vorserienflugzeuge waren als HA-200B schon 1959 an die ägyptische Luftwaffe geliefert worden. In Deutschland hatte die wendige und im Langsamflug gutmütige „Me 200“ dagegen keinen Erfolg. Als Militärtrainer wurde hier die Fouga Magister ausgewählt und in Lizenz gebaut. Auch für eine erhoffte zivile Variante als viersitziges Kurier- und Geschäftsreiseflugzeug P-201 fanden sich keine Kunden.

1959/60 erwarb dafür Ägypten über die Schweizer Firma MECO die Fertigungslizenz für die HA-200 und die Entwicklungslizenz für den darauf folgenden Deltaflügel-Überschalljäger HA-300. Aus der Saeta wurde in Ägypten die mit einer zusätzlichen Maschinenkanone bewaffnete „Al Kahira“ (Der Eroberer). 95 Flugzeuge entstanden zwischen 1961 und 1969 in Kairo.

Spanien rüstete 40 Trainer zur HA-200E Super Saeta um. Außerdem wurden 25 HA-200 zu einsitzigen HA-220-Jagdbombern umgebaut und zwischen 1971 und 1977 eingeführt. Bis Mitte der achtziger Jahre schieden die letzten Flugzeuge aus spanischen Diensten aus. Die letzten ägyptischen „Al Kahira“ sollen dagegen noch bis in die neunziger Jahre geflogen sein.

Technische Daten

Hispano Aviación HA-200 Saeta (Ursprungsversion)


Aufgabe:
zweisitziger Strahltrainer
Besatzung: ein Fluglehrer und ein Flugschüler 
Antrieb: zwei Turboméca Marboré II mit je 3,9 kN Standschub 
Länge: 8,93 m
Höhe: 2,85 m
Spannweite: 11,03 m
Flügelfläche: 17,4 m2
max. Flugmasse: 3350 kg
Höchstgeschwindigkeit: 640 km/h
Dienstgipfelhöhe: 12 000 km 
Reichweite: 1480 km
Bewaffnung: zwei MG Breda 7,7 mm

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2010


Mehr zum Thema:
Sebastian Steinke


Weitere interessante Inhalte
Luftschiff LZ 129 Die letzte Station der Hindenburg

27.04.2017 - Vor 80 Jahren, am 3. Mai 1937, war die "Hindenburg" über ihrer letzten Station vor dem schicksalhaften Flug in die USA. Über dem Kölner Flughafen Butzweilerhof war sie am späten Abend Postsäcke ab. … weiter

Fotodokumente 1966: Farnborough wird international

27.04.2017 - Historische Bilder der Luftfahrtschau im britischen Farnborough aus dem Jahr 1966 — die 25. Ausgabe der Traditionsmesse war zudem ein Debüt: Zum ersten Mal präsentierten sich auch ausländische … weiter

Zweimotorige Weiterentwicklung der Do 27 Dornier Do 28

27.04.2017 - Dornier versuchte mit der zweimotorigen Do 28 A/B an den Erfolg der Do 27 anzuknüpfen. Das robuste, aber teure Flugzeug bot wiederum herausragende Kurzstarteigenschaften. Doch der große Erfolg auf dem … weiter

Bestseller ohne Chance Fiat CR.42 Falco

27.04.2017 - Eigentlich gab es in Italien in den späten 30er Jahren schon wesentlich modernere Jagdflugzeuge. Dennoch ließ die Regierung noch einmal einen Jagd-Doppeldecker entwickeln. Tatsächlich wurde die Fiat … weiter

Die älteste fliegende Taifun Bf 108 Taifun in Traditionsfarben

26.04.2017 - Sie besticht noch immer durch ihre elegante Erscheinung und ihr grandioses Flugverhalten: die BFW (Messerschmitt) Bf 108. Eine Haltergemeinschaft in Reichelsheim hat den seltenen Klassiker in Dänemark … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 04/2017

Klassiker der Luftfahrt
04/2017
10.04.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Focke-Wulf Fw 190
Mitsubishi J8M
Cessna O-1 Bird Dog
RAF-Museum
Douglas A-26 Invader
Junkers K 30
Lend-Lease für die Sowjetunion
Albatros Flugzeugwerke
Modellträger