13.12.2016
Klassiker der Luftfahrt

Die TransporterfrageHercules oder Transall

In den 60er Jahren wurde in Frankreich und Deutschland dringend ein Nachfolger für den Transporter „Nora“ (Nord Noratlas) gesucht, der den gewachsenen Ansprüchen an Reichweite, Nutzlast und STOL-Eigenschaften genügen sollte. Dazu veröffentliche die FLUG REVUE im Oktober des Jahres 1963 einen Beitrag, der die zur Debatte stehenden Muster C-160 Transall und Lockheed C-130 Hercules einem akribischen Vergleich unterzog. Durchleuchtet wurde dabei auch die Beschäftigungsproblematik der Facharbeitskräfte des deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmens Transporter Allianz. Obwohl die bewährte amerikanische Konkurrenz technisch gleichwertig, aber kostengünstiger war, erhielt später die Transall den Vorzug

In diesen Tagen wird in Bonn endgültig die Entscheidung fallen müssen, welchem Transportflugzeugmuster man als Nachfolger der Noratlas den Vorzug geben wird - der deutsch-französischen Gemeinschaftsentwicklung C-160 Transall oder der Lockheed C-130 Hercules. Diese Transporter-Entscheidung wäre längst fällig gewesen, und man hätte sie fast nur noch als formellen Akt vor dem Startschuß zur Transall-Produktion betrachten können, hätten die dafür kompetenten Ausschüsse des Bundestages nicht noch kurz vor Beginn der Sommerpause ihre Entscheidung zurückgehalten und bestimmt, sie nach erneuter Prüfung aller Details in den ersten Monaten der neuen Sitzungsperiode zu fällen.

Möglicherweise ist diese Zurückhaltung eine Reaktion auf jene Leistungsschau in Le Bourget, bei der erstmalig vor aller Öffentlichkeit ein echter Leistungsvergleich zwischen den zur Diskussion stehenden Transportflugzeugtypen ermöglicht wurde. Das Ergebnis dieses Vergleichs dürfte nicht wenige Fachleute nachdenklich gemacht haben...

Als das Bundesverteidigungsministerium bei der Aufstellung des Programms zur Initialausrüstung der Bundeswehr ein für die Heerestransportverbände geeignetes Transportflugzeug auswählte, stand praktisch nur ein Muster zur Verfügung, das den Ansprüchen in taktischer Hinsicht entsprach - die französische Noratlas. Die Heerestransportverbände haben ihre Abneigung gegenüber diesem Flugzeugtyp nie verhehlt, denn, obwohl wesentliche Mängel behoben werden konnten, nachdem dieser Transporter in den Werken der Gruppe Nord in Lizenz hergestellt wurde, blieben andere wesentliche Mängel charakteristisch. Als die Bundeswehr 1958 Überlegungen anstellte, die Noratlas in absehbarer Zeit durch ein leistungsfähigeres Muster zu ersetzen, interessierte man sich besonders für den amerikanischen Standardtransporter Lockheed C-130 Hercules. Die C-130 stand seit 1954 in der Produktion und wurde im Laufe der folgenden Jahre ständig weiterentwickelt, um noch weiteren Aufgaben dienen zu können. Ihre Bewährung in allen Gebieten, die von tropischen bis zu arktischen Zonen reichen, bewogen bis heute die Luftwaffen von acht Ländern - einschließlich der USA - zum Einsatz dieses Flugzeugtyps. Im Gegensatz zu anderen Transportflugzeugen war die C-130 Hercules von Anfang an als Kampfzonentransporter entwickelt worden, eine Transporterkategorie, die ohne Abhängigkeit von festen Pisten in provisorisch hergerichteten Gebieten - und sei es eine ausreichend große Lichtung im Dschungel - operieren und eine Kampftruppe in kürzester Zeit direkt versorgen kann. Die Hercules war nicht die erste Konstruktion innerhalb dieser Kategorie, aber sie war das erste Flugzeug, das alle gestellten Aufgaben perfekt erfüllte.


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