06.07.2017
Klassiker der Luftfahrt

Die Transporterfrage (Teil 6) STOL-Eigenschaften treiben Kosten hoch

Lockheed - C-130 (028.jpg

Unbefestigte und kurze Pisten stellten keine größere Hürde für die robuste Hercules dar. © USAF  

 

Die große Leistungsreserve drückt sich auch bei einem Vergleich der Startweglängen beider Flugzeuge aus. Zum Erreichen einer Höhe von 11 m über Grund (Hindernis-Sicherheitshöhe nach USAF-Vorschrift) benötigt die Transall 675 m Startbahn, während die rund 25 t schwerere Hercules C-130E die gleiche Höhe nach 690 m erreicht. Der Landeauslauf bis zum Stillstand ist für die Transall rund 60 m kürzer. Soweit die offiziellen Werte. Bei der Vorführung beider Typen in Le Bourget erreichte die C-130E Hercules jedoch wesentlich kürzere Start- und Landeläufe als die Transall-Prototypen.

Die Bundeswehr legt besonderen Wert auf STOL-Eigenschaften und hat angedeutet, daß sie an der Transall nur interessiert sei, wenn sie diese Charakteristik besäße. Aus diesem Grund hat Weserflug eine Weiterentwicklung projektiert, bei der zwei zusätzliche RB 162 angebaut und die für STOL erforderliche Leistung bringen sollen. Diese Konstruktion ist nach unseren Informationen bisher kaum über das Reißbrettstadium hinausgekommen, ist aber auch im Vergleich zu den Versuchen interessant, die Lockheed unternahm, einer ähnlichen Forderung der USAF nachzukommen. Versuche mit einer als Min/STOL bezeichneten Version der C-130, sie erhielt verbesserte Propellergetriebe und vergrößerte Klappenausschläge, ergaben eine Startwegverkürzung von 10 Prozent. Ein weiterer Versuchstyp, die BLC-130 mit angeblasenen Klappen (blown flaps) wurde ebenfalls erprobt und konnte eine Verkürzung des Startweges von 50 Prozent erreichen. Trotz dieser Verbesserung konnte sich die USAF nicht zu einem Serienauftrag entschließen, da die Kosten für dieses recht komplexe System erheblich waren und nach ihrer Auffassung in keinem Verhältnis zum Einsatzwert standen. Lockheed trieb die Untersuchungen bis zu einer VTOL-Version der C-130, um erkennen zu müssen, daß die Kostenkurve bis auf 140 Prozent stieg.

An diesem Beispiel sind die Grenzen erkennbar, die der Weiterentwicklung eines konventionellen Flugzeuges gesetzt sind. Neben der sehr wesentlichen Entwicklungs- und Baukostenerhöhung fällt die Verzögerung des Serienanlaufs ins Gewicht, und auf eine STOL-Transall übertragen, würde es eine Verschiebung des Produktionsbeginns auf Mai 1966 bedeuten. Hier erhebt sich die Frage, ob die Entwicklung eines Kampftransporters zum STOL-Flugzeug, der - sei es die Transall oder die Hercules - ohnehin respektable Kurzstarteigenschaften aufzuweisen hat, wirklich lohnt.


WEITER ZU SEITE 7: C-130E als Lizenzbau?

    1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |     


Weitere interessante Inhalte
Beschaffungsprogramm C-160 Transall 1967 Der Fall Transall

03.08.2016 - Die Zeiten haben sich geändert – die Probleme bleiben die gleichen: Heute macht das größte europäische Rüstungsprojekt, der Militärtransporter Airbus A400M, Schlagzeilen wegen Verzögerungen, … weiter

1966 Mein Flug mit dem Starfighter

19.09.2017 - Walter Wolfrum, im II. Weltkrieg Jagdflieger auf der Me 109 mit 137 Abschüssen, 1962 Deutscher Kunstflugmeister und 1966 Mitglied der Mannschaft, die die Bundesrepublik bei den … weiter

Jetbomber der US Air Force Martin XB-48: Ohne jede Chance

14.09.2017 - Die sehr konventionell ausgelegte XB-48 trat im Wettbewerb um einen neuen Jetbomber der US Air Force gegen die Boeing B-47 an. Allerdings konnte das Martin-Muster nicht mit den Leistungen mithalten, … weiter

Fotodokumente Lockheeds nicht realisierte Projekte

06.09.2017 - Alle hier gezeigten Ideen stammen von durchaus seriösen Ingenieuren des US-Luftfahrtkonzerns Lockheed, die zu interessanten Entwürfen führten, jedoch nie realisiert wurden. … weiter

Ritt auf dem Feuerstuhl Lockheed F-104G Starfighter ZELL: Start aus dem Stand

25.08.2017 - In den 60er Jahren plante die Luftwaffe im Ernstfall den Einsatz von mit Nuklearwaffen bestückten Starfightern unabhängig von verwundbaren Flugplätzen. Mit Hilfe einer Startrakete sollten die Jets aus … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

In Kooperation mit
Klassiker der Luftfahrt 07/2017

Klassiker der Luftfahrt
07/2017
28.08.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Serie Motor: Junkers Jumo 213
Erste Flugbilder der perfekten Thunderbolt
Messerschmitt Me 309
Condor-Irrflug: Absturz über Irland
Gefechtsbericht: Angriff der Mistel