06.07.2017
Klassiker der Luftfahrt

Die Transporterfrage (Teil 5) Ein Vergleich des Entwicklungsstandes beider Flugzeuge

Transall - V1 D-9507 (005.jpg

Die Transall C-160 wurde Anfang der 60er Jahre konzipiert (im Bild der Prototyp D-9507) und fliegt heute noch in Deutschland, Frankreich und in der Türkei. © VFW  

 

Zwei Prototypen der C-160 stehen in der Flugerprobung, das dritte Versuchsflugzeug ist nahezu fertig und soll im Dezember 1963 in die Flugerprobung gehen. Zwei weitere Zellen dienen der statischen und dynamischen Erprobung. Eine Nullserie von sechs Maschinen wird mit einem Gesamtkostenaufwand von 95 Mio. DM zu gleichen Teilen von Frankreich und der Bundesrepublik in Auftrag gegeben und ihre Fertigstellung für die Zeit zwischen November 1964 und Januar 1965 geplant. Verlauf der bisherigen Flugerprobung der ersten beiden Versuchsmaschinen: Resultate befriedigend.

Stand der Lockheed C-130 Hercules: Nahezu 600 Hercules-Transportflugzeuge wurden bisher gebaut, der monatliche Ausstoß im Werk Marietta beträgt 15 Flugzeuge. Der Stückpreis für die voll ausgerüstete Standard-Version C-130E beträgt ca. 8 Mio. DM ab Werk, während die Beschaffungskosten der Serienausführung C-160 Transall auf 11 Mio. DM geschätzt werden, ein Betrag, in dem die Entwicklungskosten noch nicht enthalten sind. Beide Flugzeuge sind Kampftransporter konventioneller Bauart ohne zusätzliche Kurzstarthilfen.

Zum Vergleich der Transportleistungsfähigkeit wurden nach den Erfahrungen der USAF typische Nachschubfälle aufgestellt, nach denen der Leistungs- und Kostenaufwand für jedes der beiden Flugzeugmuster ermittelt werden kann. Als Beispiel ein Fall: 24-Stunden Nachschubleistung über eine Reichweite von 650 nautischen Meilen:

• Der tägliche Bedarf einer Brigade benötigt den Nachschub von 64 t. Beim Einsatz von C-160 Transall würde diese Materialmenge drei Flugzeuge erfordern, die pro Tag sieben Flüge durchführen müßten. Der Kostenaufwand für Wartung, Treibstoff, GI und Besatzungen würde 48 000 DM betragen.
Bei Verwendung des Typs C-130 Hercules würde ein einziges Flugzeug bei drei Flügen pro Tag die gleiche Transportleistung bei einem Kostenaufwand von 19200 DM übernehmen.

• Der tägliche Bedarf einer Luft-Division benötigt den Nachschub von 910 t. Der Transport dieser Menge erfordert 39 Transall mit insgesamt 103 Flügen. Die gleiche Menge könnte in 41 Flügen von 14 Hercules-Transportern im gleichen Zeitraum transportiert werden, wobei 412 000 DM eingespart werden könnten.
Neben den Vorteilen der niedrigeren Beschaffungskosten, einer längst bewährten Konstruktion, größerer Reichweite und Transportleistung zählt die höhere Sicherheit der viermotorigen Hercules gegenüber der zweimotorigen Transall. Trotz Ausfall von einem Triebwerk kurz nach dem Abheben bleibt eine ausreichende Reserve, die eine Steigleistung von 3,7 m/sec ermöglicht. Unter gleichen Bedingungen verliert die Transall 50 Prozent ihrer Leistung; die Steigleistung sinkt auf 0,5 m/sec.


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