02.02.2017
Klassiker der Luftfahrt

Zurück zum GewöhnlichenHeinkel He 177 mit vier Einzeltriebwerken

Das Sorgenkind des Reichsluftfahrt-Ministeriums, die Heinkel He 177, kam wegen anhaltender Schwierigkeiten mit dem Doppeltriebwerk DB 606 nicht aus den Schlagzeilen des ministeriellen Schriftverkehrs. Als Lösungsvorschlag rüstete das Heinkel-Werk Wien-Zwölfaxing im Jahr 1944 eine He 177 A-5 mit einer neuen Tragfläche und vier Einzelmotoren DB 603A aus und nannte sie He 177 B-5. Dietrich Peltz, 30 Jahre alt, Generalmajor und Führer der Kampffliegerverbände beim IX. Fliegerkorps, begutachtete das Flugzeug und hinterließ in einer entsprechenden Aktennotiz seine Spuren:

Heinkel - He 177 B5 4-mot.jpg

In Wien-Zwölfaxing entstand der Prototyp He 177 V101 mit vier Einzelmotoren. Mit dem Kennzeichen NE+OD (Werknummer 535550) flog Generalmajor Peltz das Flugzeug am 13. Mai 1944. Foto: KL-Dokumentation  

 

Heinkel Aktennotiz: Wien 14. Mai 1944
Betr.: He 177 B 5 (viermotorig), Besuch des Herrn General Peltz am 13. Mai 1944 in Wien

Anwesend die Herren:
General Peltz, Hauptmann Capesius, Prof. Dr. Heinkel, Direktor Francke, Schwärzler, Jost, Peter, Meschkat
          

1. Nachfliegen der He 177 B 5 mit Zentralleitwerk und Paddel

Bei der Unterhaltung über die Viermotorigkeit brachten die Herren zum Ausdruck, daß die jetzige He 177 mit Doppeltriebwerk infolge der hohen stillen Verluste durch Triebwerksschäden, sowie der hiermit verbundenen geringen Einsatzbereitschaft, auf die Dauer nicht tragbar sei. Auf fremden Flugplätzen stehen die Werften den He 177 die mit Beanstandungen landen, oft hilflos gegenüber. Diese Flugzeuge fallen dann für Monate aus, aus den Liegezeiten resultieren dann Masseschlüsse usw. Der taktische Einsatz erfordert sehr oft, daß man auf dem Heimathafen nicht wieder landen kann.

Peltz betont, daß an der Zelle grundsätzlich nichts auszusetzen ist und daß der Wurm im Triebwerk liegt. Wenn bei vier Einzeltriebwerken eins stehen bleibt, kostet es ein Lächeln, weiter zu fliegen. Beim Doppeltriebwerk kann man es keinem Flugzeugführer übelnehmen, wenn er bei Motorausfall landet, sowie er einen beleuchteten Flugplatz unter sich sieht.

Man macht keinen Hehl daraus, daß die He 177 heute sterben würde, wenn nicht die B 5 in Aussicht stände.

Zur Ausnutzung der bis Dezember herauskommenden Flugzeuge mit Doppeltriebwerk wird es unerläßlich sein, den Außendienst an den Frontstellen He 177 wesentlich zu verstärken, um durch Belehrung, Ausarbeitung von Erfahrungsvorschlägen zur weitgehendsten Schonung der Motoren, die Einsatzbereitschaft zu erhöhen. Auch fremde Horste müßten mit Informationsmaterial versorgt werden.
          

Urteil Nachfliegen B 5

Das Fluggewicht betrug nur ca. 24 to. Peltz flog längere Zeit zweimotorig (linke Seite stillgesetzt). Die Höhenruderkräfte erscheinen zu gering. Junge Besatzungen können das Flugzeug nach dem Start leicht überziehen. Ein endgültiges Urteil hält Peltz jedoch erst für angebracht, wenn er eine vollbeladene He 177 geflogen hat. Das Anmelden gefährlicher Flugzustände ist nicht sehr ausgeprägt. Die Querruderkräfte und -Wirkungen könnten besser sein.

Herr Direktor Francke verabredete, daß in Kürze ein neues Nachfliegen mit vollem Fluggewicht erfolgt, unter gleichzeitiger Bereitstellung der B 5 (mit Doppelleitwerk) und Veränderung der Quer- und Höhenruderkräfte. Außerdem will Peltz eine gute und eine durchschnittliche Frontbesatzung nach Wien schicken. Peltz betont, daß er hier nur die nachteiligen Punkte besonders erwähnte, im Allgemeinen wäre an der B 5 nichts auszusetzen.
           

2. Bugstand der B 5

Peltz erklärt, daß für den Nachteinsatz der Bugstand keinesfalls erforderlich ist. Er wird mit Generalstab und RLM klären, daß der für den Nachteinsatz in Frage kommende Anteil des Monatsprogramms ohne Bugstand geliefert wird.
                

3. He 177 B 7, Zusatzfahrwerk

Peltz teilt unsere Auffassung, daß es besser ist, ein neues, nach hinten klappbares Fahrwerk zu schaffen.
          

4. Änderungswünsche

a) Bessere Sicht
Peltz schlägt vor, zu überlegen, eine ausfahrbare Anordnung des Führersitzes mit Sichtkuppel für Start- und Landung und Sicht nach hinten.

b) Navigations- und Funkraum
Peltz hält es für dringend notwendig, baldmöglichst einen abgeschlossenen Raum für diese Aufgaben zu schaffen.

gez. Meschkat



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