13.07.2017
Erschienen in: 05/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

Zweiter Weltkrieg (Teil 2) Die Bewaffnung wird verstärkt

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Nach sowjetischen Maßstäben war die Bewaffnung des Jägers eher schwach. Die Idee eines Einheits-Waffenkalibers hielten die Sowjets für misslungen. Noch im Herbst 1941 versuchte man im 78. Regiment, die Bordbewaffnung der Hurricane umzubauen. Vier 7,69-mm-Browning-MGs wurden durch zwei sowjetische 12,7-mm-MGs ersetzt. Zusätzlich wurden Träger für zwei 50-kg-Fliegerbomben sowie vier Luft-Boden-Raketen RS-82 montiert. Im Januar 1942 tauschte das 191. Jagdfliegergeschwader die britischen Maschinengewehre an ihren Hurricanes gegen jeweils zwei 20-mm-SchWAK aus.

Ihre bescheidenen Flugcharakteristika und die Überlegenheit der Gegner führten zu verheerenden Verlusten. So waren zwei mit Hurricanes ausgerüstete Geschwader an der nordwestlichen Front in weniger als einer Woche von den Deutschen ausgeschaltet worden. Im Luftkampf mussten sie defensiv agieren, indem sie in Horizontalkurven herumkreisten oder als Gruppe einen Kreis bildeten. Unter den Piloten war die Hurricane gerade deswegen nicht besonders beliebt, man bevorzugte die heimischen Jagdflugzeuge.
Die Maschine trug den spöttischen Spitznamen „Fliegende Kuh“. Doch mit erfahrenen Piloten am Steuer zeigte auch die „Kuh“ ihre Hörner. Vier Hurricanes aus dem 485. Geschwader traten im April 1942 furchtlos gegen zehn Bf 109 an und schossen drei davon ab – zwei Hurricanes gingen dabei verloren. Am 19. Juni griff eine Gruppe von sieben Hurricanes (mit dem Kommandeur des 485. Geschwaders, Georgi Simin, als Formationsführer) über Ramuschewo eine andere Gruppe aus 15 Ju 87 an. Die deutschen Flieger wurden von 15 Messerschmitts begleitet. Zehn deutsche Flugzeuge wurden abgeschossen, Simins Gruppe hatte nur eine Maschine verloren.

Das bisher zahlreichste Auftreten der britischen Flugzeuge an der deutsch-sowjetischen Front fand im späten Frühling 1942 statt. Die Menge der eingesetzten Hurricanes erreichte im Juli den Höchststand, als acht Reservegeschwader an die vorderste Front geschickt wurden. Der Wichtigkeit der Schlachten bei Stalingrad bewusst, rüsteten beide Seiten qualitativ auf und setzten in diesem Frontabschnitt immer bessere Kriegstechnik ein. Die sowjetischen Luftstreitkräfte verlegten fortan die modernsten Varianten ihrer heimischen Jagdflugzeuge an die Front, die Hurricanes wurden nach und nach abgelöst. Bis zum 1. August 1942 verblieben im Bestand der 8. Luftarmee nur elf der Jäger. Auch überall sonst wurden diese Flugzeuge nach und nach verdrängt. Zum 1. Juli zählte die sowjetische Luftwaffe 202 britische Jagdflugzeuge, zum 1. November nur noch 130. Die Tatsache, dass die Hurricane mit den zeitgemäßen Anforderungen nicht mehr Schritt halten konnte, wurde immer offensichtlicher. Grigori Woroschejkin, der Unterbefehlshaber der Luftstreitkräfte, schrieb am 25. November 1942 an Josef Stalin: „An der Front erwiesen sich die Hurricanes als schlecht.“

Letztes Opfer ist die Fw 200

Zur selben Zeit wurde die Jagdflugzeugproduktion in den nach Osten verlegten Flugzeugwerken wieder aufgenommen, und Lieferungen amerikanischer Kittyhawks und Airacobras nahmen zu. Hingegen sank der Anteil an gelieferten Hurricanes. Zu diesem Zeitpunkt flogen 29 Regimenter den englischen Jäger. Folglich suchte man nach neuen Anwendungsbereichen. Etwa 20 Exemplare  wurden in den Werkstätten für die Nahaufklärung umgebaut und mit Kameras ausgerüstet. In Saratow wurde ein Teil zu Schleppflugzeugen umgebaut. Ab Ende 1942 lieferten die Briten letztmalig die Variante Mk IIC mit vier 20-mm-Bordkanonen. Fast alle gingen an Luftabwehrgeschwader. Am 1. Juli 1943 zählten die Streitkräfte der Luftabwehr 495 Hurricanes und zum 1. Juni 1944 schon 711. In der Luftabwehr dienten die Hurricanes den ganzen Krieg über und erzielten dabei 252 Abschüsse.

Der letzte Einsatzflug der Hurricanes bei einem Frontregiment fand dagegen am 23. Mai 1944 statt. Der Auftrag von vier Kampfpiloten aus dem 933. Regiment lautete, eine Focke-Wulf Fw 200C zu zerstören, die zum Nachtanken in der kalmykischen Steppe gelandet war. Diese Maschine sollte eine Gruppe von Agenten tief im Hinterland absetzen. Die Jäger machten das Flugzeug ausfindig, setzten es in Brand und gaben einer Einsatzgruppe am Boden Feuerunterstützung.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 05/2017


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